Vier Rennen in fünf Tagen in Italien - darunter erstmals seit Jahren wieder der Slalom-Klassiker in Madonna di Campiglio - der Herren-Weltcup hat Italien seinen Besuch abgestattet. Dabei ragten drei Rennfahrer heraus, die wohl auch die große Kugel unter sich ausmachen werden. Für die Schweiz gab es besonders bittere Momente. Wir blicken auf Gröden, Alta Badia und Madonna di Campiglio zurück.

Speed: Klatsche für Schweiz und Österreich, Svindal glänzt

Aksel Lund Svindal ist der dominierende Speedfahrer der bisherigen Saison. In Gröden stellte er das im Super-G wieder unter Beweis, den er mit über einer Sekunde Vorsprung gewann. In der Abfahrt, die durch Nebel und Schneefall zu einer Lotterie geriet, wurde der Norweger immerhin noch Fünfter. Dort nutzten Steven Nyman aus den USA und der Slowene Rok Perko ihre hohen Startnummern zu einem überraschenden ersten und zweiten Platz.

Freuen durften sich in Gröden die Italiener (Podium für Matteo Marsaglia und Werner Heel), Top-Plätze gingen nach Norwegen (Kjetil Jansrud), Kanada (Erik Guay) oder Frankreich (Adrien Theaux). Als Beleidigung dürften die großen alpinen Nationen auffassen, das selbst die Niederlande mit Marvin van Heek einen Top Ten Fahrer in der Abfahrt platzierten. Deutschland, Österreich und der Schweiz gelang das nicht.

Für Österreich waren beide Speedrennen eine Niederlage. Matthias Mayer (6.) und Klaus Kröll (7.) sowie Joachim Puchner (9.) sorgten im Super-G noch für Top Ten Plätze, in der Abfahrt war unter den besten Zehn kein Österreicher zu finden. Noch schlimmer sah es für die Schweizer Athleten aus: Silvan Zurbriggen sammelte als 14, im Super-G immerhin ein paar Punkte, Stars wie Defago oder Janka blieben jenseits der Top 30. In der Abfahrt führte Vitus Lüönd als 24. das Feld der Eidgenossen an. Doch die große Klatsche sollte erst noch kommen.

Riesenslalom-Debakel für Swiss-Ski

'Totale Pleite' titelte das Schweizer Organ 'Blick' zum Riesenslalom in Alta Badia. Den hatte Ted Ligety in überragender Manier vor Marcel Hirscher für sich entschieden, mehr als zwei Sekunden lagen zwischen beiden. Ligety baute damit seine  Führung aus und bleibt in der Gesamtwertung an Hirscher und dem führenden Svindal dran. Die Schweiz brachte hingegen keinen Fahrer in die Punkte, das gab es noch nie in der Ski-Geschichte. Als Gesicht dieser Schmach muss Ex-Weltmeister und Gesamtweltcupsieger Carlo Janka herhalten, der unglaubliche 7,81 Sekunden im ersten Lauf auf den Führenden verlor. 160 Meter Rückstand wären das - es sind Werte, die normalerweise Ski-Exoten vorbehalten sind. Janka wurde von seinen Trainern aus dem Weltcup genommen und soll nun erst einmal im Training neues Selbstvertrauen schöpfen. Wer die Schweiz in dieser Verfassung bei der WM vertreten soll, bleibt fraglich. Bleibt der Verband bei seinen internen Kriterien, wird es ein sehr kleiner Herrenkader werden. In der Nationenwertung der Herren liegt man aktuell auf Rang neun. Daran änderte auch der überraschend gute sechste Platz von Markus Vogel im abschließenden Slalom nichts.

Hirscher im Slalom das Maß der Dinge

Kein Vergleich zur ÖSV-Bilanz: Dort überstrahlte Marcel Hirscher mit zwei Laufbestzeiten eine sonst mäßige Bilanz: Reinfried Herbst (7.), Benni Raich (12.) und Manfred Pranger (17.) hatten mit dem Podium nichts zu tun. Da raste der Japaner Naoki Yuasa hin - im zweiten Lauf kletterte er von Position 26 auf drei und weinte danach vor Schmerzen im Ziel. Der Japaner leidet an einem Bandscheibenvorfall. "Er sieht aus als habe Mike Tyson ihn geprügelt", sagte Japans Coach Christian Leitner.

Tragisch war das Rennen in Madonna di Campiglio aber aus einem anderen Grund: Nach acht Fahrern erlitt ein 70-Jähriger Streckenposten einen Herzinfarkt und verstarb. Das Rennen musste lange unterbrochen werden.

Deutsche Bilanz: Probleme im Speed, Erfolge bei engen Toren

Fritz Dopfer und Felix Neureuther sorgten bei den DSV-Trainern für frohe Gesichter. Im Riesen fuhr Dopfer auf vier, Neureuther auf sieben. Im Slalom stand Neureuther wiederum extrem gut auf dem Ski und wurde Zweiter, in der Slalomwertung verbesserte er sich auf Rang drei. Pech hatte Dominik Stehle, der nach gutem ersten Lauf im Slalom ausschied, auch Stefan Luitz ging in Italien leer aus. Dennoch: Das Team ist voll im Soll, auch die Fahrer hinter den beiden Topfahrern zeigen ihre Klasse.

Weniger gut lief es in Gröden: Stephan Keppler krachte mit dem Gesicht in ein Tor und verlor dadurch den Super-G, auf dem er schon hatte glänzen können. Wieder konnte nur Andreas Sander ein Pünktchen einfahren. Die Abfahrts-Lotterie nutzte Philipp Zepnik mit Startnummer 57 zu seinem Vorteil und fuhr auf Platz 20 vor - Glückwunsch! Erneut Sander (25.) holte wiederum ein paar Punkte. In Bormio haben die Herren zwischen den Jahren die nächste Speed-Herausforderung vor sich.