Drei Rennen - vier Sieger: Das gibt es weiterhin nur in Kitzbühel. Vor den Augen der Prominenz (unter anderem bewies Ex-Terminator Arnold Schwarzenegger in Interviews, dass er vom Skirennsport eigentlich überhaupt nichts weiß) und 80.000 Fans trugen Aksel Lund Svindal im Super-G, Dominik Paris in der Abfahrt, Marcel Hirscher im Slalom und Ivica Kostelic in der Kombination ihre Namen in die Siegerlisten ein - sie werden bald, wie es Brauch ist, auf Gondeln verewigt.

Erster Sieg an Svindal

"Wenn du in Kitzbühel siegst, bist du eine Legende", sagte Aksel Lund Svindal nach einem der Trainingsläufe. Bereits am ersten Tag des Hahnenkamm-Rennwochenendes stieg der Norweger dann in den besagten Status auf: Der Favorit verwies Matthias Mayer und Christoph Innerhofer auf die Plätze und durfte am Abend das erste Siegerkitz in Empfang nehmen. Ob der Erfolg auch Nachteile mit sich brachte? Auf der ruppigen Streif-Abfahrt am Folgetag jedenfalls reichte es für Svindal nur zu Rang neun.

Nächster Klassiker an Italien

Während normalerweise die Speed-Klassiker zum Nationenkampf Österreich gegen Schweiz ausgerufen werden, so ist 2013 Italien die siegreiche Speed-Nation. Zwar konnte Christoph Innerhofer seinen Triumph von Wengen nicht wiederholen - Teamkollege Dominik Paris sprang aber todesmutig in die Bresche und lieferte die Fahrt des Tages. Um wenige Hundertstel geschlagen wurde Erik Guay aus Kanada, Hannes Reichelt sammelte für die Gastgeber wenigstens einen Podiumsplatz ein. Mit dem erhofften Speed-Sieg auf der Kultstrecke wurde es aber für die Österreicher wieder nichts. (Den detaillierten Rückblick auf die Streif-Speedrennen 2013 findet ihr hier).

So herrschten im ÖSV-Lager denn auch gemischte Gefühle vor. Hinter Mayer kamen Georg Streitberger und Romed Baumann auf den Rängen elf und zwölf im Super-G noch achtbar ins Ziel, Hannes Reichelt und Klaus Kröll waren mit den Plätzen 14 und 16 nicht zufrieden. Besser lief es in der Abfahrt, wo Reichelt ohne den Patzer in der Traverse durchaus hätte gewinnen können. Mit den Plätzen fünf, sechs und acht für Max Franz, Klaus Kröll und Georg Streitberger ist der interne Kampf um die Tickets für die WM-Abfahrt voll entbrannt. Wer neben Kröll und Reichelt startet, dürfte die Trainer noch zum Grübeln bringen.  

Schweiz und Deutschland: Schwache Bilanz

Viermal in Folge hatte in Person von Didier Cuche oder Didier Defago ein Schweizer die Streif gewonnen - 2013 stand Defago zwar noch im Aufgebot, aber die Schweizer Mannschaft fristet weiterhin ein Schattendasein. Platz 29 und 30 im Super-G - ein neuerliches Debakel. Immerhin 15. wurde Patrick Küng auf der Streifabfahrt und führte damit sein Team an. Ex-Sieger Defago markierte mit den Plätzen 31 und 24 sein aktuelles Leistungsvermögen. Wenige Tage vor der WM sieht es einigermaßen trostlos aus. Dass zwei Eidgenossen im Slalom-Endlauf standen und dort im Finale mit Patzern gute Ergebnisse verspielten, zählt da kaum. Carlo Janka wurde in der Kombinationswertung Zehnter - von insgesamt zehn gewerteten Fahrern. Sein Rückstand auf den Sieger betrug rund 11,5 Sekunden.

Auch für den DSV war die Speedbilanz enttäuschend. Eine Trainingsverletzung warf Andreas Sander aus den Rennen, Stephan Keppler konnte auf der Piste, die ihm eigentlich liegt, nicht überzeugen. Dem Ausfall im Super-G folgte Rang 28 in der Abfahrt. Sein Ziel, sich mit einem zweiten Top-15 Resultat für die WM zu qualifizieren, hat er verpasst und muss nun darauf hoffen, dass die Trainer ihn dennoch nominieren. Ansonsten drohen Wettbewerbe ohne deutsche Beteiligung.

Slalom-Duell der Sonderklasse

Zuerst sah es nicht so aus, als sollte es am Sonntag am Ganslern zu einer Neuauflage des Slalom-Duells zwischen Marcel Hirscher und Felix Neureuther kommen. Auf den Rängen drei und sieben lagen die Favoriten nach Lauf eins - vorne hatten sich vor allem die drei Italiener Thaler, Razzoli und Gross sowie der doppelte Kitz-Sieger Jens Byggmark aus Schweden als Spielverderber reingedrängelt. Doch im Finale setzte sich auf schwierigem Geläuf letztlich die Klasse durch.

