Den Grossen Sankt Bernhard Pass prägt eine außergewöhnliche Geschichte. Gerade im Winter, wenn der Passstrasse geschlossen ist, stellt das Hospiz in der Einsattelung zwischen Montblanc- und Grand Combin Massiv ein einmaliges Rückzugsgebiet in die Stille dar. Wo die legendären Bernhardinerhunde einst Pilger und Reisende durch die Schneemassen lotsten, erfreuen heute traumhafte Skigipfel den Tourengänger. Ihre Funktion als Lawinenhund ist seit der Einführung von Helikopter und Ski hinfällig geworden. 2005 wurde die Zucht an die Fondation Barry verkauft. Nur im Sommer verbringt weiterhin ein Teil der Bernhardiner als Touristenattraktion auf der Passhöhe. Im Winter kann man sie in Martigny im einzigen Hundemuseum der Schweiz besuchen. Seit der Gründung des Hospizes um 1050, als der Heilige Sankt Bernhard den Augustiner Chorherren die Bewirtschaftung anvertraute, also bald ein Jahrtausend, sind die Türen nie abgeschlossen gewesen. Egal welcher Konfession man angehört, jeder ist willkommen. José, der Prior, selbst leidenschaftlicher Skitourengänger, gibt gerne Tipps. Der 2902 Meter hohe Mont Fourchon nimmt unter den Gipfelzielen den ersten Rang ein. Hautnah türmen sich Mont Blanc und Grandes Jorasses. Nach Süden schweift der Blick über das Aosta-Tal zum Gran Paradiso. Im Norden dominieren Grand Combin und Mont Vélan das Gipfelband. Eine Genusstour: der Aufstieg nicht zu lang, die Aussicht sensationell, die nordseitige Abfahrt pulvrig.

Ausgangspunkt: Ehemalige Skistation Super Saint Bernard am Nordportal des St-Bernhard-Tunnels, 1910 m.

Anreise: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln Zug bis Martigny, dann Bus bis Super Saint Bernard. Mit dem Auto durch die Schweiz ins Wallis nach Martigny, dann Richtung Aosta bis zum Sankt Bernhard Tunneleingang, wo rechts zur Skistation Super Saint Bernard abgebogen wird. Großer Parkplatz.

Zustieg: Von der Skistation erst auf der zugeschneiten Passstrasse, dann durch die Combe des Morts zum Hospiz, etwa 2 Stunden. Die Route ist mit Stangen gut markiert. Da die Combe des Morts lawinengefährdet ist, sollte man sich vorher über die Verhältnisse im Hospiz erkundigen.

Anforderungen: Wenig schwierige Skitour mit ein paar Steilabschnitten

Route: Vom Hospiz (2469 m) auf der italienischen Seite den Straßenspuren folgen und bis zu den Alpgebäuden der Montagne Baou (2356 m) abfahren. Auffellen und nordwestlich in das Hochtal südlich unterhalb des Fenêtre de Ferret aufsteigen. Linkshaltend (westlich) in den Talschluß und in Kehren durch die Nordflanke auf den Gipfel des Mont Fourchon. 550 Hm, 2,30 Std., WS.

Abfahrt wie Aufstieg oder etwas anspruchsvoller durch ein Couloir auf der Südseite, dann über weite Hänge zur Alp Praz de Farcoz (2223 m). Wegen Lawinengefahr ist bei letzterem eine frühe Abfahrt wichtig.

Unterkunft: Hospice du Grand Saint Bernard, Tel. +41/27/787 12 36, www.gsbernard.net

Ausrüstung: Skihochtourenausrüstung (Lawinensuchgerät, Schaufel, Sonde, Harscheisen, Felle)

Karte: Swisstopo 1:50.000, Blatt 282 S Martigny

Literatur: Skitourenführer, leider nur auf französisch: Ski alpin Bas-Valais, von Stéphane Albasini, Verlag SAC Bern. Barry – Die Hospizhunde vom Grossen Sankt Bernhard, Iris Kürschner, AT-Verlag.