Der US-Amerikaner Ted Ligety hat bei der Ski-WM in Schladming seinen dritten Titel gewonnen. Mit einem Vorsprung von souveränen 81 Hundertsteln und einer Gesamtzeit von 2:28,92 Minuten setzte sich der Super-G und Kombi-Sieger vor Marcel Hirscher (AUT) und dem Italiener Manfred Mölgg durch. Fritz Dopfer und Felix Neureuther landeten auf den Plätzen sieben und zehn, bester Schweizer wurde Gino Caviezel auf Rang 15.  

Erster Lauf: Ligety überragend, enge Abstände im Kampf um die Medaillen

Die erste Richtzeit im ersten Lauf auf der eisigen Planai legte Abfahrts-Weltmeister Aksel Lund Svindal (NOR) mit 1:14,44 Minuten auf die Anzeigetafel. Svindal kam gut durch, hatte nur im schattigen Steilhang einen kleinen Fehler, der ihn aber nicht allzu viel Zeit kostete. Und dass die Fahrt des Norwegers gut war, zeigte bereits der Lauf des französischen Mitfavoriten Alexis Pinturault direkt im Anschluss, der über eine halbe Sekunde auf Svindal verlor. Es folgte der Meister aller Klassen: Ted Ligety! Der Amerikaner carvte mit einer sensationellen Fahrt zu einem Vorsprung von 1,3 Sekunden auf Svindal. Es war eine Demonstration der Stärke und am Ende die souveräne Laufbestzeit des Gold-Gewinners im Super-G und der Kombi.

Keiner der Konkurrenten konnte Ligetys Zeit gefährden: Fritz Dopfer (GER) leistete sich einige Rutscher und Linienfehler, blieb 1,58 Sekunden hinter dem US-Boy. „Der Lauf war alles andere als optimal, viele Schwünge waren nicht so toll. Aber ich weiß jetzt, was ich besser machen kann im zweiten Lauf,“ so Dopfer, der noch in Reichweite der Medaillen lag. Österreichs Hoffnungsträger Marcel Hirscher zeigte volle Angriffslust, blieb aber zu lange auf der Kante und fing sich 1,31 Sekunden Rückstand ein – zwar Platz drei für Hirscher, aber die Chance auf Gold war schon fast dahin. Italien fuhr in Person von Manfred Mölgg trotz dicken Fehlers auf Rang vier (+1,44), Davide Simoncelli verlor 1,77 Sekunden. Nur Thomas Fanara (FRA) kam mit einer wilden Fahrt noch einmal an die Bestzeit von Ligety heran – bis zur letzten Zwischenzeit lag er nur 17 Hundertstel hinten. Doch zwei Tore vor dem Ziel ging dem Franzosen die Kraft aus und er stürzte. 

Philipp Schörghofer (+2,31), Benni Raich (+1,90) und Marcel Mathis (+1,99) aus der ÖSV-Mannschaft konnten danach zwar noch ordentliche Fahrten ins Ziel bringen, die vielen Zuschauer im Zielraum animierten sie allerdings nicht zu ausufernden Jubelstürmen – am Ende des ersten Laufes belegte Raich immerhin Rang sieben, knapp hinter Fritz Dopfer. Die anderen beiden Deutschen Felix Neureuther und Felix Luitz aus dem Team des DSV kamen nicht gut in den Lauf: Neureuther war am Ende 3,18 Sekunden zurück, schaffte als 14. immerhin den Sprung ins Finale. Luitz baute bereits oben einen großen Fehler in seinen Lauf, fing sich akrobatisch, fuhr allerdings nicht um, sondern durch das letzte Tor und wurde disqualifiziert. Wieder mal keine Chance auf Top Ten-Plätze hatten die Schweizer: Gino Caviezel fuhr auf Rang 18 im ersten Durchgang, Didier Defago auf den 20. Platz, Carlo Janka schaffte es als 27. so gerade noch in das Finale.

Zweiter Lauf: Hirscher schnell, Ligety souverän, Dopfer verpasst Medaillen-Attacke

In den Mittagsstunden ging es dann in den zweiten Lauf, bei dem sich die Sonne verzogen hatte – trotzdem herrschten gute Bedingungen, die Licht-Schatten-Wechsel der vergangenen Tage fielen weg. Ausreden konnte es also keine geben, hier und heute würde der Beste gewinnen.

