Tessa Worley ist die neue Weltmeisterin im Riesenslalom. Die 23-jährige Französin setzte sich auf der schwierigen Planai in Schladming mit zwei starken Läufen vor Tina Maze (SLO) und Anna Fenninger (AUT) durch. Die deutschen Starterinnen blieben ohne Erfolgserlebnis. Viktoria Rebensburg wurde Elfte, Maria Höfl-Riesch schaffte es auf Rang neun. Beste Schweizerin wurde Lara Gut auf Platz sieben.

1. Lauf: Worley mit Startnummer 1 weit voraus

Im ersten Lauf starteten die Favoritinnen bei deutlichen Minus-Temperaturen in einen eisigen und schattigen Hang an der Planai, der vor allem im steilen Zielbereich alles von den Athletinnen abverlangte. Als erste Läuferin war es Tessa Worley aus Frankreich, Riesenslalom-Dritte bei der WM in Garmisch vor zwei Jahren, die die gute Startnummer nutzte und in 1:04,90 Minuten die Laufbestzeit in den Schnee zauberte. Schnell wurde klar, dass sie mit ihrer fehlerlosen Fahrt die weiteren Spitzenläuferinnen deutlich distanzieren sollte.

Am besten hielten noch die Österreicherinnen Fenninger (+0,85) und Zettel (+0,52) mit der jungen Französin mit. Die Gesamtweltcup-Führende Tina Maze leistete sich einen Patzer nach der ersten Zwischenzeit und fing sich über eine Sekunde Rückstand ein (+1,09). Doch noch deutlich schlimmer erwischte es die Deutschen: Viktoria Rebensburg fuhr nach einem Trainingssturz und einer Rippenprellung sehr verhalten, war von oben bis unten etwas zu spät dran und recht weit weg von den Toren. Ihre Ambitionen auf Gold konnte sie mit 2,07 Sekunden Rückstand eigentlich schon begraben:  „Es ist ein extrem schwerer Hang von oben bis unten. Ich hoffe, dass im zweiten Lauf noch was drin ist“, so Rebensburg enttäuscht nach ihrem ersten Lauf. Die mehrfache WM-Medaillengewinnerin Maria Höfl-Riesch fuhr kein schlechtes Rennen, musste am Ende aber auch 2,44 Sekunden Rückstand zur Kenntnis nehmen. „Das ist das schwerste, was wir bisher in dieser Saison fahren mussten. Der Hang ist extrem steil und wir sind heute einfach nicht gut damit zurecht gekommen. Viel ist nicht mehr drin im zweiten Lauf“, sagte Gold-Maria nach ihrem ersten Run. Lena Dürr und Veronique Hronek konnten sich ebenfalls nicht in Szene setzen: Während Lena Dürr recht sang- und klanglos ausschied, schaffte Hronek mit einer durchaus ordentlichen Fahrt als 21. den Sprung in das Finale der besten 30.

Österreichs Mitfavoritin Michaela Kirchgasser kam überhaupt nicht in den Lauf und schied kurz vor dem Ziel aus. Lara Gut als beste Schweizerin war vorne mit dabei, mit einem Rückstand von 2,03 Sekunden musste aber auch sie ihre Hoffnung auf den zweiten Lauf setzen. Gute Zeiten schafften in Lauf Nr. 1 noch Mikaela Shiffrin (USA, +1,65), Frida Hansdotter (SWE, +1,65), Marie Michele-Gagnon (CAN, +1,88) und Sara Hector (SWE, +1,90).

2. Lauf: Deutsche gehen leer aus, Worley fährt zu Gold

In der späten Mittagssonne von Schladming ging dann der zweite Lauf des WM-Riesenslaloms der Damen über die Bühne. Die erste starke Richtzeit legte Maria Pietilae-Holmner mit einer Laufzeit von 1:03,65 Minuten vor. Die Schwedin blieb einige Fahrerinnen lang an der Spitze des Feldes. Erst Veronique Hronek (GER) konnte die Schwedin mit einer guten Fahrt aus der Leader-Box verdrängen und übernahm kurzfristig die Führung, auch wenn sie im zweiten Lauf vier Zehntel langsamer als Pietilae-Holmner war. Hroneks Fahrt auf der natürlich immer rippiger werdenen Piste war insgesamt aber alles andere als schlecht, vor allem im Zielhang war die 21-Jährige schnell unterwegs.

