Die Sesvenna-Gruppe, zu niedrig, zu unbedeutend, heißt es gerne. Wer ein Skitoureneldorado abseits des Mainstreams sucht, ist hier genau richtig. Die Gebirgsgruppe erhebt sich zwischen dem Unterengadin, dem Vinschgau und dem Münstertal. Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien. So manche abenteuerliche Schmugglergeschichte spielte sich hier ab. Mit 3205 Metern ist der Piz Sesvenna der höchste der Gruppe und damit auch der begehrteste. Während die meisten von Südtiroler Seite über die Sesvennahütte aufsteigen, geht es auf Schweizer Gebiet weitaus einsamer zu. Das Val S-charl ist dort der Ausgangspunkt. Ein weltabgeschiedenes Tal im Herzen der Sesvenna-Gruppe, in das man im Winter nur zu Fuß oder per Pferdekutsche kommt. Das Tal grenzt an den Schweizer Nationalpark an und verspricht dadurch die beste Chance Wild beobachten zu können. Allabendlich versammeln sich Hirsche und Rehe am Rande des ehemaligen Bergknappendorfes S-charl, wo Dominique Mayor seine Küchenabfälle deponiert. Der leidenschaftliche Koch betreibt das Gasthaus Mayor, im Winter die einzige Unterkunft. Egal von welcher Seite man aufsteigt, der Weg ist lang. Oben wartet spannende Gratkletterei und großartiges Panorama: Wildspitze, Weißkugel, Piz Buin, Ortler... bei klarer Sicht gar bis zur Zugspitze und zur Bernina. Die gängige Abfahrt findet über den Sesvennagletscher statt. Sind die Verhältnisse gut, lockt die Südseite mit fast 2000 Höhenmetern Abfahrtsrausch nach Müstair.

Ausgangspunkt: 1: S-charl, 1810 m. 2: Schlinig, 1726 m.

Anreise: 1: Mit dem Zug nach Scuol und per Shuttlebus (2 x tgl.) oder Taxi (Taxi Guler, Tel. 081/864 10 00) 2, 5 km bis San Jon. Für die Anreise mit eigenem PW bietet der Reitstall San Jon einen großen Parkplatz. Die Kutschfahrt nach S-charl muss angemeldet werden unter Tel. 081/864 10 62, www.sanjon.ch. 2: Mit dem Auto vom Reschenpass oder Meran durch das Etschtal und bei Burgeis ins Schliniger Tal. Busverbindung Mals – Schlinig.

Anforderungen: Langer Aufstieg, von S-charl noch etwas zäher. Der Sesvennagletscher bietet keine Spaltengefahr. Skidepot in der Scharte bei P. 3081. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind für die leichte, jedoch exponierte Blockkletterei über den Ostgrat zum Gipfel notwendig. Je nach Verhältnissen können Pickel und Steigeisen notwendig sein. Zuvor Auskunft in der Sesvennahütte einholen. Achtung: Im Val S-charl gilt es die Wildruhezonen zu beachten!

Route: 1. S-charl, 1810 m – Piz Sesvenna, 3204 m. 1400 Hm, 5 Std., WS+; 2: Schlinig, 1726 m – Sesvennahütte, 550 Hm, 2 Std. Sesvennahütte, 2256 m – Piz Sesvenna, 3204 m. 1147 Hm, 4 Std., WS. Abfahrt wie Aufstieg.

Südabfahrt nach Müstair, 1960 Hm, ZS. Achtung: Im Gipfelbereich 30 – 35 ° auf 400 Hm. Lawinengefahr durch die starke Sonneneinstrahlung berücksichtigen. Gratis Skibus nach Lü.

Unterkünfte: 1: Gasthaus Mayor in S-charl, 1810 m, Dominique Mayor, geöffnet Mitte Dez. bis Mitte April, Juni bis Ende Okt., Tel. +41/81/864 14 12, www.gasthaus-mayor.ch. 2: Sesvennahütte, 2256 m, Andreas und Harald Ponitzer, bewirtschaftet Anfang Febr. bis Anfang Mai,  Anfang Juni bis Ende Okt., Tel. +39/0473/830 234 oder mobil +39/347/211 54 76, www.sesvenna.it. In beiden Unterkünften isst man hervorragend.

Information: 1: Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG, Tel. +41/81/861 88 00, www.engadin.com; 2: Ferienregion Obervinschgau, Tel. +39/0473/62 04 80, www.ferienregion-obervinschgau.it; Ferienregion Reschenpass, Tel. +39/0473/63 46 03, www.reschenpass.it

Ausrüstung: Skihochtourenausrüstung (Lawinensuchgerät, Schaufel, Sonde, Harscheisen, Felle)

Karte: Sehr praktisch ist die Sesvenna-Karte vom Tappeiner Verlag, 1:25.000, die mehrere Kartenblätter vereint. Ansonsten Swisstopo 1:50 000, Blatt 259 S, Ofenpass.

Literatur: Skitouren im Dreiländereck, Ulrich Kössler, Tappeiner Verlag. Graubünden Süd Skitouren, Vital Eggenberger, Sac-Verlag. Skitourenführer Engadin und Vinschgau, beide von Rudolf und Sigrun Weiss, Rother Bergverlag.