Fortsetzung von Teil 1: Die Wurzeln des Snowboarding

Nach dem schnellen Aufstieg des Snowboardsports entstand 1989 die International Snowboard Association, kurz ISA genannt, um die weltweite Austragung des Sports zu ermöglichen. Ziel der ISA war es, sämtliche Snowboarder in einer gemeinsamen Wertung zu führen und die Rennen besser zu koordinieren. Ein Jahr später schlossen sich die nationalen Snowboardverbände zur International Snowboarding Federation mit Niederlassungen in den USA, Europa und Japan zusammen. Die ISF war geboren und koordinierte fortan Wettbewerbe und Rennserien, die Wertungen der Fahrer sowie die Kommunikation untereinander und mit den Medien. In Deutschland prägte der DSDV das Snowboarding, setzte sich für die Snowboarder ein und organisierte Regio- sowie Deutschland-Cups für den Nachwuchs und die Pros. Zu den prägendsten Protagonisten zählten in den 90er-Jahren der Schlierseer Peter Bauer und Martin Freinademetz aus Innsbruck, sowie die Freestyle-Legende Graig Kelly und Halfpipe-Ikone Terje Håkonsen. Snowboarding boomte, es herrschte Goldgräberstimmung und das registrierten auch die FIS und ihre nationalen Skiverbände. Und so veranlasste der stark ansteigende Beliebtheitsgrad die FIS 1994 Snowboarding in ihren Verband zu integrieren und startete eine zweite Rennserie. Das erzeugt vor allem unter den Snowboardern der verschiedenen Lager starke Differenzen und so herrschte von Beginn an zwischen beiden Verbänden ein schlechtes Verhältnis.

Olympia beendet den Kampf der Verbände

1995 wurde Snowboarding zur olympischen Sportart erklärt und das IOC vergab die Verwaltungsvollmacht in die Hände der FIS. Zum Ärger der ISF und seiner Snowboarder, die zu diesem Zeitpunkt als die besten der Welt galten. Damit war Snowboarding zwar als echter sportlicher Wettbewerb akzeptiert und nicht mehr nur als ein neuer Trend, der wieder verschwinden würde, aber durch die Unterordnung in einen Skiverband und dessen starr geltender Organisation sahen die Snowboarder ihren freien Geist gefährdet, der zu diesem Zeitpunkt in der Szene sehr stark ausgeprägt war. Viel verweigerten die Teilnahme an Snowboardbewerben der FIS, darunter auch der damals dreifache Weltmeister und wohl beste Snowboarder aller Zeiten, Terje Håkonsen. Bis heute wird die damalige Entscheidung des IOC als sehr umstritten und rein politisch gewertet. Die puren Snowboardverbände von Snowboardern für Snowboarder verschwanden.

 

Erstmals überhaupt wurde Snowboarding im Jahr 1998 in Nagano als olympische Sportart ausgetragen und dennoch gab es noch immer Menschen, die einige Vorurteile gegenüber Snowboardern hatten. Ein Zwischenfall um den Gewinner der Goldmedaille im Riesenslalom spielte denjenigen noch dazu in die Hände. Dem kanadischen Snowboarder Ross Rebagliati wurde mit der Dopingkontrolle die Einnahme von Marihuana nachgewiesen, der wiederum nichts davon gewusst haben wollte. Er ließ wissen, dass er seit 1997 nicht mehr rauche und das Marihuana und die erhöhten Werte wohl auf das Inhalieren von Rauch während einer Party in Kanada zurückzuführen wären. Seine Goldmedaille bekam Rebagliati nach einem Tag wieder zurück, auch weil dem Internationalen Olympischen Komitee eine Vereinbarung mit dem Internationalen Skiverband auf Marihuana-Konsum fehlte.



Nicola Thost: Heldin der Halfpipe

Für Nicola Thost waren die olympischen Winterspiele von Nagano ihr größter Erfolg. Die deutsche Snowboarderin konnte zahlreiche Siege in der Halfpipe bei Wettbewerben der ISF einfahren. Thost gewann in den Saisonen 1997/98 und 1998/99 die ISF World Pro Tour und wurde von den führenden Snowboard-Medien in Folge, von 1998 bis 2002, als Snowboarderin des Jahres geehrt. 1998  wurde Nicola Thost in Nagano die erste Olympiasiegerin in der Halfpipe. Bei ihren zweiten Olympischen Spielen in Salt Lake City, vier Jahre darauf, erreichte sie Platz 11. Im Jahr 2003 beendete die Pforzheimerin verletzungsbedingt ihre erfolgreiche Profi Karriere.

 TB5 setzt neue filmische Standards

Noch im Jahr 1996 veröffentlichte Mike Hatchett den wohl noch immer besten Snowboardfilm TB5 mit Fahrern wie Noak Salasneck, Johan Olafsson und Bryan Iguchi. Die Fahrer demonstrierten sensationelle Airs, unglaubliche Stunts und nie dagewesene Tricks, gefilmt vor der atemberaubenden Kulisse von Alaska. 1998 betrug die Zahl der Snowboarder fast 50% in den Wintersportgebieten, die meisten davon akzeptieren mittlerweile Snowboarding. Heute ist Snowboarding allgemein akzeptiert, es setzt weiterhin neue Maßstäbe und hat zahlreichen Sportarten verholfen, ihre Grenzen neu zu erkunden, wie es derzeit auch die neue Generation der Freeskier eindrucksvoll auslebt.

 

Doch alle diese Sportarten eint eines, sie sind mehr als nur ein Sport, es sind Lebensphilosophien!