Dennoch blieb die Deutsche nicht lange vorn, auch wenn sie am Ende einige Plätze gut machen konnte und im Endklassement auf Platz 17 landete. Anne-Sophie Barthet (FRA) verdrängte Hronek zunächst knapp, bevor dann Manuela Mölgg (ITA) im Steilhang ihre ganze Klasse zeigte und sich mit der ersten Gesamtzeit unter 2:12 Minuten in Front schob.

Starke Fahrt im Anschluss von Maria Höfl-Riesch: Der etwas rhytmischer und einfacher gesetzte Kurs kam ihr entgegen, so dass die Partenkirchnerin im Ziel die 1 vor ihrem Namen aufleuchten sah und es sich in der Leaderbox bequem machen durfte. Sie blieb ein paar Minuten vorn, denn Drev (SLO) und Curtoni (ITA) konnten die Kombi-Gold-Gewinnerin nicht verdrängen. Und auch Viky Rebensburg blieb hinter Höfl-Riesch zurück. Mit schmerzverzerrtem Gesicht kam die mehrfache Weltcup-Gewinnerin auf Zwischenrang drei ins Ziel - mehr war nach einer Fahrt mit etwas angezogener Handbremse und sichtbaren Problemen nicht drin. Höfl-Riesch wurde am Ende Neunte, Rebensburg Elfte.

Anders und unbeschwert war Lara Gut (SUI) unterwegs: Die hübsche Schweizerin fuhr couragiert und voll auf Angriff und setzte sich mit 64 Hundertsteln Vorsprung deutlich in Front - eine starke Fahrt und Laufbestzeit bis dahin. Würde es vielleicht sogar für einen Medaillenrang reichen? Sara Hector schied schnell aus, Marie-Michelle Gagnon (CAN) setzte sich "nur" auf Platz zwei. Frida Hansdotter (SWE) aber fuhr im oberen Part enorm stark und rettete am Ende eine Zehntel Vorsprung auf Gut ins Ziel - die Medaillenträume für die Schweiz schnell dahin. Spannung pur dann bei den letzten Fahrerinnen: Die junge Mikaela Shiffrin (USA) verpasste die Führung um einen Wimpernschlag. Tina Maze hingegen, Titelverteidigerin von Garmisch 2011 und bereits vier Mal Riesenslalom-Siegerin im diesjährigen Weltcup, kam nach einigen Hacklern im oberen Part mit einer unglaublichen Fahrt im Steilhang auf einen Vorsprung von über einer Sekunde.

Maze vorn, was würden die letzten drei machen? Anna Fenninger sah wenige Meter vor dem Ziel wie die deutliche Führende aus, doch Maze hatte im Zielabschnitt eine fantastische Fahrt hingelegt und blieb vorn - Fenninger war um sechs Hundertstel geschlagen. Kathrin Zettel, Zweite aus Durchgang 1, blieb gewohnt ruhig, ließ aber dabei die notwendige Aggressivität vermissen und landete im Ziel nur auf Rang 3. Die Holzmedaille für Zettel? Tessa Worleys Fahrt sollte die Entscheidung bringen. Und die Französin ließ nichts anbrennen: Konzentriert, engagiert, flink und ohne große Probleme fuhr Worley zum Sieg, legte über eine Sekunde zwischen sich und Maze. Neue Weltmeisterin im Riesenslalom: Tessa Worley aus Frankreich! Tina Maze belegt Rang zwei, Anna Fenninger Rang drei.

Am Freitag gehen die Herren in Schladming bei ihrem Riesenslalom an den Start. Der erste Lauf beginnt um 10:00 Uhr!