Der Österreicher Mario Matt ist nicht nur auf der Skipiste zu Hause. Der Slalom-Weltmeister von 2001 hat sich längst mit dem Pferdesport ein zweites Standbein aufgebaut, für den Fall, dass die aktive Karriere als Skirennläufer zu Ende geht.

Das Wunder von Kitzbühel
Seinen Durchbruch im Weltcup erlebte der hinsichtlich seiner Haarfarbe recht experimentierfreudige Tiroler 'fern' der Heimat in Kitzbühel. Als Junioren-Vizeweltmeister und Weltcup-Neuling in der Saison 1999/2000 vollbrachte er im Slalom die Sensation, mit Startnummer 47 noch den Sieg einzufahren. Österreich und die Skiwelt standen Kopf. Mit Matt, der seit 1996 dem ÖSV-Team angehört, gewann einer der neuen Carver-Generation.

Weltmeister 2001
Die Zielsetzung von Mario Matt vor dem Weltmeisterschafts-Slalom in St. Anton im Februar 2001 war klar: Er wollte unbedingt gewinnen. Das nötige Selbstbewusstsein für solche Äußerungen hatte er sich in der Kombination mit dem Gewinn der Silber-Medaille geholt. Einfach sollte es trotzdem nicht werden. Schließlich gab es da noch die harte Konkurrenz, vorrangig aus dem eigenen Lager. Aber im zweiten Durchgang hat der damals 22-jährige Tiroler "... voll Gas gegeben und alles riskiert." Matt gewinnt Gold. Das Ziel war erfüllt.

Schwere Verletzung
So schnell der Aufstieg des Mario Matt auch war, er wurde jäh gestoppt. Im Januar 2002, ein Jahr nach seinem großen Triumph in St. Anton, ereilte in das Schicksal vieler Spitzensportler: Er zog sich zwei schwere Verletzungen zu - Luxation and der Schulter und Bänderriss. Monatelang arbeitete er an seinem Comeback und wurde dann durch einen weiteren Sturz auf die Schulter wieder zurückgeworfen und musste wieder operiert werden. Erst Anfang Januar 2003 konnte er in den Weltcup zurückkehren.

Ansprechende Leistungen 2004
Die erste komplette Slalom-Saison konnte Matt dann im Winter 2003/2004 fahren. Dort zeigte er dann, dass mit ihm wieder zu rechnen war. Er konnte sich für das Weltcupfinale in Sestriere qualifizieren und erreichte zweimal einen dritten Platz. In der Endabrechung stand dann ein sechster Rang im Slalom-Weltcup.

Erster Sieg nach über drei Jahren
Im folgenden Winter knüpfte Matt dann an die guten Leistungen an und fuhr neben einem zweiten Rang in Kitzbühel (AUT) auch endlich wieder einen Weltcup-Sieg heraus. Ausgerechnet beim Weltcupfinale in Lenzerheide (SUI) schaffte er den Sieg und ging damit mit einem Hochgefühl in die Sommerpause und die Vorbereitung auf die olympische Saison 2006. Dies war der erste Triumph von Matt seit er in Aspen Ende 2001 siegreich war.

Zweites Standbein Pferdesport
Der begeisterte Reiter Matt hatte schon zu Jugendzeiten viel Zeit im Reitstall verbracht und sich später entschieden, ein eigenes Gestüt zu gründen. Die Leidenschaft fürs Reiten war auch in den schwierigen Zeiten das Auffangbecken für Matt. Hier konnte er abschalten und Abstand gewinnen vom Skisport.

Unauffällige Olympiasaison
Im Dezember 2005 erzielte Mario Matt einen vierten Platz im Slalom in Beaver Creek. Durch viele vordere Ergebnisse in den Punkten schaffte er trotz großer Konkurrenz im österreichischen Team die Qualifikation für Turin. Nach den Spielen konnte er allerdings nicht zufrieden nach Hause fahren, da es nicht gelang, die Trainingsleistungen in den Rennen umzusetzen. Als Sechster beim Slalom in Are kann er dennoch zuversichtlich in die Zukunft blicken.


Manchmal Top aber auch oft Flop
Erfolg und Ausstieg aus einem Rennen liegen bei Mario Matt nah beieinander. Drei überragende Siege im Slalomweltcup 2007/2008 sprechen für sein außergewöhnliches Können auf der Skipiste. Allerdings ist das Risiko mit dem Matt Rennen bestreitet oft zu hoch und er scheidet frühzeitig aus. Perfekt lief es bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2007 in Are. Im Slalom war Matt von keinem seiner Konkurrenten zu schlagen. Zwei herrliche Durchgänge ermöglichten ihm die goldene Medaille im Slalom. Würde mehr Stabilität in seine Leistungen vorhanden sein, wäre sicher auch ein weiterer Sprung in Sachen Gesamtweltcup möglich. In der Saison 2007/2008 wurde Matt Zehnter in der Gesamtweltcupwertung.

Durch ein tiefes Tal
Doch Matt musste zunächst einen tiefen Karriereknick verdauen. Es ging bergab. 2008/2009 noch Siebter im Slalom-Ranking verschwand Matt im Folgewinter fast ganz von der Sportbühne. Materialprobleme, Formschwächen - Matt fristete als 31. seiner Disziplin ein Randdasein und wurde in der so wichtigen Startliste durchgereicht. 2009 durfte er als Titelverteidiger noch zur WM antreten, schied aber aus, zu den Olympischen Winterspielen 2010 wurde er nicht nominiert. Auf ein Comaeback des 'Adlers vom Arlberg' hätten wohl nur wenige gewettet.

Zurück in die Erfolgsspur
Doch eine echter Kämpfer gibt nicht auf. 2010/2011 fand Matt zurück in die Spur. Mit Nummer 43 zeigte er in Adelboden erstmals wieder auf, als er Vierter wurde. Es folgten gute Ergebnisse, die WM-Nominierung, Platz vier dann zum Großereignis und wenige Tage später der erste Sieg seit Jahren: in Bansko (BUL) war es wieder soweit, nur eine Woche später gewann er auch in Kranjska Gora.



Steckbrief
Geboren: 09.04.1979
Nation: Österreich
Heimatverein: SC Arlberg
Größe: 188cm
Hobbies: Reiten, Motorradfahren, Wandern
Web: www.mario-matt.at