Die Engländer haben den Alpinismus begründet und auch die Erfindung des Wintertourismus geht auf ihr Konto. Kein Wunder also, dass es hier schon sehr lange enthusiastische Skiläufer gibt. Einige davon gründeten 1936 den Lake District Ski Club. Im Lake District stehen Englands höchste Berge, sie sind kahl und im Winter sturmumtost, trotzdem gibt es einige Hänge mit relativ konsistenten Schneebedingungen.

Auf einem dieser Hänge errichteten die Gründer ein Schleppseil, das 1989 durch den Tellerlift ersetzt wurde, der bis heute die neun Pisten am Nordhang des 883 Meter hohen Raise Mountain bedient. Seit 1999 gibt es eine moderne Hütte mit Heizung und Strom, eine Toilette mit Wasserspülung wurde anlässlich des 75-jährigen Klubjubiläums 2011 feierlich eröffnet. Was es bis heute jedoch nicht gibt, ist eine Zufahrtsstraße. Per Auto gelangt man nur bis zum Helvellyn Youth Hostel. Von hier aus sind es noch mehr als 400 Höhenmeter bis zur Talstation und die muss man zu Fuß überwinden. Wer körperlich fit ist, schafft das in einer guten Stunde. Ein gutes Orientierungsvermögen muss man ebenfalls mitbringen, denn im oberen Bereich gibt es keinen Weg mehr, dem man folgen könnte. Bei Nebel und Schneefall sind Karte, Kompass oder GPS-Gerät äußerst ratsam. Darüber hinaus sollte man Steigeisen mitführen, es gibt ausgesetzte Stellen, die bei Vereisung ansonsten kaum zu überwinden sind. Ein Sturz kann wegen Felsabbrüchen böse enden. Überflüssig zu erwähnen, dass gute Winterbekleidung sowieso Pflicht ist. Einen Lastenaufzug für die Ausrüstung gibt es selbstverständlich nicht, man muss sie tragen, kann sie aber oben in der Hütte deponieren. Wer mehrere Tage am Raise Tow Ski fährt, muss den Krempel also nicht jedes Mal rauf und runterschleppen. Letzten Winter kamen immerhin 60 Saisontage zusammen und das, obwohl der Lift unter der Woche nur sporadisch betrieben wird. Nach wie vor wird die Anlage ausschließlich von Freiwilligen am Laufen gehalten. Wer den Lift benutzen will, muss Mitglied im Skiklub werden. Das kostet pro Tag 30 Pfund, für die ganze Saison 50 Pfund.

Hat man den Lift endlich erreicht, hört es mit den Herausforderungen keineswegs auf. Die Trasse hängt auf den ersten Metern stark, besonders Snowboarder tun sich schwer, die Spur zu halten. Bergab geht es dann keineswegs auf präparierten Pisten, Raise ist eher ein Freeriding-Spot mit Lift. Pulver ist allerdings die Ausnahme, Bruchharsch oder Eis eher die Regel. Das Wetter ist ebenfalls berüchtigt, das nahe Meer sorgt für viele Wolken, Wind und reichlich Niederschlag, der selbst im Hochwinter häufig als Regen fällt und dann meist sehr ergiebig. Wer derlei Unbill auf sich nimmt, wird mit etwas Glück aber mit einem großartigen Erlebnis belohnt. Bei Sonne, ausreichend Schnee und guter Sicht über die faszinierende Seen- und Gebirgslandschaft von Englands größtem Nationalpark und ist es ein sehr erhabenes Gefühl, diesen sehr speziellen Ort mit wenigen Gleichgesinnten für sich zu haben.

Skigebiet: 730-845 m, ein Lift, 5 km Pisten

Unterkunft: Die nächstgelegenen Unterkünfte findet man in Glenridding am Ullswater, die Jugendherberge Helvellyn liegt direkt am Zustieg (Übernachtung ab 15 Pfund).

Restaurant-Tipp: Verpflegung muss man selbst mitbringen.

Guides: Man ist auf sich selbst gestellt!

Verleih: Gibt es nicht.

Info: www.ldscsnowski.co.uk