Diamanten sind ja bekanntlich die besten Freunde der Damen. Doch in Copper Mountain sind auch Männer ganz versessen auf die Funkelsteinchen. Vorausgesetzt Frau und Mann stehen solide auf den Skiern. Mit zwei schwarzen Diamanten und der simplen Buchstabenkombination „ex“ kennzeichnet „Colorado Skicountry“ seine anspruchsvolleren Abfahrten. Selbst Könnern schlägt beim Anblick dieses „extreme terrain“ der Puls höher. Felsklippen, Gefälle bis zu 50 Grad und Buckel so groß wie ein VW-Käfer garantieren einen satten Adrenalinausstoß.

Copper Mountain: Moderne und Ski-Tradition

Aber keine Bange: auch Anfänger und durchschnittliche Skifahrer und Snowboarder finden in Copper Mountain perfekte Bedingungen. Die Pisten sind enorm weitläufig und die Serviceteams mit ihren Schneekatzen zaubern eine Oberfläche glatt und weich wie ein Babypopo auf die Berghänge der Rocky Mountains. Das Geheimnis für diese traumhaften Pistenbedingungen liegt im sogenannten „Champagne-Powder“. Die Wolkenfronten sind lange über den kargen Wüstenflächen der Westens unterwegs, ehe sie am Copper Peak, am Tucker Mountain und am Union Peak hängenbleiben. Dann erste rieselt der strohtrockene Pulverschnee auf die Hänge. Sieben Meter Schneefall jährlich sorgen für eine lange Saison. Abfahrten auf braunen Flecken kennen Skifahrer in Colorado somit gar nicht. Zumal sich im Gebiet von Copper Mountain alle 22 Lifte mit ihren 125 Abfahrten zwischen 3000 und 4000 Metern Seehöhe befinden. Copper Village selbst befindet sich mit 2926 Metern also schon auf Zugspitz-Niveau. Darum aufgepasst! Ein kleiner Jetlag, der dünne Sauerstoff und dann gleich eine euphorische Vollgas-Tour starten, das öffnet der Höhenkrankheit Tür und Tor.

Service wird großgeschrieben

Das amerikanische Motto „think big“ greift nicht nur bei den Pisten. Auch die Unterkünfte in Copper sind herrlich geräumig konzipiert. Die Zimmer sind schlichtweg riesig, ein offener Kamin Standard. Die sogenannte „kitchenette“ würden wir in Deutschland wohl als vollausgestattete Einbauküche deklarieren. Im Gefrierfach des amerikanischen Riesenkühlschranks könnte man auch einen Grizzly-Bären einparken. All das macht das Erlebnis Skifahren in USA schon sehr angenehm. Doch es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die - mal abgesehen von den Traumpisten - den entscheidenden Unterschied ausmachen. Am Lift gibt es an den „sniffle-stations“ gratis Taschentücher. Selbst Sonnencreme spuckt der Spender ohne Aufpreis aus. Service heißt das Zauberwort! Auf einer Werbetafel beim Easy Rider Lift bietet adventurerabbi.org jüdischen Wintersportlern sogar einen „Shabat-Workshop“.

“Hey Leute, wie geht es Euch? Braucht Ihr Tiefschnee? Nehmt den Sierra-Sessellift. Die Timber-Ridge ist noch unberührt. Ach, ihr wollt carven? Setzt euch in den American Eagle. Die Rhapsody-Abfahrt ist frisch gemacht!“ Das Liftpersonal ist einfach klasse. Die braungebrannten Burschen funken auch schnell mal die Gipfelstation an, um aktuelle Fakten über den Schneezustand zu erfragen. Und apropos Rhapsody: Nirgends, aber auch wirklich nirgends dudelt DJ Ötzi oder ähnliches Party-Gejaule aus den Lautsprechern. Carven mit Creedence Clearwater Revival, zu den schrägen Gitarren-Riffs von ZZ-Top eine Buckelpiste runterschreddern oder mit dem psychedelischen Surfsound von Jack Johnson bis zur Nasenspitze im Pulverschnee versinken – die Musik beschert noch eine Extra-Portion Glückshormone.

