Ende April schlossen auch die letzten Bergbahnen in Deutschland den Betrieb für die Wintersportler – mit steigenden Temperaturen und vielen Sonnenstunden hat mittlerweile der Sommer Einzug in Deutschland genommen. Blicken wir noch einmal auf die vergangene Wintersaison zurück, bleibt ein sehr trüber und schneereicher Winter in Erinnerung. DSV aktiv veröffentlichte nun sein Resümee des Winters 2012/2013 in Bezug auf Schneelage, Wetterverlauf und Lawinengefahr.

Ein fast normaler, aber schneereicher und kalter Winter
Der Winter im Jahr 2012/2013 fühlte sich extrem lang, kalt und schneereich an. Tatsächlich lag aber das Temperaturmittel mit lediglich etwa -0,6 Grad unter dem langjährigen Mittel von 1981-2010. Also war es eigentlich nur etwas kälter als sonst. Die übliche Erwärmung Mitte Dezember mit beispielsweise +18,9 Grad Celsius in Freiburg im Breisgau an Weihnachten, verlief sehr mild. Die kälteste Nacht wurde mit -22,9 Grad am 10. Februar in Oberstdorf verzeichnet. Dass es mehr Niederschlag gab als sonst hat nicht getäuscht, denn mit einem Plus von 16 Prozent übertraf der Winter 2012/2013 den Durchschnittswert deutlich. So gab es am 21. Januar eine nahezu geschlossene Schneedecke in ganz Deutschland.

Der Winter 2012/13 im Überblick
Der letzte Winter brachte im Alpenraum bereits im Oktober Schneefälle bis in tiefe Lagen. In dem Zeitraum von Ende November bis Mitte Dezember schneite es immer wieder, teilweise sogar sehr ergiebig. Durch die teils kräftigen Schneefälle war die Schneehöhe bis Mitte Dezember bereits zwei- bis dreifach so hoch wie im langjährigen Durchschnitt. Bis Anfang Dezember fielen am Alpennordhang 80 bis 160 Zentimeter Neuschnee. Ab Mitte Dezember herrschte Föhn, der dafür verantwortlich war, dass um die Weihnachtszeit mildes und trockenes Wetter vorherrschte. Aufgrund des weihnachtlichen Tauwetters hielt sich der Schnee nur oberhalb von 800 bis 1000 Metern. Ende Dezember wurde es wieder kälter und es begann zu schneien, am nördlichen Alpenkamm gab es etwa 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee.

Weitere und größere Schneefälle gab es dann noch bis Mitte Januar. Danach wurde es sehr kalt und trocken. Im Februar schneite es vor allem im Norden häufig und ergiebig. Ab Mitte März bis Ende März schneite es am Alpennordhang immer wieder teilweise sehr kräftig. Der April begann zunächst trocken, anschließend gab es immer wieder Neuschnee. Im April herrschten ungewöhnlicher Weise noch hochwinterliche Verhältnisse. In diesem Monat lag deutlich mehr Schnee als im langjährigen Durchschnitt.

Über die ganze Berichtsperiode betrachtet, waren die Schneehöhen im Norden überdurchschnittlich und auf der Alpensüdseite unterdurchschnittlich. Dieser Winter hebt sich vom vergangenen Winter durch die ungewöhnlich große Anzahl der Schneefall-Tage ab. So gab es zwischen Dezember und März an jedem vierten bis sechsten Tag Neuschnee, in Hochlagen schneite es sogar an jedem zweiten bis dritten Tag.

Die Lawinensituation in der Saison 2012/13 verlief durchschnittlich
Einen zusammenfassenden Überblick über die Lawinensituationen des letzten Winters in Deutschland, Österreich und der Schweiz liefern die Experten der Lawinenwarnzentralen in München und Innsbruck sowie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF). In allen drei Ländern verlief die Saison durchschnittlich.

Lawinengefahr, Schneedecke und Lawinenaktivität in Deutschland
Nach einem ersten frühen Wintereinbruch Ende Oktober mit 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee oberhalb 1000 Meter, konnte eine dauerhafte Schneebedeckung in allen Höhenlagen ab Anfang Dezember verzeichnet werden. Etwa zeitgleich wurde der erste Lawinenlagebericht von der Lawinenwarnzentrale Bayern am 7. Dezember veröffentlicht. Wie bereits im Vorwinter wuchs die Gesamtschneehöhe im Dezember innerhalb von zehn Tagen auf über 100 Zentimeter an, deckte warmen Oberboden ab und isolierte diesen. Dies führte zu einer Gleitschneelawinenproblematik ab Mitte Dezember. Das ausgeprägte Weihnachtstauwetter mit Regen bis in den Hochlagen ließ die Schneedecke anschließend bis zum Boden durchfeuchten, wodurch viele kleine Selbstauslösungen, aber keine Großlawinen auftraten. Im Januar konnte im deutschen Raum eine ausgeglichene Schneedecken-Bilanz mit einem auffälligen Wechsel von Starkschneefällen, Erwärmungsphasen, Föhn, hochreichendem Regen und Wind verzeichnet werden. In der Folge wurden zwei Lawinen-Unfälle im Osterfelderskigebiet und im Allgäu/Kanzelwand mit jeweils glimpflichem Ausgang gemeldet.
Am häufigsten wurde in Deutschland die Gefahrenstufe 2 (mäßig) ausgegeben (69 Tage), gefolgt von Stufe 3 (erheblich; 58 Tage). Diese beiden Stufen überwogen im vergangenen Winter mit insgesamt 87 Prozent aller Wintertage deutlich. Eine große Lawinengefahr (Stufe 4) prognostizierten die Experten an sieben Tagen (5 Prozent), im Winter 2011/12 wurde diese Warnung noch sechzehn Mal ausgegeben. Die höchste Stufe 5 wurde wie im Vorwinter an keinem Tag ausgerufen, Stufe 1 (gering) herrschte lediglich an zwölf Tagen (8 Prozent).

