Die Sicherheit spielt beim Skitourengehen nicht nur eine wichtige Rolle, sie ist der alles limitierende Faktor und sollte bei der Tourenplanung und –umsetzung stets im Hinterkopf des Tourengehers sein. Denn beim Skitourengehen bewegt man sich abseits der Piste in alpinem Gelände, die alpinen Gefahren sind also allgegenwärtig. Wir geben euch hier ein paar Verhaltenstipps zur Vermeidung von Unfällen und Lawinen. Aber nicht ohne euch darauf hinzuweisen, dass diese Tipps den Besuch einen Lawinencamps und die umfassende Aufklärung in speziellen Kursen nicht ersetzen können.

Sicherheitsausrüstung: Das muss mit auf Skitour

Bevor man sich abseits der Pisten bewegt, sind einige Dinge zu planen und beachten. An Nummer 1 steht dabei die Ausrüstung. Ohne ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), einer Lawinenschaufel, einer Lawinensonde, einem Safety- Set (zum Beispiel Snowcard), einem obligatorischen Erste-Hilfe-Set und einem Biwaksack sollte man als Skitourensportler nicht unterwegs sein. Dieses Equipment bringt aber nur etwas, wenn man es auch richtig anwenden kann – und das lernt man am besten in einem Lawinenseminar. So ist im Fall der Fälle - ein Tourengeher wurde von einer Lawine mitgerissen und ist verschüttet - das richtige Handling des LVS-Gerätes, der passende Abstand zu weiteren Suchenden, die systematische und ruhige Anwendung der Lawinensonde ebenso wichtig wie das richtige Ausgraben von der Talseite aus. In Bezug auf die Ausrüstung kann man mit einem Lawinenrucksack, zum Beispiel von ABS oder Mammut, und einem Avalanche-Ball einer Verschüttung entgegenwirken bzw. eine erleichterte Suche ermöglichen. Zudem empfehlen Experten selbstverständlich die Mitnahme eines Handys oder Funkgeräts. Vieles mehr zur Sicherheitsausrüstung findet ihr in unserem zwar nicht mehr brandneuen, aber immer noch äußerst informativen Lawinenspecial.

Tourenplanung

„Tourenskigehen bedeutet einen exakt geplanten Aufstieg und eine gezielte Abfahrt“, sagte der erfahrene Skibergsteiger und ehemalige Wettkämpfer Rolf Majcen (AUT) in einem Interview mit uns bereits vor vielen Jahren. Was der Österreicher damit ausdrücken wollte, ist, dass man als Tourengeher nicht einfach mal losfährt, sein Auto abstellt und losläuft. Zuvor steht eine ausreichende Planung auf dem „To-Do“-Zettel. Tourengebiet, Lage des Ziels, vorhandene Hütten und Ausstiegsmöglichkeiten, Infrastruktur vor Ort – schon das Drumherum gehört zu den wichtigen Informationen, die man einholen muss.

Zuhause, mit Karten (1:25000), die man natürlich lesen können muss, und vor Ort vor dem Start kann dann der konkrete Aufstiegs- und Abfahrtsweg geplant werden. Dabei spielt der aktuelle Lawinenlagebericht ebenso eine wichtige Rolle wie die Geländeanalyse, die Hangneigungen, Expositionen, die aktuelle Wetterlage mit Wind und Sonneneinstrahlung, körperliche und psychische Voraussetzungen der Tourteilnehmer, Gesamtanforderung der Tour an die technischen Fähigkeiten im Aufstieg und in der Abfahrt, ein gutes Zeitmanagement mit ausreichend Zeit für Pausen und Puffer bei auftretenden Problemen und spezielle Anforderungen an die Ausrüstung. Eine erfolgreiche Planung ist eine Sache der Erfahrung und des Know-Hows. Wer mit Fachbegriffen in einem Lawinenlagebericht nichts anfangen kann oder seine technischen Fähigkeiten nicht einschätzen kann, der sollte sich lieber einer erfahrenen Gruppe anschließen und nicht "auf gut Glück" alleine losziehen.

Auf Tour

Vor Ort sollte der geplante Weg ständig auf seine Sicherheit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dabei helfen können verschiedene Strategien und Mittel, die man anwenden kann. So sind zum Beispiel die Snowcard oder die 3x3-Filtermethode von Werner Munter geeignete Mittel, um schon während des Aufstiegs und vor allem vor der Abfahrt eine individuelle Hanganalyse vorzunehmen. Dabei spielen Gefahrenstufe, Hangneigung und Hangexposition eine entscheidene Rolle. Da aber auch Triebschnee, Schneeverfrachtungen, Sonneneinstrahlung oder die Schichtverbindung zur Altschneedecke lawinenauslösende Faktoren sein können, ebenso wie der Wind (auch als "Baumeister der Lawinen" bezeichnet), sind neben einer gewissenhaften Analyse auch stets ein gesunder Menschenverstand und Gefahrenbewusstsein empfehlenswert.

Die Regel gilt: Im Zweifel lieber nicht in einen Hang einfahren, der einem kritisch vorkommt. So zählt Lawinenforscher Munter in seinem Buch "3x3 Lawine" auf der Tour auch Spuranlage, Timing, rechtzeitige Anordnung von Vorsichtsmaßnahmen, vorausschauende Fähigkeiten, Überblick und rechtzeitige Umkehr zu den wichtigen Dingen. Wichtig: Sind steile Hänge von mehr als 35 Grad zu fahren, sollte man stets nur einzeln in den Hang einfahren, da so die Belastung der Schneedecke minimiert wird. In einer Gruppe von Skitourensportlern sollte der Erfahrenste oder der Bergführer stets vorfahren und die äußere Spur vorgeben, die von den Nachfahrenden nicht überfahren werden darf. Mit Stockzeichen (vorher absprechen!) kann er dann Informationen weitergeben. Allgemein gilt, dass man im Gelände angepasst und kontrolliert unterwegs sein sollte, um insgesamt möglichst wenig Druck auf den Hang auszuüben. Dazu zählt zum Beispiel auch, ausgiebige Schrägfahrten zu vermeiden und großzügige Entlastungsabstände einzuhalten. Beim Aufsteigen ist ein Hauptfehler, die Spuren zu direkt und zu steil anzulegen. Zudem empfehlen Experten die Nutzung von sicheren Aufstiegswegen wie Kuppen, Rücken und Rampen sowie das Gehen in weiten Bögen und nicht in Spitzkehren. All das sind Mittel, um möglichst wenig Belastung auf die Schneedecke auszuüben und somit Lawinen zu vermeiden.

Wir empfehlen für weitere Informationen Lawinen- und Safetycamps, die euch auf die alpinen Gefahren bestmöglich vorbereiten!

Literaturtipps:

- "3x3 Lawinen" von Werner Munter

- "Lawine. Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen" von Rudi Mair und Patrick Nairz

- "SnowCard. Lawinen-Risiko-Check: Risikomanagement für: Skitourengeher, Snowboarder, Variantenfahrer, Schneeschuhwanderer" von Martin Engler und Jan Mersch