Acht Uhr früh auf einem trostlosen Parkplatz der ukrainischen Kleinstadt Yasinia. Es dämmert, das Thermometer zeigt minus zwölf Grad. Der Atem der Wartenden dampft in den klaren Februarmorgen hinein. Das Nageln eines geschundenen Dieselmotors kündet vom Nahen des Lastwagens. Er wird die jungen Männer mitnehmen. Sich über einen besseren Trampelpfad die Berge hinaufkämpfen. Den Schlaglöchern, Rinnen und Wellen der "Straße" kann nur die unverwüstliche Robustheit, Bodenfreiheit und schiere Kraft alter russischer Militärtransporter trotzen. Er wird sie nach Dragobrat bringen. Dort oben sollen sie in den felsigen Abbrüchen am Kamm der Waldkarpaten ihre Chance zur Bewährung erhalten.

Dragobrat ist der anspruchsvollste Freeridespot der Ukraine und die Schar der behelmten Skifahrer und Boarder kann den sonnigen Tag im hüfttiefen Pulver kaum erwarten. Dafür fehlt es hier so ziemlich an allem anderen, angefangen bei einer Zufahrtsstraße, die mit normalen Fahrzeugen zu bewältigen wäre. An deren Ende tauchen nach rund 40-minütigem Rütteln und Schütteln (zum Preis von fünf Euro) überraschend einige einfache, aber saubere Hotels, Imbissbuden und sogar Liftanlagen auf. Skischulen bieten Anfängerkurse an, bloß mangelt es an Hängen, die flach genug für das erfolgversprechende Absolvieren eines solchen wären. Die beiden Sesselbahnen und die vier Bügellifte erwecken nicht den Eindruck, als würden sie einer TÜV-Abnahme standhalten, aber die gibt es hier ja zum Glück nicht.

Wer in Dragobrat Ski fährt ist ohnehin lieber auf eigene Verantwortung unterwegs. Im ungespurten Gelände jenseits der Waldgrenze oder darunter zwischen den Buchen und Fichten. Zu den besten Startpunkten fürs Freeriding gelangt man entweder zu Fuß von der Bergstation der Liftanlagen oder direkt von der kleinen Hotelsiedlung aus per Pistenraupe. Eine Fahrt kostet fünf Euro und die lohnen schon allein für die großartige Rundumsicht. Vom höchsten Punkt, dem Blyznytsya, sieht man im Osten über dem Tal von Yasinia den Hoverla aufragen, den mit 2061 Meter höchsten Berg der Ukraine. Im Süden reicht der Blick bis nach Rumänien hinein. Abfahren kann man von hier aus im Prinzip in jede Richtung – wenn man den Rücktransport organisiert.

Skigebiet: 1300-1707 m (Pistenraupe bis 1883 m), sechs Lifte, fünf km Pisten

Unterkunft: Im gemütlichen Hotel Kremin wird Englisch gesprochen, die Übernachtungen kostet pro Person ab 240 UAH (ca. 25 Euro), Tel.: +38 (067) 390-02-10

Guides: Skilehrer ca. 15 Euro/Std.

Verleih: 5 bis 10 Euro pro Tag, z.B. im Hotel Dobosch, Tel.: +38 (067) 279-38-53

Info: www.dragobrat-go.com