Statistik der Lawinenunglücke in Deutschland
Im langjährigen Mittel gibt es in Bayern drei bis vier Lawinentote jährlich. Obwohl es im vergangenen Winter fünf Lawinenunfälle mit Personenbeteiligung gab, hat in Deutschland kein einziger Wintersportler bei einem Schneeunglück das Leben verloren. In den beiden zurückliegenden Wintern wurde jeweils ein Lawinentoter verzeichnet.

Lawinengefahr, Schneedecke und Lawinenaktivität in der Schweiz
Im Winter 2012/13 hat sich die Lawinengefahr wie folgt verteilt: Gefahrenstufe 1 (gering) 6 Prozent, Gefahrenstufe 2 (mäßig) 56 Prozent, Gefahrenstufe 3 (erheblich) 37 Prozent, Gefahrenstufe 4 (groß) 1 Prozent und Gefahrenstufe 5 (sehr groß) 0 Prozent. Die Verteilung der Gefahrenstufen entsprach in etwa dem langjährigen Mittelwert. Allerdings wurde die Gefahrenstufe 1 seltener, die Gefahrenstufen 2 und 3 etwas häufiger ausgegeben als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre.

21 Lawinenopfer in der Schweiz
Dem SLF wurden für den Winter 2012/13 insgesamt 135 Lawinen mit 212 erfassten Personen gemeldet. Wobei 44 Personen in Lawinen verletzt wurden und 21 Personen starben. Von den 21 Lawinenopfern starben 12 Personen bei der Lawinengefahr Stufe 2, eine Person bei Stufe 1, fünf Personen bei Stufe 3, eine Person bei Stufe 4. Zwei Personen starben in Lawinen noch bevor eine Gefahrenstufe ausgegeben wurde. Die Gesamtopferzahl liegt für 2012/13 bei 21 Todesopfern und damit etwas unter dem langjährigen Mittelwert von 25 Lawinentoten. Die Lawinenopfer verteilen sich auf den Touren-Bereich mit 14 Personen und auf den Varianten-Bereich mit 7 Personen.

Lawinengefahr, Schneedecke und Lawinenaktivität in Österreich
Im Winter 2012/13 hat sich die Lawinengefahr in Österreich wie folgt verteilt: Gefahrenstufe 1 (gering) wurde acht Mal ausgegeben (6 Prozent), Gefahrenstufe 2 (mäßig) wurde an 70 Tagen ausgegeben (51 Prozent), Gefahrenstufe 3 (erheblich) wurde 59 Mal ausgegeben (43 Prozent), Gefahrenstufe 4 (groß) und Gefahrenstufe 5 (sehr groß) wurden kein einziges Mal ausgegeben. Die Verteilung der Gefahrenstufen entsprach in etwa dem langjährigen Mittelwert. Die Schneehöhen in diesem Winter lagen in Tirol meistens über dem langjährigen Durchschnitt. In Nordtirol gab es weniger Schnee als letztes Jahr. Der Süden Osttirols war schneereicher als letztes Jahr.

Lawinenunfälle in Österreich
Das langjährige Mittel an Lawinenopfern in Österreich wurde in der Saison 2012/13 mit 12 Todesopfern (Durchschnitt 13) fast erreicht. Mit 55 Lawinenereignissen war der März der aktivste Monat. Wobei es vom 15. bis 23. März alleine 28 Lawinenereignisse bei Gefahrenmuster 6 (kalter, lockerer Neuschnee und Wind) gab. Die meisten Unfälle gab es bei Gefahrenstufe 2.

Lawinenlagebericht ungebrochen häufig abgerufen
Eine äußerst positive Bilanz kann in Bezug auf die Nutzung des Lawinenlageberichts (LLB) gezogen werden. „Es besteht ein ungebrochenes Interesse bei den Wintersportlern. Noch nie wurde der LLB so häufig abgerufen wie im letzten Winter“, erklärt Patrick Nairz von der Lawinenwarnzentrale in Tirol. In dieser Saison wurden über 170.000 Seitenzugriffe mehr als im vergangenen Jahr auf die Homepage der Lawinenwarnzentrale in Tirol verzeichnet. Der Blog hat derzeit knapp 550.000 Aufrufe. Auch in Deutschland stößt der LLB weiterhin auf eine sehr große Resonanz. Im vergangenen Winter wurden durch die Lawinenwarnzentrale insgesamt 146 Lawinenlageberichte erstellt. Die Internetseite des LLB wurde insgesamt 955.849 Mal aufgerufen. Zur Erhöhung der Sicherheit der Wintersportler veröffentlichte der Lawinenwarndienst Bayern noch bis zum 1. Mai täglich einen Lawinenlagebericht.
Erfreulich sind die Zahlen insbesondere dadurch, dass die vermehrte Nutzung des Lawinenlageberichts, einhergehend mit einer steigenden Sensibilisierung für die Gefahren in den Bergen, zu einer größeren Vorsicht und damit zu einer geringeren Anzahl an tödlichen Unfällen geführt hat – obwohl der zurückliegende Winter sehr lang, kalt und schneereich war.