Die olympischen Riesenslaloms und Slaloms fanden 1998 in Shiga Kogen statt, dem größten Skigebiet Asiens. Größtes Skigebiet Asiens! Das klingt, als würde in Shiga so richtig der Bär steppen: Après-Ski Fallen an jeder Pistenbiegung, Abtanzen in der Disco und Shopping bis zum Kreditlimit. Leider Fehlanzeige. Bären halten hier oben, im Herzen des Yoshin-Etsu Nationalparks, höchstens Winterschlaf. Shiga ist ein „gesundes Gebiet“, erklärt Herr Kodama, der Direktor des Tourismusverbandes. In diesem Trainingslager gibt es nichts außer 106 ziemlich großen Hotelkästen, 75 Aufzügen und den dazugehörigen Runs. Skifahren bedeutet in Japan Sport. Wer Skifahren geht, sucht keine Geselligkeit, sondern will sein Kyu verbessern – das Level seiner technischen Fähigkeiten.

Das merke ich gleich am ersten Morgen. Als ich mich gerade nochmal umdrehen will, klingelt das Telefon. Es wäre kurz nach halb acht, Frühstückszeit. Da hatte ich etwas missverstanden. Frühstück wird um 7.30 Uhr serviert, nicht ab 7.30 Uhr! Eigentlich logisch, schließlich öffnen die Lifte ja um acht und wer wollte wohl eine Minute seines kostbaren Skiausflugs vergeuden. Bei aller Müdigkeit bin ich froh, nicht in Japans In-Skigebiet Naeba zu weilen - da wird das Frühstück um 4.30 Uhr (!) serviert. Beim Frühstück (und auch bei allen anderen Mahlzeiten) zeigt sich dann ebenfalls, dass Japan eine ganz eigene Welt ist. In diesem Fall eine ungewohnt schmackhafte und man merkt: Es geht auch ohne Brot und Butter.

Der Ehrgeiz und die buddhistische Lehre, dass die Welt eine Illusion ist und man dem Leiden entkommt, wenn man sich nicht verhält, als ob sie real sei, führt auf Japans Pisten zu amüsanten Szenen. Das Streben nach verbesserter Technik wird mit großer Härte gegen sich selbst praktiziert: Die fortgeschrittenen Skifans attackieren die Buckel in Kamikaze-Manier, die Fallinie zu verlassen ist tabu, Anfänger zelebrieren den Schneepflug in verkrampfter Akribie. Das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe: viele, viele Stürze. Ebenfalls tabu ist das Variantenfahren, denn die ungebändigte Natur, die jenseits der markierten Abfahrten lauert, ist etwas, dem die Japaner mit großem Misstrauen begegnen. Logisches Verhalten in einem Land, das reichlich mit Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Taifunen und Tsunamis bedacht wird. Dass die Liftgesellschaften Tiefschnee-Exkursionen auf eigene Faust von vornherein verbieten, hat einen anderen Grund: Selbst Unfälle im markierten und gesicherten Gelände kommen einem Gesichtsverlust der Liftbetreiber gleich – und sein Gesicht verlieren will in Japan wirklich niemand. Schade, denn jenseits der von Buchen, Kastanien, Weißbirken, Erlen und immergrünem Bambus gesäumten Abfahrten wartet massenhaft Tiefschnee.

Skigebiet: 1335-2300 m, 55 Lifte, 107 km Pisten.

Unterkunft: Das Personal in der Villa Alpen in Sun Valley spricht Englisch, die Übernachtung mit Halbpension kostet ab 89 US-Dollar, zehn Sekunden zum Lift, www.shigakogen.jp/villa-alpen

Restaurant-Tipp: Gut und günstig: die Ichinose Soba Corner am Family Quad. Udon Nudeln mit Tempura für 600 Yen (ca. 5 Euro). Die Speisekarten kommen übrigens in fast allen Restaurants mit Abbildungen daher – das vereinfacht die Auswahl enorm.

Guides: Off-Piste Fahren ist nur mit Guide möglich und wird ab Ende Februar angeboten.

Verleih: Es mangelt nicht an Verleihstationen, die meisten Gäste haben kein eigenes Material. Skistiefel sollte man aber mitbringen, die gibt es nicht in der üblichen Größe europäischer Männerfüße.

Info: www.shigakogen.gr.jp, www.shigakogen-ski.com