Mit dem Sky Resort eröffnete im November 2009 wenige Kilometer südlich von Ulaanbaatar, der kältesten Hauptstadt der Welt, das erste Skigebiet der Mongolei. Genug Schnee zum Skifahren fällt hier zwar nicht, aber es ist kalt. Sehr kalt. Also kann man den Schnee selber machen. Die extreme Kälte bringt einige Einschränkungen mit sich. Bei minus 35 Grad sollte man als verweichlichter Mitteleuropäer kein Stück Haut der Luft aussetzen. Ich mache den Fehler und ziehe bei der Bergfahrt mit der Sesselbahn einen Handschuh aus, um ein Foto zu schießen. Der Wind fühlt sich an, als hätte jemand einen Schneidbrenner auf meine Hand gerichtet. Danach gibt es nur noch eins: sofort zur Talstation und die Hand im Restaurant aufwärmen. Es dauert fünf Minuten, bis das Pochen nachlässt. Mongolische Kleinkinder trotzen den Temperaturen auf dem Übungshang lediglich mit pelzbesetzter Kapuze und farbenfrohem Wollschal. Dafür, dass sie nicht zu viel Fahrtwind abbekommen, sorgt die Kälte selbst. Die macht den Schnee so stumpf, dass zum Vorwärtskommen Stockeinsatz gefragt ist.

Das Ski House am Fuß der Pisten ist ein nüchtern gestalteter Zweckbau, dem man auf den ersten (und auf den zweiten) Blick nicht ansieht, dass der darin befindliche kleine Skishop mehr Lacroix-Ski verkauft, als alle Sportgeschäfte Courchevels zusammen. Die durch den Rohstoffboom reich gewordene mongolische Oberschicht giert geradezu nach Luxus. Da haben die Mongolen einiges mit ihrem russischen Brudervolk im Norden gemeinsam. Über mehr als 70 Jahre war das Land so etwas wie eine russische Provinz – das prägt. Und es schürt die Hoffnungen von Skigebietschef A. Batsuuri, mit dem Sky Resort eine Erfolgsgeschichte schreiben zu können: „In China gilt Skifahren nach wie vor als gefährlich. Wer nur ein Kind haben darf, setzt seinen kleinen Kaiser ungern freiwillig Gefahren aus. Das limitiert das Marktpotenzial erheblich. Trotzdem boomen die 13 Skigebiete rund um Peking.“ Ergo müsse es für eines im immerhin 1,5 Millionen Einwohner zählenden Ulaanbaatar locker reichen, außerdem sei „in unserem Blut mehr Abenteuerlust und Risikobereitschaft als in dem der Chinesen.“

Klingt nachvollziehbar, immerhin hatten seine Vorfahren genügend Abenteuerlust, um es 1241 in großen Reiterhorden bis an die Adria zu schaffen. Jetzt stürmen sie eben die Hänge des Bogd chaan uul, statt zu Pferd auf Ski und Snowboards: Am Neujahrstag 2010 überrannten 4.000 begeisterte Wintersportler das Sky Resort, einem Ansturm, dem man trotz aller Planung dann doch nicht gewachsen war – wie seinerzeit das deutsche Ritterheer bei Liegnitz. Auf den Pisten verhalten sich die Mongolen denn auch so, wie man es von Erben Tschingis-Khans erwarten darf: Kurven fahren? Überflüssig! Tempo? So schnell man eben werden kann bis zum nächsten Sturz. Vermutlich war es sehr weise von Herrn Batsuuri, im Sky Resort auf den Ausschank von Alkohol jeder Form zu verzichten. Und das, obwohl der Eigentümer des Skigebietes, der Mischkonzern MCS, auch im florierenden Wodka-Geschäft kräftig mitmischt.

Skigebiet: 1376-1596 m, 6 Lifte, 5,5 km Pisten

Unterkunft: Diverse Hotels in Ulanbataar, Shuttle-Bus zum Sky-Resort

Restaurant-Tipp: Was heißt hier Tipp, es gibt nur das Restaurant im Ski-House, wo mongolische und koreanische Küche serviert wird.

Guides: Zum Off-Piste-Skifahren liegt hier eigentlich nie genug Schnee und man ist froh, dass man zumindest einige mehr schlecht als recht ausgebildete Skilehrer hat – also vergesst es.

Verleih: Top-Material im Verleih an der Talstation – dem einzigen in der Mongolei. Hat auch eigens für das Sky Resort in China produzierte Bekleidung und Handschuhe im Sortiment hat, Umkleiden und Schließfächer.

Info: www.skyresort.mn