Auf dem Snowboard wollen viele Cracks nicht nur dahingleiten, sondern ihr Brett auf für stylische Tricks nutzen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn jeder Trick bedarf bestimmter Techniken, Bewegungsabläufen und jeder Menge Übung. Unser Snowboard-Experte Stefan Drexl hat euch in unseren Fahrtechnik-Special schon die Grundzüge der leichtesten Tricks auf dem Board vorgestellt. Jetzt geht es ans Eingemachte: Drexl erklärt, worauf ihr bei Backside-Drehungen, beim BS Barrel Roll, Frontside Stiffy, Frontside Leanair und Frontside Stalefish achten müsst.

Backside 360, 540, 720: Rotationen bringen Stabilität

Sobald man Straight und Basic Airs über größere Kicker beherrscht, ist es an der Zeit sich die ersten Rotation Airs vorzunehmen. Neben den 180° zählen 360° in allen Varianten zu den Grundmanövern der Rotationtricks, die sich beliebig kombinieren lassen. Allerdings verändern sich die Anfahrt und Geschwindigkeit bei allen Rotationen gegenüber Straights grundlegend. Die Vorbereitung auf den Trick erfolgt stets mit der Anfahrt. Profis, wie der Doppelolympiasieger Shaun White sind sogar der Überzeugung, dass die Qualität des Tricks bereits mit der Qualität der Anfahrt entschieden ist. Die Einleitung einer jeden Rotation erfordert einen sauberen, sogenannten Setup-Turn, um von der Kante des Bretts abzuspringen und damit vorab Spannung aufbauen zu können. Der Absprung von der Base könnte zum Verkanten des Snowboards führen. Je mehr Rotationen mit einem Trick ausgeführt werden sollen, um so größer müssen auch die Geschwindigkeit und Vorspannung der Setup-Turns sein. Damit das Brett vor dem Absprung auf die gewünschte Kante kommt, wird der Setup-Turn mit einem geschnittenen Schwung durch die Transition über den Kicker angefahren, so dass dein Snowboard an der Lip mit der Nose talwärts zeigt und dabei auf der Kante steht. Für eine Backside Rotation erfolgt die Anfahrt auf der Frontside. Die Anfahrt ist dabei mindestens so lang wie bei Straight Jumps, eher sogar höher, denn durch die Setup-Turn verliert man etwas an Geschwindigkeit.

1. Die Anfahrt erfolgt in der Grundhaltung mit gebeugten Knien, eher noch etwas tiefer, die Arme sind vor dem Oberkörper und der Absprung an der Oberkante (Lip) des Kickers wird anvisiert. Der Körperschwerpunkt befindet sich zentral über dem Brett, das Körpergewicht ist auf beiden Beinen gleichmäßig verteilt.

2. Vor der Transition erfolgt die Einleitung des Setup-Turns durch einen leichten Backside Turn. Hier kann gegebenenfalls die Geschwindigkeit nochmals leicht korrigiert werden. Noch vor dem flachsten Teil (Flat) der Anfahrt beginnt der nahtlose Übergang in den größeren, gecarvten Setup-Turn auf der Frontside.

3. Dabei wird durch ein moderates Strecken der Beine aus Hüfte und Knien im Oberkörper Spannung durch das „Wind-Up“ aufgebaut werden. Der Rumpf wird dabei gegen die Fahrrichtung des Bretts gedreht und dient dem Schwungholen. Entsprechend der Anzahl der geplanten Rotationen ist ein mehr oder weniger starker Wind-Up erforderlich. Durch die Kombination mit dem Setup-Turn wird die wichtige Spannung aufgebaut, um sauber von der Kante des Bretts abspringen zu können.

4. Kurz vor Verlassen des Kickers wir die Vorspannung in einen Rotationsimpuls entladen und der Oberkörper in Richtung Frontside gedreht wird. Der Impuls erfolgt über die Arme und Schultern bis zur Hüfte und Knie. Das Snowboard zeigt an der Lip mit der Nose talwärts und steht dabei auf der Frontside. Mit der Flugphase werden beide Beine leicht gebeugt, um das Snowboard wieder näher an den Körper heranzubringen und eine kompakte Körperhaltung einzunehmen. Der Körperschwerpunkt wandert dabei nur leicht vor das Snowboard während dein Oberkörper jedoch aufrecht bleibt. Der Kopf übernimmt jetzt die entscheidende Steuerung der Rotation und ist dem Körper stets voraus.

5. Frühestens nach 180° (bei einem 360°) oder 180° vor Ende der Rotation wird der Blick auf die Landung gerichtet. Bei einem Frontside 540° wird man nach 360°der kompletten Rotation, bei einem FS 720 nach 540° mit der Einleitung der Landung beginnen. Hat man die Landung im Blickfeld wird die Rotation durch Öffnen der kompakten Körperhaltung und Stoppen der Kopfsteuerung gebremst.

6. Für die Landung befindet sich der Körperschwerpunkt zentral über dem Brett und die Beine werden dem Landungspunkt entgegengestreckt. Das Brett mit der Lauffläche gleichzeitig aufsetzen, den Aufprall durch beugen der Knie abfedern, zügig die Grundstellung einnehmen und geradeaus weiterfahren, um für den nächsten Sprung rechtzeitig vorzubereiten.