Heimvorteil? Ja bitte! Beim traditionsreichen Gastspiel des Herren-Weltcups in Garmisch-Partenkirchen, dem Non-Plus-Ultra des deutschen Skisports, schickten sich die deutschen Fahrer an, Geschichte zu schreiben. Und scheiterten.

Nächster Klassiker-Triumph für Italien

Die Gewinner von Garmisch heißen Christoph Innerhofer und Alexis Pinturault. Innerhofer gewann auf 'seiner' WM-Strecke von 2011 die Abfahrt. Damit ging nach Wengen (Innerhofer) und Kitzbühel (Paris) auch der dritte Speed-Klassiker nach Italien. Das hört man in Österreich nicht gerne und durfte sich bei den Nachbarn mit den Plätzen zwei bis vier für Georg Streitberger, Klaus Kröll und Hannes Reichelt trösten. Die Revanche für den Blechsalat bei den Speedrennen der WM ist somit zum Teil geglückt. Es fehlt halt weiterhin der große Sieg.

Svindal übernimmt Abfahrts-Führung

Bester Abfahrer ist zwei Rennen vor Schluss kein Italiener und kein Österreicher - Aksel Lund Svindal hat sich mit seiner Konstanz und einem fünften Platz an die Spitze geschoben. Das Finale wird aber spannend, denn es ist sehr eng zwischen dem Norweger (359), Dominik Paris (in Garmisch Achter - 349 Punkte), Innerhofer (344), Klaus Kröll (321) und Hannes Reichelt (290). Ob der nächste Speed-Stopp im norwegischen Kvitfjell Svindal in die Karten spielt?

Ferstl stark – Schweizer sehen kein Land

Aus deutscher Sicht überraschte Josef Ferstl als Neunter auf der Heimstrecke positiv, es ist ein Licht am Ende einer eher dunklen Speed-Saison für die deutschen Speed-Herren. Der etatmäßige Teamführer Stephan Keppler kam über Rang 38 nicht hinaus. Die Schweizer erlebten einen neuerlichen Rückschlag - über Platz 22 von Patrick Kueng kam niemand hinaus. Kueng ist als 27. bester Schweizer in der Abfahrts-Weltcupwertung. Damit dürfte beim Weltcup-Finale in der Lenzerheide kein Schweizer antreten. Ein vernichtendes Saisonergebnis.

Riesenslalom: Die Hoffnung auf den großen Sieg

Im Riesenslalom sah es dann lange nach einem deutschen Festtag aus. Im ersten Lauf glänzten Felix Neureuther und Fritz Dopfer. Platz eins und drei - besser standen die Chancen nie, um endlich, endlich den ersehnten Riesenslalomerfolg für einen deutschen Fahrer zu schaffen. Das war bislang nur Max Rieger gelungen, 1973. Vor 40 Jahren. Doch im Finale machte der Kopf den beiden DSV-Topfahrern einen Strich durch die Rechnung.

Zum Auftakt fädelte Dopfer ein, nach nur wenigen Toren. Übermotiviert, unnötig - ein Anfängerfehler, wenn man es genau nimmt. Neureuther kam viel besser ins Rennen, kämpfte um den Sieg gegen die starke Vorgabe des Franzosen Alexis Pinturault. Und dann passierte es: Vor dem Flachstück rutschte er weg, verlor komplett das Tempo, fiel auf Position zwölf zurück. "Das schmerzt", äußerte der Lokalmatador später. Ein kleiner Fehler verhinderte die historische Sternstunde. Positiv blieb die Leistung von Benedikt Staubitzer, der Platz 15 einfuhr. Eine großartige Leistung.

Hirscher vor Ligety

Pinturault hatte damit das Rennen gewonnen - mit sechs Zehnteln klar vor Marcel Hirscher und Ted Ligety, die beide nicht fehlerfrei geblieben waren. Ligety bleibt damit 105 Punkte vor Hirscher und hat beste Karten, 'seine' Kristallkugel zu gewinnen. Hirscher festigte seinerseits seinen Vorsprung im Gesamtweltcup vor Aksel Lund Svindal, mit 209 Punkten sieht aktuell alles nach Titelverteidigung aus. Svindal war immerhin Sechster im Riesenslalom geworden. Will der Norweger aber noch Chancen haben, dann muss er bei den anstehenden Speedrennen in Kvitfjell ordentlich punkten. Hirscher hat aber die Option, in Kranjska Gora bei den dortigen Technik-Wettbewerben zurückzuschlagen, ehe das Finale in Lenzerheide ansteht.  Tendenz: Das lässt sich der Österreicher nicht mehr nehmen.