Christoph Schrahe ist Skifahrer durch und durch. Als Betreiber von www.ski-weltweit.de hat er in den vergangenen 30 Jahren unzählige Skigebiete unter seine Ski genommen. Und dabei schon viel gesehen. Eine Frage ließ den Journalist und Buchautor aber nie los: Wie viele Pistenkilometer, welche Ausdehnung, welche Größe hat ein Skigebiet wirklich? Stimmen die Angaben, die die Marketingabteilungen der Skigebiete publizieren? Schrahe hat mit einer aufwändigen Recherche mit Hilfe von geografischen Informationssystemen, behördlichen Geo-Informationsdiensten, interaktiven Karten der Skigebiete, Desktop-Mapping-Programmen, GPS-Aufzeichnungen und unzähligen Stunden vor dem Rechner nun eine Studie beendet, die Erschreckendes offenbart: In nur wenigen untersuchten Gebieten entspricht demnach die angegebene offizielle Pistenlänge tatsächlich den ermittelten Zahlen.

Schrahe hat circa 80 Skigebiete untersucht, um schließlich die Top50 der größten Skigebiete weltweit mit mindestens 110 Kilometern realer Pistenlänge herausfiltern zu können. Und wie hat er gemessen? „Für mich war der einzig sinnvolle Weg, um die Pistenlänge zu bestimmen, die Falllinie in der Mitte der Piste zu messen“, sagt der Ski-Experte. Auf große Kurven oder die Ausnutzung der kompletten Pistenbreite wurde also verzichtet – und genau das scheint Ansatzpunkte für die Skigebiete zu sein, um die Differenz zu erklären. „Ich habe zum Beispiel das Stubaital und das Alpbachtal mit den Ergebnissen konfrontiert. Manche der Gebiete rechnen ab einer bestimmten Pistenbreite den Weg doppelt, bei sehr breiten Pisten sogar dreifach. Das verfälscht das Ergebnis natürlich ebenso wie Pistenabschnitte, die gleichzeitig zum Beispiel rote und blaue Piste sind, aber doppelt gezählt werden“, so Schrahe. Klar ist: Die gefahrene Länge vergrößert sich, wenn man eine Piste in der vollen Breite nutzt und am besten noch hundert Querfahrten einschiebt. Aber kann man dies als Grundlage für offizielle Zahlen nehmen?

Ob die zum Teil haarsträubenden Ergebnisse ausschließlich durch unterschiedliche Messmethoden erklärt werden können, darf bezweifelt werden. So verspricht der Stubaier Gletscher zum Beispiel 129,5 Kilometer Pisten und markierte Routen, tatsächlich hat Schrahe 47 gemessen. Weitere Beispiele von Kilometerfälschern: Das französische Skigebiet Forêt Blanche bietet laut Schrahe nur 71 Kilometer statt versprochener 185, 4 Vallées in der Schweiz wirbt mit 412 Kilometern und bietet nur 159, Monterosa Ski in Italien hat man nach 71 Kilometern abgefahren anstatt angegebener 180 Kilometer. Und im Hochzillertal werden 181 Kilometer Pistenspaß ausgelobt, gemessen wurden von Schrahe gerade einmal 73.

Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen und positive Beispiele: Kitzbühel, die Vier-Berge-Skischaukel rund um Schladming, der Arlberg mit St. Anton, Lech und Zürs, der Skicircus Saalbach-Hinterglemm, die Espaces Diamants in Frankreich sowie die spanische Sierra Nevada geben die tatsächliche Länge ihrer Pisten recht exakt an. Akzeptable Werte lieferten auch die größten drei Gebiete, Trois Vallées, Paradiski und Sella Ronda, mit recht geringen Abweichungen von um die 20%. Und das wäre für Schrahe eine annehmbare Differenz: „20% bis 30% Aufschlag könnte man den Gebieten durchgehen lassen – denn man fährt ja nicht überall gerade runter.“ Portes du Soleil hingegen, mit offiziellen 650 Kilometer Pisten oftmals als größtes Skigebiet weltweit bezeichnet, landet auf Schrahes Rangliste nur auf Rang vier. Der Grund? „Zwar kommen sie insgesamt auf 402 Kilometer Pisten, diese verteilen sich aber auf fünf nicht zusammenhängende Areale.“

Aber warum entsprechen die Angaben der Skigebiete oft nicht der Wirklichkeit? Die Frage ist einfach zu beantworten, denn nicht erst seit der Befragung von 41.000 Skifahrern im vergangenen Winter für den Best Ski Resort Award ist klar: Die Größe eines Skigebietes machen Skifahrer hauptsächlich an der Gesamtlänge der Pisten fest - und eines der Hauptargumente für die Auswahl des Skigebietes ist nun mal die Größe. Kein Skifahrer will in einer Woche Skiurlaub ständig die gleichen Pisten fahren und somit werben die Marketingabteilungen nicht nur mit Familienfreundlichkeit, modernen Liften oder Schneesicherheit, sondern vor allem auch mit der Größe. „Manchmal hat man aber den Eindruck, dass Gebietsbetreiber die Kilometerzahlen einfach Pi mal Daumen schätzen“, kritisiert Schrahe. Und wie sähe seine Lösung für das länderübergreifende Problem der geschönten Längenangaben aus: „Es müsste eigentlich ein einheitliches, freiwilliges Siegel geben, das bestätigt, dass die Pistenlänge geprüft ist.“ Denn klar ist: Ohne Anreize wird kein Skigebiet freiwillig seine Angaben korrigieren. Nicht so lang das Nachbargebiet oder die Konkurrenz aus den Nachbarländern weiter mit aufgepeppten Zahlen wirbt.

Diskutiert mit auf auf unserem Facebook-Channel: Welche Erfahrungen habt ihr mit Pistenlängen und Größenangaben der Skigebiete gemacht?