Schneeschuhwanderungen und Hundeschlittenfahrten, Wellness-Hotels und Iglu-Dörfer: Wenn man in den Angeboten von Wintersportorten stöbert, könnte man glauben, der Skispaß stünde dort längst nicht mehr an erster Stelle. Zugleich geben sich die Resorts aber alle Mühe, einander mit Superlativen zu überbieten: immer mehr Pistenkilometer, immer mehr Schneekanonen, immer längerer Skispaß. Abfahrtsfans kann das nur recht sein - doch bei dem riesigen Angebot verliert man leicht den Überblick. Skiinfo hat deshalb die besten Wintersportgebiete für all jene herausgesucht, denen es vor allem ums Skifahren geht.

Geht es nach den Statistiken - und der Eigenwerbung der Skigebiete -, liegt es nahe, auf der Suche nach dem ultimativen Pistenspaß zunächst auf die größten Gebiete zu schauen. Bei manchen kann sich das durchaus lohnen, denn sie bieten mehr als nur Pistenkilometer ohne Ende, die man ohnehin in einem einzigen Skiurlaub nie alle abfahren könnte.

 

Einige Skigebietsriesen haben mehr zu bieten als Größe allein

Die "Portes du Soleil" an der französisch-schweizerischen Grenze können sich mit 650 Pistenkilometern zu recht das größte zusammenhängende Skigebiet der Alpen nennen. Für die Region spricht zudem die Vielseitigkeit: Die meisten der 286 Pisten sind einfach oder mittelschwer, dort kommen also vor allem Anfänger, Kinder und vorsichtige Skifahrer auf ihre Kosten. Unter den 27 schwarzen Pisten sind jedoch auch echte Herausforderungen dabei - allen voran die "Mur Suisse" auf Schweizer Seite, eine "Mauer" mit 50 bis 60 Prozent Gefälle. Für alle, die am oberen Ende kalte Füße bekommen, gibt es auch einen Lift zurück ins Tal...

Ein guter Indikator für vielseitige Skigebiete mit leichten und schwierigen Abfahrten, breiten Pistenautobahnen und Tiefschneehängen zugleich ist das Ranking des ADAC. In diesem schneiden vor allem die Skigebietsriesen gut ab. Für 2012 wurden die "Portes du Soleil" auf den sechsten Platz gewählt, die nahe gelegenen "4 Vallées" - mit 410 zusammenhängenden Pistenkilometern das größte Skigebiet der Schweiz - kamen auf Platz vier. Am besten schnitten das "Matterhorn Ski Paradise" in der Schweiz und Italien (360 Pistenkilometer) sowie "Les 3 Vallées" (600 Kilometer) und "Paradiski" (425 Kilometer) in Frankreich ab.

Der Spitzenreiter Matterhorn hat nicht nur viel Abwechslung zu bieten - und ganz nebenbei eine der spektakulärsten Aussichten aller Skigebiete der Alpen -, sondern seit kurzem  auch eine schwarze Piste der Superlative: 250 Höhenmeter auf 750 Metern Länge und ein Gefälle von bis zu 65 Prozent.

In Österreich zählt der ADAC das Ötztal zu den abwechslungsreichsten Skiregionen. Allein Sölden kommt auf 151 Kilometer Abfahrten - darunter mit gut 1.880 Höhenmetern die längste in Österreich - und bietet Schneesicherheit von Oktober bis Mai. Der Party-Hotspot an den zwei Gletschern ist also nicht nur etwas für Feierwütige.

Nicht im Ranking vertreten ist das Zillertal, das aber in Sachen Vielseitigkeit mit dem Ötztal durchaus mithalten kann. Auf 671 Kilometern sind breite Familienabfahrten ebenso vertreten wie Tiefschneehänge und 101 Kilometer schwarze Pisten - darunter die mit durchschnittlich 78 Prozent Gefälle steilste präparierte Piste Österreichs, die "Harakiri" in Mayrhofen. Zudem hat auch das Zillertal mit dem Hintertuxer Gletscher ein besonders schneesicheres Skigebiet auf Lager.

Italiens Superskigebiet ist die "Vialattea" (Italienisch für "Milchstraße"), die von Sauze D'oulx über Sestriere bis ins französische Montgenèvre reicht und 400 Pistenkilometer umfasst. Auch sie schnitt beim ADAC-Vielseitigkeitstest besonders gut ab. Die Betreiber selbst werben vor allem damit, dank der langen, schwierigen Abfahrten selbst die anspruchsvollsten Skifahrer etwas bieten zu können.

 

Die besten Gebiete für Anfänger und Familien

So schön Vielseitigkeit für erfahrene Skifahrer ist oder für Gruppen mit sehr unterschiedlich verteilten Leistungsniveaus:  Wer noch nicht so sicher auf den Brettern steht oder es lieber ruhiger angehen lässt und auch keine Mitreisenden hat, die auf schwarzen Pisten bestehen, ist in Skigebieten ohne viele herausfordernde Abfahrten am besten bedient. Diese Skifahrer sind - ebenso wie noch unerfahrene Skizwerge - beispielsweise in der Wildkogel-Arena im Salzburger Land gut aufgehoben, wo 85 Prozent der Pisten rot oder blau sind.