Filip Zubcic aus Kroatien eröffnete den Lauf, der etwas flüssiger und schneller als der erste gesetzt worden war. Eine starke Fahrt gelang gleich zu Beginn, während Carlo Janka (SUI) deprimiert auf einen Start in Lauf 2 verzichtete, dem Norweger Leif Kristian Haugen, der mit 1:16,31 Minuten etwa eineinhalb Sekunden schneller als im ersten Durchgang war. Großartig unterwegs auch der junge Henrik Kristoffersen (NOR): Mit 1:16,04 Minuten stellte der 18-Jährige eine neue Zwischenlaufbestzeit auf und setzte sich zunächst vor seinem Landsmann an die Spitze des Feldes. Dort blieb er auch ein paar Fahrer lang, doch der nächste starke US-Amerikaner hinter Ted Ligety verdrängte ihn schon bald.

Tim Jitloff schaffte als erste Fahrer eine Laufzeit unter 1:16 Minuten und setzte sich mit einer souveränen Führung in die Leaderbox. USA vorn vor Norwegen. Bitter dann der Auftritt der Schweizer: Janka nicht gestartet, Defago schwach unterwegs und schließlich ausgeschieden. Der 20-jährige Caviezel immerhin hielt die Fahnen hoch, setzte sich mit einer starken Fahrt vor Jitloff und ging in Führung – die Ehre der Schweizer war halbwegs gerettet. Die nächste Laufbestzeit zauberte der Schwede Myhrer in den blau markierten Schnee. Der Slalom-Spezialist fuhr 1:15,54 Minuten und blieb damit 42 Hundertstel vor dem jungen Schweizer.

Und Myhrer blieb vorn. Cyprien Richard, Silbermedaillengewinner bei der WM 2011, fiel zurück. Mehr Licht als Schatten dann bei Felix Neureuther: Schnell halbierte sich sein Polster von 63 Hundertstel, bei der Einfahrt in den Steilhang leistete er sich einen kleinen Quersteher, im Steilhang selbst gelang ihm dann aber eine tolle Fahrt und er kam am Ende mit einem Vorsprung von 77 Hundertstel auf Myhrer ins Ziel. Am Ende landete Neureuther auf Rang zehn, ließ starke Fahrer wie Olsson (SWE), Blardone (ITA) und Sandell (FIN) hinter sich und kann motiviert in den Slalom am Sonntag gehen. Erst Philipp Schörghofer (AUT) fuhr unter dem Jubel der Massen im Ziel an Neureuther vorbei und war bei noch ausstehenden zehn Fahrern der neue Führende.

Es folgte die Entscheidung des Rennens: Pinturault (FRA) rettete mit seiner Angriffsfahrt trotz einiger Fehler drei Zehntel Vorsprung ins Ziel und ging in Front. Benni Raich (AUT) schaffte keine Sensation und reihte sich im Zwischenklassement auf Rang drei ein. Davide Simoncelli (ITA) driftete im Steilhang zu stark und blieb knapp hinter Pinturault auf Rang zwei. Fritz Dopfer, Fünfter nach Lauf Nr. 1, blieb zu zaghaft und brav. Zwar war er extrem eng an den Toren, am Ende fehlten aber 25 Hundertstel auf Platz 1 – der Medaillentraum damit ausgeträumt. "Ich bin einfach nicht gut in den Lauf gekommen, hab nicht das umsetzen können, was ich mir vorgenommen habe", sagte Dopfer sehr enttäuscht im Ziel. Pinturault also weiter vorn, würde es reichen für Edelmetall? Schnell kam die Antwort von Manfred Mölgg (ITA): Oben noch deutlich langsamer als der Franzose und nicht optimal unterwegs, zündete Mölgg unten den Turbo und setzte sich in Front. Dann Marcel Hirscher: Keine Spur von seinen Rückenschmerzen, Hirscher fuhr stark, mit Laufbestzeit etwas schneller als Neureuther und setzte sich vorläufig deutlich vor Mölgg auf den Goldrang. Noch zwei Fahrer oben, welche Medaillenfarbe würde es für Hirscher werden?

Es sollte Silber werden. Denn Aksel Lund Svindal lieferte bis zum Steilhang zwar eine starke Fahrt, dort aber war er zu langsam unterwegs und fiel sogar hinter Manfred Mölgg zurück, der sich über Bronze freuen durfte. Nur Blech für Svindal, der aber ja schon das Abfahrtsgold mit nach Norwegen nehmen darf. Gold im Riesen aber ging an Ted Ligety: Im oberen Teil sogar deutlich schneller als Hirscher unterwegs, ließ der somit dreifache WM-Sieger es unten etwas langsamer angehen und blieb dennoch mit 81 Hundertstel Mr. Riesenslalom! "Das ist unglaublich, drei Mal Gold! Ich hoffe, dass ich das Level in Zukunft halten kann", freute sich der bescheidene Ligety im Ziel.

Am Samstag findet das vorletzte WM-Rennen statt: Beim Slalom der Damen hoffen die Spezialistinnen auf eine Medaille. Los geht es mit dem ersten Lauf um 10 Uhr.