Kostelic setzt unfahrbaren Lauf

Vorher hatte es noch einen Eklat gegeben: Ante Kostelics Kurssetzung wurde von der Mehrzahl der Trainer als unfahrbar abgelehnt - der Vater und Trainer von Topfahrer Ivica lehnte eine Änderung seines Laufs aber ab und bekam damit das Privileg der Kurssetzung kurzerhand entzogen. Dass Vater Kostelic grenzwertige Läufe setzt, die schon viele Fahrer mögliche Triumphe gekostet haben, ist bekannt - in Kitzbühel setzte sich der exzentrische Kroate ein Denkmal der Sturheit.

Die Entscheidung fiel in mehreren Passagen. Oben mussten die Fahrer Druck aufbauen, dann denn seitlich abfallenden Hang mit vollem Risiko nehmen. Bei Übergang ins letzte Steilstück hob es einige Topläufer aus, die letzten engen Haarnadeln waren der letzte mögliche Stolperstein. In Perfektion fuhr diese Strecke nur einer: Marcel Hirschers Lauf war der Inbegriff einer aggressiven Slalomfahrt, wie er bei vollem Risiko dennoch eine beeindruckende Kontrolle an den Tag legte, war einzigartig. Nach seinem Finale hielt es im Zielraum niemanden auf den Füßen - nicht einmal Arnold Schwarzenegger. Mit Hirscher kam diesmal auch Felix Neureuther nicht mit. Der Partenkirchner carvte aber als Zweiter das nächste Top-Ergebnis ein und gab zu, strategisch gefahren zu sein. Wenn das zum zweiten Platz reicht, ist das ebenfalls beeindruckend. Fortsetzung folgt!

Raich stark - Hirscher out

Die Italiener mussten sich somit geschlagen geben, am besten kam noch Razzoli (Vierter) im Finale zurecht. Einen großen Schritt in Richtung WM dürfte Benni Raich gemacht haben: Der Pitztaler zeigte die zweitbeste Laufzeit und verbesserte sich nach schwächerem ersten Durchgang noch auf Position fünf. Konkurrent Reinfried Herbst fiel im zweiten Lauf aus und dürfte damit aktuell schlechtere Karten haben. Mario Matt hatte schon im ersten Lauf das Ziel nicht gesehen, Dritter aus Sicht des ÖSV wurde einmal mehr Manfred Pranger mit einem soliden neunten Rang.

Dopfer rutscht in erste Startgruppe

Aus deutscher Sicht fuhr auch Fritz Dopfer wieder vorne mit, wenn auch sein Finale die letzte Aggressivität vermissen ließ. Platz sieben in Kitzbühel spült ihn in der Slalom-Startlistenwertung an Alexis Pinturault vorbei auf Platz sieben und damit in die allerbeste Startgruppe - ein Vorteil für die kommenden Rennen und für die WM. Keine Frage: Der DSV hat zwei absolute Spitzenfahrer in seinen Reihen. Leider konnten Dominik Stehle und Stefan Luitz dahinter wieder keine Punkte oder Final-Qualifikation einfahren.

Hahnenkamm-Kombination: Mal wieder Kostelic

Seit Jahren ist Ivica Kostelic der einzige logische Sieger der letzten verbliebenen klassischen Kombination. Nur zehn Athleten überstanden die Streif und zwei Durchgänge am Ganslern überhaupt - und Kostelic als Slalom-Dritter siegte wie in den letzten Jahren auch. Dieses Mal war der Vorsprung nicht mehr so exorbitant (‚nur‘ 1,26 Sekunden lag Alexis Pinturault zurück). Dennoch wirkt dieses Format mangels sportlicher Konkurrenz wie ein überflüssiger Dinosaurier. Kaum einer der Zuschauer dürfte mitbekommen haben, als ÖSV-Präsident Schröcksnadel dem Kroaten inmitten des Slalom-Finals zum Hahnenkammsieg gratulierte. Romed Baumann als Vierter lag bereits 5,5 Sekunden zurück. Fraglich, ob die Organisatoren in Kitzbühel ihre Kombination weiterhin als Weltcupwertung werden pflegen dürfen. Alpine Alleskönner scheinen nicht mehr so gefragt zu sein wie zu Zeiten von Girardelli und Co.

Für die Stars steht vor der WM noch einmal Stress pur an: Am 29. Januar geht es in Moskau noch einmal um Slalom-Punkte im dortigen City-Event. Ab dem 5. Februar startet dann bereits die Weltmeisterschaft in Schladming.

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