Telluride: Gangsterstadt und Skiparadies mit Wildwest-Flair

Doch irgendwann brennen die Oberschenkel und der Magen macht sich lautstark bemerkbar. Da kommt der T-Rex-Grill am „Windsong“- Hang gerade recht. Nomen est omen, die Portionen sind nicht nur Dinosaurier mächtig, sondern auch noch lecker… - einziger Wermutstropfen: Germknödel mit Mohn und zerlassener Butter gibt es nicht! Wir ziehen weiter nach Süden – wollen noch ein zweites Skigebiet erfahren. „To hell you ride“, rief der Kutscher der Rio Grande Southern Linie, wenn er sein Gespann in den hufeisenförmigen Canyon der San Juan Mountains lenkte. Dort wurde bereits erfolgreich Blei, Kupfer und Silber abgebaut, als im Marshall Basin 1875 auch noch Gold entdeckt wurde. Quasi über Nacht stieg die Zahl der Glücksritter, Bordelle und Saloons nochmal dramatisch an. In den folgenden Jahren wurden viele Dollars aus dem Gestein geschlagen, aber wohl genauso viele Dollars wieder für Suff und Sünde rausgeworfen. 1878 bei seiner Gründung, hieß das Städtchen noch fromm Columbia. Doch wahrscheinlich hat der Kutscher immer fleißig Kautabak gepfriemt und ordentlich genuschelt. Denn fortan wurde die Boomtown als Telluride (to hell you ride bedeutet auf deutsch „Fahr zur Hölle“) berühmt und berüchtigt. Mord- und Totschlag waren zwar ohnehin allgegenwärtig, dennoch schaffte es Butch Cassidy im Juni 1889 in die Schlagzeilen. Zusammen mit seinem Kumpel Sundance Kid und anderen zwielichten Gestalten erleichterte er die San Miguel Valley Bank um 24.000 Dollar – für damalig Verhältnisse eine horrende Summe. Es war der Start einer beispiellosen Karriere als Bankräuber und Revolverheld! George Roy Hill verfilmte diese Gaunervita 1969 aufwändig mit den Weltstars Robert Redford und Paul Newman in den Hauptrollen. Der Streifen war ein Kassenschlager und verschaffte den legendären Banditen späten Weltruhm.

Die verruchte Goldgräberstadt von einst hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten zu einem mondänen Wintersportort gewandelt. Die historischen Bauten wurden zwar allesamt saniert, aber dabei haben die Planer Fingerspitzengefühl und Augenmaß bewiesen. Das Wildwest-Flair wurde großartig erhalten. In der  Mainstreet mit ihren roten Backsteinbauten und den bunte Holzhäuschen könnte Hollywood sofort einen Western drehen - wenn man vorher die riesigen Pickups und SUVs vorher umparken würde. In den Saloons knarzen immer noch die Planken von einst und Einschusslöcher an den Wänden wurden eben nicht zugegipst. Diese einzigartige Symbiose aus Western-Nostalgie und wildromantischer Berglandschaft hat längst auch die Prominenz angelockt. Tom Cruise hat sich unweit der Skipisten eine Augenweide von Blockhaus errichten lassen. Auch der Modezar Ralph Lauren, der Regisseur Oliver Stone und viele andere Stars und Sternchen haben sich ein Stück dieser Westernkulisse gesichert.

Schneeloch Telluride

Der 4060 Meter hohe Palmyra-Peak und seine angrenzenden Gipfel ersaufen jährlich sogar in acht Metern Schnee. Auch diese Skiarena lässt keine Wünsche offen.  Zusätzlicher Pluspunkt: auf den Pisten scheint nie richtig was los zu sein. Häufig wirken sie fast schon verlassen. Dank dieser geringen Nutzerfrequenz lassen sich die weiten Hänge in großen Schwüngen rasant abcarven. Eine skifahrerische Erlebnisqualität, die sich in den Alpen meist nur in aller Herrgottsfrühe oder ganz kurz vor Liftschluss ergibt. In Giuseppe’s Restaurant, einer rundum verglasten Blockhütte auf 3624 Metern, gibt es zwar deutsche Knackwürste mit Sauerkraut, aber auch hier hat der „Anton aus Tirol“ Hausverbot. Stattdessen wird das Panorama der Rockies mit Rhythm & Blues angereichert. Die Gorrono Ranch, etwas oberhalb des Mountain Village, erinnert fast schon an ein Fort der US-Kavallerie. Dort spielt ein Country Duo live und open air. Westerngeige und Banjo gehen direkt ins Blut – tja, wer hätte gedacht, dass Square Dance auch mit Skistiefeln getanzt werden kann.

Infos:

www.coloradoski.com

www.coppercolorado.com

www.tellurideskiresort.com

Anreise

www.lufthansa.com fliegt mehrmals wöchentlich direkt nach Denver. Von dort aus werden sämtliche Skigebiete Colorados mit kleinen Shuttle-Bussen angesteuert. Telluride kann ab Denver auch mehrmals täglich mit einer Propellermaschine angeflogen werden.

Reiseveranstalter:

www.stumboeck.com

www.canusa.de

www.faszination-ski.de