Wachsen und Kanten schleifen lassen im Sportfachgeschäft: 20 bis 50 Euro! Das ist vielen Hobbyskifahrern, die Wert auf gutes und gepflegtes Equipment legen, auf Dauer doch zu teuer. Sie wollen also selbst ans Werk und den Ski Gutes tun. Doch wie stellt man das an? Wir haben mit einem gesprochen, der es wissen muss. Christian Stalder ist Wachsexperte bei Toko, einem der Marktführer im Skipflegesegment. Toko wurde vor fast 100 Jahren gegründet - wenn sich also eine Firma mit Wachs auskennt, dann die im schweizerischen Altstätten ansässige Toko-Swix Sport AG.

Welche Ausrüstung braucht man?

Wachsanfänger stehen gleich zu Beginn ihrer "Wachskarriere" vor der Frage, welche Ausrüstung richtig und wichtig ist und auf was man als Alpinskifahrer verzichten kann. Christian Stalder klärt auf: "Ein erstes Set kann ein Kantenfeilgerät beinhalten, dazu ein Unversalschleifstein für stärkere Kantenbeschädigungen. Für das Heißwachsen braucht es dann ein Wachsbügeleisen, ein Universalwachs, eine Abziehklinge und eine Universalskibelagsbürste. Das wäre das Starterset für einen Heißwachser. Selbstverständlich kann zu Beginn auch ein Flüssigwachs gute Dienste leisten." Wer es ernst meint und die nächsten 20-30 Jahre seine Ski selbst pflegen möchte, dem sei noch ein einfaches Skieinspanngerät empfohlen, mit dem man den Ski optimal fixieren kann.

Ski raus aus dem Keller - was nun?

Der Winterurlaub steht an. Ihr holt also eure fast ein Jahr lang nicht benutzten Ski aus dem Keller und wollt sie fit  für den Skiurlaub im Schnee machen. Doch wie fangt ihr an und was genau müsst ihr machen? "Zu Beginn sind die Kanten wahrscheinlich zu schärfen. Wichtig ist, dass die Kanten sauber sind, dass heißt keine Grate bei den Kanten spürbar sind. Danach geht es ans Ski wachsen", sagt Experte Stalder. Die Kanten sollte man unbedingt vor dem Wachsen schleifen, damit nicht nach dem Wachsen mit dem Kantenschleifgerät der frische Belag wieder ruiniert wird. Hat man also die Kanten mit einem passenden Feilgerät und dem richtigen Winkel (zwischen 90° bis 85°) geschliffen, geht es ans Wachsen. "Zunächst muss man das Heißwachs auf den Belag tropfen und mit dem Bügeleisen sechs bis acht mal über Skibelag gleichmäßig einwachsen", so Stalder. Wichtig dabei: Das Wachs muss gut verteilt werden, ohne dass der Belag überhitzt wird. Am Anfang kann man also langsam das Wachs verteilen, ist der Belag bereits aufgewärmt sollte man etwas schneller mit dem Bügeleisen zu Werke gehen, damit man den Skibelag nicht beschädigt. Ob man beim Auftragen des Wachses auf den Ski die Tropf-Methode oder das direkte Reiben des Wachses auf den Ski im kalten Zustand bevorzugt, da hat jeder Wachser seine eigene Vorgehensweise. Beim Tropfen wird oft zuviel Wachs aufgetragen und somit entsteht ein hoher Verbrauch, da das überschüssige Wachs wieder abgezogen wird. Das Reiben des Wachsstücks auf den Belag ist anstrengender und es ist schwieriger, die ausreichende Menge an Wachs auf den Ski zu bringen. Gängig ist das Tropfen des Wachses auf den Ski, versucht einfach, dabei sparsam zu sein. "Im Anschluss muss man die Ski auskühlen lassen, mindestens eine halbe Stunde. Danach zieht man mit der Abziehklinge vom Ski das überschüssige Wachs vom Belag in Laufrichtung - von der Skispitze zum Skiende - ab. Danach nutzt man die Universalbürste und bürstet den Skibelag in Laufrichtung aus", erklärt der Toko-Experte. Nutzt man Flüssigwachs oder Pastenwachs, kann man auf einen Arbeitsschritt verzichten und muss nur auftragen, aushärten lassen - der Experte rät möglichst über Nacht - und danach mit der Universalbürste polieren.

