Immer mehr Skigebiete setzen sich aktiv für den Umweltschutz ein. Themen wie Naturverträglichkeit, Klimawandel und Landschaftspflege sind lange aus ihrer Nische herausgekrochen. Öko liegt im Trend. Nicht nur, weil es ja auch um die Erhaltung der „heilen Welt“ geht, die die Menschen während ihres Urlaubes in den Bergen suchen und auch noch finden. Skiinfo stellt euch drei Skigebiete vor, die sich bewusst und vor allem erfolgreich Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben.

Mit der Kraft der Sonne: Solarskilift Tenna – Safiental/Schweiz

Tenna ist ein kleines Dorf im Safiental im schweizerischen Kanton Graubünden und brachte 2011 eine Weltneuheit in die Berge: Ein Skilift, der ausschließlich mit Hilfe von Solarstrom betrieben wird. Die Idee entstand, nachdem der alte Schlepplift nach 41 Jahren rauf und runter schließlich ausgedient hatte. Ein neuer Lift musste her, aber nicht irgendeiner, sondern er sollte klima- und ressourcenschonend sein. Das war die Forderung der Genossenschaft Skilift Tenna, als es an die Planung der neuen Anlage ging. Und weil die sonnigen Berge bestens geeignet sind, auf umweltfreundliche Art Energie zu erzeugen, entschloss man sich das Experiment zu wagen und den weltweit ersten Solarskilift zu konstruieren. Die Firma Bartholet Maschinenbau Flums nahm sich der Sache an und heraus kam eine Anlage, die sich nicht nur komplett eigenständig mit Strom versorgt, sondern sogar noch einen Überschuss produziert. Die Besonderheit: Die einzelnen Solarmodule können dem Lauf der Sonne folgen. Dies ist dank einer Seilkonstruktion mit Hilfe eines Zugseils möglich. Falls in den Wintermonaten die Solarpanels aufgrund fehlender Sonnenstunden doch nicht genügend Strom produzieren können, wird ausschließlich Strom dazugekauft, der aus Wasserkraft gewonnen wird. „Das passiert aber nur an sehr wenigen Tagen“, versichert  Edi Schaufelberger, Präsident der Genossenschaft nachdem der Lift nun ein knappes Jahr Laufzeit hinter sich hat.

Der Ertrag liegt nämlich bei etwa 90.0000 Kilowattstunden Strom pro Saison. Allerdings benötigt der 450 Meter lange Lift nur etwa 22.000 Kilowattstunden. Die Überschüsse, welche theoretisch zwölf Einfamilienhäuser versorgen könnten, fließen ins lokale Elektrizitätswerk. Das bedeutet wiederum Zusatzeinnahmen. „Wir haben bereits 2,7 Mal den eigenen Energieverbrauch überschritten“, bilanziert Schaufelberger.  „So wird aus finanzieller Sicht auch eine schlechte, also schneearme Saison nicht zum Problemfall.“ Problematisch verhält es sich allerdings mit der Speicherung der Energie, wie Schaufelberger zugeben muss: „Ökologisch gesehen ist die Energiespeicherung immer noch ein Widerspruch zur Solarstromproduktion. Die Verwendung von Batterien ist nicht umweltverträglich. Sollte einmal eine andere Speichermöglichkeit bestehen, kommen wir aber gerne darauf zurück.“

Die Idee erwies sich dennoch nicht nur als enorm fortschrittlich, auch der Imagegewinn ist groß. „Die Zahl der Gäste, die diesen Lift nutzen, ist in nur einer Saison um über 30 Prozent angestiegen. Es gibt kaum einen Wintersportler, der nicht auf den Monitor bei der Talstation achtet, um die neusten Daten über Energieproduktion und Verbrauch zu analysieren. Und auch für junge Schulsportgruppen ist der Lift eine tolle Möglichkeit, das Thema nachhaltige Energie direkt zu vermitteln.“ Man muss nicht besonders gut im Rechnen sein, um zu realisieren, dass sich solche Lifte in Zukunft vor allem auch finanziell lohnen werden. Denn wer seine Energie selbst produziert, bleibt unabhängig von den ständig schwankenden Strompreisen.

Urlaub vom Auto: Skigebiet Werfenweng – Salzburger Land/Österreich

Das Skigebiet Werfenweng wird immer noch als Geheimtipp gehandelt. Klein und übersichtlich ist der auf 900 Metern Höhe gelegene Alpenort - ideal für junge Familien mit kleineren Kindern, die fern von Touristenmassen Erholung suchen. Das Besondere an Werfenweng: Hier kann man nicht nur Urlaub vom Alltag machen kann, sondern auch Urlaub vom Auto. SAMO heißt das Konzept, das die Gemeinde seit 1997 verfolgt, und bedeutet Sanfte Mobilität. Heute gilt Werfenweng als DER Modellort für Sanfte Mobilität und hat bereits viele andere Gemeinden zum Nachahmen angeregt. Die Idee dahinter ist so einfach wie effektvoll: Während die Gäste allerhand Vorteile genießen, wird gleichzeitig die Umwelt geschützt. Geboren wurde die Idee als Bürgermeister und Mitinitiator der Aktion Dr. Peter Brandauer vor einigen Jahren nach Möglichkeiten suchte, dem kleinen Bergdorf ein neues Profil zu geben: „Als anfangs der 90er-Jahre die Gästezahlen in Werfenweng stark zurückgingen, haben wir uns gemeinsam überlegt, wie wir uns im harten Wettbewerb um den Tourismus eine neue Chance geben können.“ Und die neue Chance bestand darin, den Urlaubern etwas zu bieten, indem sie gleichzeitig auf etwas verzichten.

