Ski2b: Wie bewertest Du die beiden Abfahrtsrennen am Wochenende in Garmisch?
Kristian Ghedina: Am Freitag hatte ich einen mittelmäßigen Lauf, bei dem ich nicht die beste Linie gewählt habe. Da hatte ich auch gleich zwei Sekunden Rückstand. Die Sicht war sicherlich nicht so gut, da konnte ich nicht so schnell fahren. Aber am Samstag war das Wetter deutlich besser und die Piste war ein bisschen härter und ich bin besser gefahren. Da habe ich nur etwas mehr als eine Sekunde auf den Sieger verloren. Mit dem achten Platz kann ich als 35-Jähriger zufrieden sein.

Ski2b: Du bist mit Deinen 35 Jahren mittlerweile der 'Grand Seigneur' im alpinen Ski-Zirkus zusammen mit Paul Accola, den Du aber ja momentan leistungsmäßig im Griff hast. Wie lange geht es bei Dir noch? Machst Du bis Torino 2006 weiter?
Kristian: Ich bin derzeit zufrieden mit meiner Leistung. Ich muss immer gegen Leute fahren, die teilweise wesentlich jünger sind als ich. Ja, es stimmt, Paul Accola ist älter als ich, aber er ist momentan meistens hinter mir. Bis zum nächsten Jahr fahre ich mit Sicherheit weiter und mein Ziel ist es, eine Medaille bei Olympia in Torino 2006 zu gewinnen. Aber dafür muss ich im Sommer viel arbeiten, denn wenn man älter wird, muss man einfach mehr machen, jeden Tag trainieren. Man braucht zwar kein großes Trainingspensum, aber jeden Tag sollte man etwas tun.

Ski2b: Oben am Start wirkst Du immer recht locker und bist dann aber wenige Minuten vor dem Start top-konzentriert. Wie schafftst Du das? Ist es die Routine oder einfach Ghedina-Style?
Kristian: Ich bin schon so lange dabei - ich glaube alleine in Garmisch bin ich schon seit 15 oder 16 Jahren - doch so ca. fünf Minuten vor dem Start geht auch bei mir das Adrenalin in die Höhe und bei jedem Rennen muss man kämpfen und hochkonzentriert zu Werke gehen. Wenn man das nicht macht, kann man eigentlich gleich zu Hause bleiben.

Ski2b: Wenn Du dann doch irgendwann einmal Deine Karriere beenden wirst, auf was dürfen sich die Skifans bei Deinem letzten Rennen freuen? Wirst Du den mittlerweile legendären Sprung von Kitzbühel noch toppen und so den Fans, neben dem sportlichen Ski-Giganten Ghedina, in Erinnerung bleiben?
Kristian: Es kann sein, dass ich einen ähnlichen Sprung machen werde wie den in Kitzbühel. Aber zunächst muss ich schauen, wie die neue Saison wird und wenn ich gut drauf bin, kann es sein, dass ich so einen Sprung auslasse und mich auf das Rennen konzentriere.

Ski2b: Kristian, vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg.
Kristian: Danke schön.