Das richtige Wachs und der schlimmste Fehler

Hobbywachser wissen bei ihrer Skipräparation meist noch nicht fest, wie die Bedingungen im Urlaubsort sind. Wird es kalt? Ist Neuschnee, Altschnee oder Kunstschnee die vorherrschende Unterlage? Wird es nass, feucht oder trocken? Für jede Bedingungen findet man im Fachgeschäft heute Wachsarten, aber was mache ich, wenn ich die Bedingungen nicht kenne? "Das ist eine sehr gute Frage", sagt Experte Stalder. "Grundsätzlich ist für den Heißwachser ein Universalwax immer eine gute Entscheidung. Will man ein „Systemwachs“ verwenden, so ist ein Wachs für Schneetemperaturen von  -4°C bis -12°C - bei Toko ist dies das rote - eine herrvorragende Wahl." Mit einem universellen Wachs ist man also auf der sicheren Seite. Viel wichtiger als das Wachs ist ohnehin, dass man den Ski überhaupt pflegt, weiß auch Christian Stalder: "Den schlimmsten Fehler, den man machen kann, ist sein Material nie zu pflegen. Heute sind die Pisten meistens durch den Kunschneeeinsatz - der Fachausdruck ist technischer Schnee - so hart, dass schon nach wenigen Fahrten der Kantengriff nachlässt. Ein schlechterer Skifahrer hat dann bei seinen Schwüngen oft noch mehr Rutschphasen, welche die Kante dann noch schneller abrundet. Zudem ist die Kunstschneeoberfläche gegenüber dem Skibelag wie Schleifpapier. Der Belag wird faserig und laugt aus, er wird weiß. Spätestens dann ruft der Belag nach einer Heißwachsung. Das Ganze hat also nichts mit Geschwindigkeit, sondern mit Sicherheit zu tun." Wie Stalder bereits andeutet, kann man recht leicht feststellen, wann der Belag einer neuen Pflege bedarf: "Der Skibelag wird weiß und leicht faserig. Sollte dann noch Neuschnee fallen, ist die Bremswirkung extrem hoch. Ein Ski lässt sich dann sehr schlecht drehen, man hat keinen Fahrspaß mehr." Spätestens dann gilt es: Ran an die Werkbank und den Ski neu wachsen!

Kaltwachs - sinnvoll oder nicht?

Toko, Swix, HWK - alle namhaften Wachshersteller haben auch sogenanntes Kaltwachs im Angebot. Doch was bringt diese Form des Wachsens wirklich? Unser Wachsexperte klärt auf: "Das Heißwachs dringt durch das Erwärmen mit dem Bügeleisen in den Belag ein. Diese Wachsung ist auch die Technik, wie sie zum Beispiel im Ski-Weltcup angewendet wird. Die Anwendung von sogenannten Expresswachsen ist aber eine gute Alternative. Allerdings sollten diese dann jeden Tag verwendet werden. Zudem ist es wichtig, die Produkte Flüssigwachs und Pastenwachs gut aushärten zu lassen, am besten über Nacht. Danach sollte man mit der Bürste gut polieren. Das Wachs hält so viel länger und ist zwischendurch angewandt eine gute Alternative zum konventionellen Heißwachsen.

Letzte Tipps vom Profi

Gibt es sonst noch irgendwelche Tipps und Tricks für Skifahrer, um den Belag ihrer Ski zu schonen und zu pflegen? Christian Stalder plaudert aus dem Wachskästchen: "Die Ski sollte man nach dem Gebrauch immer mit einem Baumwolllappen trocknen. Danach mindestens mit einem Flüssigwachs „einreiben“, das verhindert auch Rostbildung. Ein sehr guter Tipp ist die stete Verwendung von sogenannten Skiclips/Skiriemen, die man vorteilsweise an der Skispitze, am Skiende und oberhalt der Bindung festmacht. Der Ski ist so gut zusammengebunden und man klemmt sich nicht die Hände ein, zudem scheuert der Skibelag nicht. Die letzten beiden Tipps, die ich geben kann: Die Ski nicht auf die Skienden schlagen, um den Schnee zu entfernen, dies erzeugt im Skiendbereich Grate. Und natülrich sollte man miit dem Ski nicht über den Asphalt laufen."

Hier seht ihr noch ein Video, bei dem alle Arbeitsschritte des selbstständigen Wachsens gut abgebildet werden, allerdings ist es englischsprachig...

Wer mehr über das Wachsen erfahren will, der kann einen Blick in unser Wachsspecial werfen.