Wer also ohne Auto anreist, wird gleichzeitig Inhaber der SAMO-Card und bekommt damit kostenlose Angebote und zahlreiche Vergünstigungen, wie zum Beispiel Busfahrten ins Umland, geführte Wandertouren oder Gratis-Ausrüstungen fürs Schlittschuh- oder Langlaufen. Wer von A nach B möchte, kann einfach den Shuttle-Service in Anspruch nehmen. Und das rentiert sich nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Umwelt. Denn jetzt schon zeichnen sich spürbare Erfolge ab, wie Brandauer feststellt: „Waren es vor dem Projekt nur sechs Prozent der Gäste, die mit der Bahn angereist sind, so sind es heute weit über 20 Prozent. Zusätzlich lassen viele Gäste während des Urlaubs ihr Auto stehen und nutzen die Sanfte Mobilität. Jedes Jahr werden so über 400 Tonnen CO2 eingespart.“

In Werfenweng wird aber nicht nur auf das Auto verzichtet. Die kleine Gemeinde hat sich ebenso dazu verpflichtet, vermehrt auf erneuerbare Energien zu setzen. „Wir haben zum Beispiel. in Werfenweng derzeit 50 Straßenlaternen, die ausschließlich mit Photovoltaik funktionieren. Momentan wird auch ein Biomassenheizwerk für das Ortszentrum errichtet, das noch dazu ein Bürgerbeteiligungsprojekt ist.“

Auch streben neben den Bio-Bauernhöfen zwei weitere Hotels ein Umweltabzeichen an. Das „Werfenweng-Projekt“ ist also in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Denn Bürgermeister Brandauer sorgte mit seiner damals noch ungewöhnlichen Idee nicht nur dafür, dass die Übernachtungszahlen wieder anstiegen, sondern auch, dass sich die Gäste buchstäblich mit jedem Atemzug ein bisschen mehr erholen.

Ausgezeichnet: Skigebiet Schnalstaler Gletscher – Südtirol/Italien

Das auf über 3000 Meter hoch gelegene Wintersportgebiet im Schnalstal hat bereits im Jahre 2002 damit begonnen, sich mit dem Thema Alpenschutz auseinanderzusetzen und leistete damit ganze Pionierarbeit. Als erstes Skigebiet Europas entwarf man eine Umwelterklärung, die alle drei Jahre von unabhängigen Gutachtern überprüft wird. Im Jahre 2011 wurde das italienische Skigebiet deshalb mit dem „pro natura – pro ski AWARD“ ausgezeichnet.

Der von der gleichnamigen Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien ausgelobte Preis möchte nicht nur das Thema Nachhaltigkeit für Veranstalter in den Fokus rücken, sondern soll auch umweltbewusste Urlauber bei der Wahl ihres Skigebietes unterstützen. „Der erhaltene Umweltpreis ist eine Bestätigung für die Investitionen der Vergangenheit und gleichzeitig auch Ansporn für die Zukunft“, sagt Dr. Helmut Sartori, Geschäftsführer der Schnalstaler Gletscherbahnen. In den vergangenen Jahren hat das Skigebiet vor allem auf ressourcenschonende Energiegewinnung gesetzt. „Besonders in den Wintermonaten verbrauchen wir viel Strom“, so Sartori. „Deshalb haben wir uns entschieden, alle heizölbetriebenen Kraftwerke zu beseitigen.“ Bereits in den 80er Jahren wurde ein Wasserkraftwerk gebaut. Hinzu kam 2008 ein neues Blockheizkraftwerk, das mit Palmöl betrieben wird und die erste Anlage seiner Art in Italien ist. „Muss dennoch Strom hinzu gekauft werden, wird ausschließlich Ökostrom bezogen.“ Damit im Talbereich eine durchgehende Grasnarbe erhalten bleibt, werden die Pisten regelmäßig gedüngt und wenn nötig, nachgesät. Und auch in den Hotelbetrieben wird darauf geachtet, dass der Müll sauber getrennt wird und biologisch abbaubare Reinigungsmittel zum Einsatz kommen. Auch in Zukunft will der Geschäftsführer weiter in die Nachhaltigkeit investieren: „Wir wollen in den kommenden Jahren zu einem autofreien Urlaubsgebiet werden und den Verkehr so weit wie möglich draußen halten. Es soll daher auch den Gästen leichter gemacht werden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.“ Dass die Urlauber dem Gletschergebiet dadurch fern bleiben, glaubt Sartori nicht: „ Wir merken, dass die Menschen sehr viel sensibler geworden sind, was Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit betrifft. Ich glaube schon, dass viele Urlauber sich für unser Gebiet entscheiden, gerade weil wir den Umweltpreis erhalten haben.“

Websites der Regionen

www.safiental.ch

www.werfenweng.eu

www.schnalstal.com