Denke ich an Ischgl, denke ich an Party, Alkohol und Touris. Vor 20 Jahren war ich einmal hier, als Jugendlicher mit einer Gruppenreise. Hier hatte ich meinen ersten Absturz, tanzte erstmals auf einer Bar und trank zum ersten Mal Williams Birne. Doch steckt da nicht mehr hinter dem Partyort in den österreichischen Alpen? Was gibt es abseits von Aprés-Ski in dem Skigebiet im Paznauntal mit offiziell 238 Pistenkilometern, einer direkten Verbindung zum zollfreien Samnaun (SUI) und gleich drei Zubringergondeln aus dem Ort wirklich zu entdecken? Lohnt sich ein Besuch, nur um des Skifahrens willen? Wir waren fünf Tage im Skigebiet unterwegs und entgingen dem Trubel von Ischgl durch eine Ferienwohnung im ruhigen Mathon. Keine Party, keine Hüttengaudi, nur fünf Tage Skifahren - geht das in Ischgl?

1. Tag: Regen und Wind - kein guter Start

Föhn und Wolken, leichter Schneefall, unten in Ischgl regnet es. Kein perfekter Start nach einer durchfahrenen Nacht. Wegen des Föhn-Sturmes sind viele der Lifte gesperrt, lediglich die tieferen Gefilde und die durchweg schönen Talabfahrten sind geöffnet. Wir halten uns vor allem im Velliltal auf, fahren drei Mal die schöne Talbfahrt von der Vellilscharte (Nr 7, 7a). Es ist kein Traumtag, durch die Sperrung von Greitspitze, Palinkopf und Viderjoch ist das Angebot doch stark beschränkt. Wir kehren im Alpenhaus an der stets überfüllten Idalp ein, finden mit viel Glück einen Platz. Natürlich drängt sich heute hier die Skifahrer-Meute, wo soll sie auch hin? Ist ja alles gesperrt. Das Restaurant ist modern, mit viel Holz versehen, die Mitarbeiter sind trotz Hektik freundlich. Es gibt eine extra Grillstation, eine gemütliche Bar, das Essen ist gut, aber wie überall hier ziemlich teuer. Und dabei sind wir noch im Selbstbedienungsbereich, ein Blick auf die Karte der VIP-Lounge zeigt, dass es noch vieeeel teurer geht: Rindercarpaccio, Duett vom Kalbfilet und Tafelspitz, Steinbuttfilet, süßer Dreiklang aus Nougat, Schokolade und Marille. Der Otto-Normal-Skifahrer ist von diesem Angebot wohl nicht angesprochen. Dann doch eher die Schar von russischen, gut gekleideten Gästen, die sich ihren Urlaub einiges kosten lassen. Wir lassen den ersten Tag locker auslaufen, entgehen der Party-Action an der Paznauer Thaya, wo die Bässe der Anlage den Berg hinauf schallen, und nehmen die Abfahrt 37 ins Tal. Unsere Snowboarder schimpfen, Ziehwege und nasser Schnee, das beißt sich, wenn man keine Stöcke zum Anschieben hat. Der Regen tröpfelt auf unsere Helme, als wir müde zum Skibus trotten.

2. Tag: Pooooowder!

Traumtag! Über Nacht hat es 15cm geschneit, wir nehmen einen frühen Skibus, denn wir wohnen ja nicht in Ischgl direkt, sondern im sieben Fahrtminuten entfernten Mathon Piel. Hier lebt es sich deutlich günstiger als in Ischgl, Skibusse fahren morgens und nachmittags alle zehn Minuten, alles ist perfekt organisiert. Wir steigen in eine der ersten Gondeln und fahren zur Idalp, dem zentralen Punkt in Skigebiet Ischgl. Hier ist immer am meisten los, hunderte Skianfänger tummeln sich, mehrere Sessellifte starten an dem Punkt, wo alljährlich das große Ischgl-Abschlusskonzert steigt, Anfang Mai 2014 übrigens mit Robbie Williams. Wir nutzen die heute offenen Lifte, die gestern noch gesperrt waren, zum Beispiel B2 und B3. Die Sicht ist schlecht, aber der Schnee traumhaft, eine reine Gaudi. Leider sind Palinkopf und Greitspitze noch zu, also starten wir Richtung Alp Trida. Über das Viderjoch führt uns die Abfahrt 62 hinab nach Alp Trida, das bereits zu Samnaun und somit zur Schweiz gehört.

Wir entscheiden uns für mehrere Liftfahrten mit der Visnitzbahn, die wenig genutzt wird und tolle Abfahrten bietet (67 und 65). Vom Endpunkt des 4er-Sessels kann man auch die Sessel Mullerbahn und Grivaleabahn erreichen, zwei Sessellife abseits des Trubels in den Kesseln der Idalp oder Alp Trida, wo sich doch häufig die Menschenmassen sammeln. Ein Tipp für den Einkehrschwung zum Mittag: Wer im Alp Trida Restaurant einkehrt, eine eigentlich typische, aber recht nett eingerichtete Selbstbedienungsgaststätte für den Skifahrerstrom, der sollte die Holzoffenpizza versuchen – eine wirklich gute Pizza für bezahlbares Geld. Wer es etwas schicker mag (einige der doch zahlreichen russischen Gäste der Skigebiets nehmen das Angebot in Anspruch), der kann im Spezialitätenrestaurant "La Marmotte" feine internationale und heimische Küche in gehobenem und gemütlichem Ambiente genießen.

