Das Städtchen Narvik liegt an der norwegischen Westküste, jenseits des Polarkreises, auf rund 68 Grad nördlicher Breite. Dank des Golfstroms ist der örtliche Hafen trotzdem den ganzen Winter über eisfrei, und so wird hier seit über 100 Jahren das Erz aus Lappland in alle Welt verschifft. Vor rund 20 Jahren kam die Welt nach Narvik, zumindest die Skiwelt, denn 1992 gastierte der alpine Ski-Weltcup auf den Pisten am Fagernesgebirge. Die Bahn aufs Fjell startet nur drei Minuten von der Stadtmitte entfernt. Sie erschließt außer sportlichen Pisten auch eines der besten Off-piste Reviere in Nordeuropa. Eine halbe Stunde Aufstieg und man kann Abfahrten mit 1250 Höhenmetern genießen.

Die Menschen in Narvik sind, wie so ziemlich alle Norweger, sport- und naturbegeistert. Natur ist das einzige, was es hier im Überfluss gibt: Meer, Berge, Gletscher - und alles in unmittelbarer Nachbarschaft. Segeln, Fischen, Paragliden, Klettern, Telemark – es gibt kaum eine Sportart die Kjetil und seine Freunde Hugo und Michael nicht schon ausprobiert hätten. Ich treffe sie in Peacock’s Dance-Pub, einem Laden, der auch von Seeleuten frequentiert wird. „Nachts“, so erzählt Kjetil, „steigen wir auf den Berg und fahren mit Grubenlampe ab. Bei Vollmond ist das besonders schön, der Blick reicht dann bis zu den Lofoten.“ Irgendwie muss ich zweifelnd dreingeschaut haben, so „jaja, Skifahrer-Seemannsgarn-mäßig“. Jedenfalls sitzen wir keine halbe Stunde später dicht gedrängt in einer Pistenraupe. Mitten in der Nacht. Fahrtrichtung Gipfel. Auf dem Haupt des Fagernesfjells schmeißt uns Pistenchef Lars (man muss einfach die richtigen Leute kennen) raus, er muss zurück an die Arbeit. Als die Schneekatze hinter einem Felsvorsprung verschwindet, wird es still und dunkel. Hugo sieht es als erstes: Am Firmament hat sich das Nordlicht aufgebaut. Wir stehen staunend da, tief unter uns die Lichter Narviks und über uns das Feuer der Aurora Borealis. „Die Abfahrt heißt High Voltage“, durchschneidet es die Stille. Kjetil drückt mir eine Stirnlampe in die Hand. „Bei einem Sturz den Kopf hochhalten. Nicht wegen der Lampe, der macht das nichts aus – es geht um deinen Kopf.“ Kjetil stößt sich als erster ab, zirkelt ansehnliche Schwünge in den weit ausladenden Gipfelhang, wie Kobolde hüpfen die Lichtkegel seiner Lampe durch die Nacht. Hugo folgt mit eleganten Telemarkschwüngen. Die Lampen sorgen für rund 15 Meter Sichtweite, das reicht um Sicherheit zu gewinnen. Die ist auch nötig, um im anfänglichen Bruchharsch zu bestehen. Die ersten Mühen werden mit prächtigen Pulverpartien belohnt. Nach 500 Höhenmetern verengt sich die Abfahrt an der Waldgrenze zu einem schmalen, felsdurchsetzten Tobel. Plötzlich sprühen Funken. Kjetil versucht mit einem der Felsen Rodeo zu reiten und wird prompt abgeworfen. Der Crash sieht selbst im Halbdunkel kolossal aus. Kjetil lacht nur – sein Kopf ist schließlich noch dran und der Lampe hat es auch nichts ausgemacht. Die letzten Schwünge dieser Abfahrt machen wir auf dem Strand des Rombaksfjords. Dort wartet schon ein weiterer Kumpel von Kjetil mit seinem Pickup und fährt uns zurück in die Stadt.

Skigebiet: 120-1003 m, 6 Lifte, 14 km Pisten

Unterkunft: Relativ breit gefächertes Angebot an Unterkünften, im Best Western kostet das DZ mit Frühstück rund 145 Euro, Tel. +47/76 96 48 00

Restaurant-Tipp: Der Ausblick vom Bergrestaurant in 656 m Höhe ist phantastisch, die Preise norwegisch (Burger mit Pommes 16 Euro).

Guides: Thomas Roll-Andersen, thomas@narvikfjellet.no, Tel. +47 482 87 728 oder Svein E. Fjellstad svein@narvikfjellet.no, +47 905 44 289.

Verleih: An der Talstation, bietet auch Twin Tip und Freeride-Ski.

Info: www.narvikfjellet.no