Auch im Kärntner Skigebiet Bad Kleinkirchheim - Bad Oswald sind nur acht der 103 Pistenkilometer schwarz, und da die günstige Lage sowie rund 800 Schneemaschinen Schneesicherheit bis in den April garantieren, ist das Gebiet besonders gut für Familienurlaube etwa in den Osterferien geeignet. Die Almenwelt Lofer bietet ab der neuen Saison neben 45 Kilometern familienfreundlichen Pisten auch den nach eigenen Angaben weltweit ersten kindersicheren Achter-Sessellift mit Sitzheizung.

Auch auf der Seiser Alm in Südtirol bringen kindersichere Seilbahnen die großen und kleinen Abfahrtsfans sicher bergauf. Von der Kombibahn auf den Puflatsch etwa führen Pisten aller Schwierigkeitsgrade ins Tal, und von insgesamt 60 Pistenkilometern sind nur zwei den Profis vorbehalten.

In der Schweiz kommen Kinder, Anfänger und eher gemütliche Skifahrer beispielsweise auf den breiten Carver-Pisten von Meiringen-Hasliberg im Berner Oberland, im übersichtlichen Engelberg im Kanton Obwalden sowie auf den fast durchweg einfachen Pisten von Grächen im Wallis auf ihre Kosten.

 

Schneesicherheit: Oft macht’s die Lage

Für den ungetrübten Skispaß spielt natürlich auch die Schneesicherheit eine Rolle - gerade für die, die wie viele Familien besonders früh oder spät in der Saison in den Winterurlaub fahren. Schweiz Tourismus verweist vor allem auf die Sommerskigebiete mit Gletscher, die auch im Winter schneesicher sind: Zermatt, Saas-Fee und Les Diablerets.

Auch die österreichischen Gletscher bieten extralanges Skivergnügen: Sölden sowie der Mölltaler Gletscher in Kärnten etwa bis Mitte Mai, der Kaunertaler Gletscher in Tirol bis Juni, das Kitzsteinhorn im Salzburger Land bis Mitte Juli, der Hintertuxer Gletscher gar 365 Tage im Jahr. Andere Skigebiete wie Hauser-Kaibling und die Reiteralm in der Steiermark sind zu 100 Prozent beschneibar, während Kühtai, Österreichs höchstgelegener Wintersportort, mit Schneesicherheit bis Anfang Mai wirbt.

Deutschland hat indes nur einen Gletscher zu bieten: Auf der Zugspitze ist das Skifahren bis zu sieben Monate im Jahr möglich, auf bis zu 22 Pistenkilometern. Zumindest von Weihnachten bis März schneesicher, das aber auf ganz natürliche Weise, sind einige Skigebiete in schneereichen deutschen Mittelgebirgen wie den Thüringer Wald, dem Erzgebirge oder dem Bayerischen Wald - etwa das kleine Familienskigebiet Mitterdorf, wegen seiner Schneesicherheit auch "Gletscher des Bayerischen Waldes" genannt.

 

Und wo gibt es das Meiste fürs Geld?

Die deutschen Skigebiete können besonders beim Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Beim Skipass-Index des ADAC für 2012 schnitt Reit im Winkl (Tagesskipass 25,50 Euro für 44 Pistenkilometer) vor Hindelang (30 Euro, 32 Kilometer) und dem Classic-Gebiet Garmisch-Partenkirchen (37 Euro, 40 Kilometer) besonders gut ab. Noch etwas günstiger wird es abseits der Alpen, etwa auf dem Fichtelberg im Erzgebirge, wo für 25 Euro immerhin 15 Pistenkilometer geboten werden.

In Österreich, Italien, der Schweiz und Frankreich sind die Dimensionen etwas andere: Die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental (42,40 Euro, 279 Pistenkilometer) führt den Skipass-Index für Österreich an, Sestriere/Vialattea (34 Euro, 400 Pistenkilometer) für Italien. In den französisch-schweizerischen "Portes du Soleil" ist man mit 45 Euro dabei, was laut ADAC unter dem Strich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Frankreich ist.

 

Wo kein langes Anstehen den Pistenspaß trübt

Egal ob 15 oder 650 Pistenkilometer - wer ständig am Lift anstehen muss, hat wenig davon. In allen Ländern der Alpen gibt es aber Gebiete, die auch zu beliebte Urlaubszeiten kaum überlaufen sind. Schweiz Tourismus empfiehlt hier die kleinen Skigebiete wie Engelberg-Brunni, Bettmeralp, Flumserberg oder Brünig Hasliberg. Auch in Österreich gibt es zahlreiche kaum überlaufene Skigebiete, von der Koralpe in Kärnten über Christlum in Tirol bis Unterberg in Niederösterreich.

Viele große Skigebiete haben in der Vergangenheit zwar mit größeren und schnelleren Liften nachgerüstet, um Schlangen an den Talstationen zu vermeiden. Trotzdem empfehlen Österreich Tourismus wie auch "Portes du Soleil" in Frankreich, was wohl überall gilt: möglichst die Wochenenden und die Hauptsaison vermeiden, dann klappt es auch mit dem pausenlosen Pistenspaß.