Nach dem Mittag und dem obligatorischen Loch, aus dem man nach einem anstrengenden Vormittag und leckerer Speise zum Mittag erst einmal wieder herauskommen muss, reißt es auf. Wir machen uns zurück auf die Ischgler Seite und als wir oben von der Vellilscharte den Blick über den Bergkessel schweifen lassen, zaubert sich ein Grinsen auf die Gesichter. Die Sonne macht das Szenario einmalig schön und obwohl es Sonntag ist und viele Leute unterwegs sind, gibt es an den Liften keine Wartezeiten. Dank der einmalig gut ausgebauten Anlagen, vielen 6er- oder gar 8er-Sesseln, schnellen Gondelbahnen und einen großen Angebot verteilt sich der Strom der Menschen gut. Manchmal macht es einen etwas zu verbauten Eindruck, gerade an der Idalp hat das Erlebnis Ischgl wenig mit unberührter Natur zu tun. Doch man findet auch einige Abfahrten, wie zum Beispiel die Tour zum Nachtweidelift C4 über die Piste 6 oder das Gelände direkt unter dem Lift, die viel Spaß machen und wenige Leute beherbergen. Am Ende eines langen Skitages nehmen wir wieder die Piste 7a Richtung Tal, die weit weg von allen Liftanlagen verläuft. Sperrt man hier mal die Ohren auf, hört man… nichts! Und das ist nach einem langen, wunderbaren Tag, tollem Schnee und vielen, vielen Pistenkilometern ein schöner Sound.

Tag 3: Drei-Königs-Tag

Morgens ist die Gondel überraschenderweise voll, erst nach ein paar Gesprächen merken wir, dass heute Feiertag in Österreich ist. Nach zehn Minuten Wartezeit sitzen wir in der Gondel. Wir haben uns vorgenommen, gleich zu Beginn auf den Palinkopf zu fahren und früh am Tag den „Duty Free Run“ nach Samnaun zu fahren. Die beste Entscheidung des Tages, eine tolle Abfahrt von oben bis unten, sogar mit einigen schönen Schwüngen abseits der markierten Pisten. Wir nehmen unten den direkten Weg zur Gondel, wollen nichts einkaufen – auch wenn das hier in Samnaun zollfrei geht. Parfüm, Kleidung, Zigaretten und vieles mehr kann man hier günstig erstehen. Die vorgeschriebenen Mengen sollte man dabei aber nicht missachten, denn ab und zu fahren Zollbeamte im Skigebiet Streife und machen Kontrollen.

Die pompöse, doppelstöckige (!) Gondelbahn bringt uns zurück zum Skigebiet an das Alp Trida Eck, dann entdecken wir einige schöne, gefahrlose Hänge und powdern mehrere Abfahrten unterhalb der Alp Trider Sattelbahn. Die Mittagspause legen wir im Restaurant Salaas in der gleißenden Sonne ein: Auf der Terasse des ziemlich spacigen Lokals genießen wir mit einem famosen Ausblick leckere Currywurst und Kaiserschmarrn. Auch hier bleibt die Gemütlichkeit etwas auf der Strecke, wer urige Hütten sucht, sollte woanders hinfahren. Billig ist leider auch anders, aber wir sind im Urlaub, da kann man mal ein Auge zudrücken.

Weiter geht’s zur Greitspitze, von hier die schwarze 14a und wieder einige Offpiste-Ausflüge bis hinab zur Höllkarbahn, eine lange, richtig coole Tour. Wir fahren hinauf, starten wieder zum Palinkopf und von hier zum Piz Val Gronda. Die im Winter 2013/2014 neu eröffnete Gondel wurde in weniger als einem Jahr fertig gestellt, ist hypermodern und die erste Pendelbahn mit eingebauter Sitzheizung. Tal- und Bergstation sind offen gebaut, man findet also keine riesigen Betonklötze vor, sondern relativ dezente Stationen. Oben angekommen, bietet sich ein tolles Panorama und im Anschluss eine entspannte und recht einfache Abfahrt durch unpräpariertes Gelände. Wir düsen weiter hinab zur Gampenbahn und nochmal rauf, dann runter zur Bodenalpe. Die Kräfte schwinden, es wird bucklig. Über die Paznauer Thaya geht es weiter zur Idalp. Es ist voll, also entscheiden wir uns kurz vor Lifteschluss noch einmal rauf zu fahren und die 7 ins Tal zu nehmen. Doch das Velilltal ist gesperrt und somit drängen sich zum Abschluss des Tages tausende Menschen auf der Piste Nr. 1 herunter nach Ischgl. Kein ungefährliches Unterfangen, viele schlechte Skifahrer sind unterwegs. Ab und zu staut es sich sogar. Doch wir kommen heile unten an. Platt, glücklich und mit einigen tollen Abfahrten im Kopf, an die wir uns noch lange erinnern werden.

4. Tag: Fotosession im Snowpark

An Tag vier wird der Schnee schon wieder schlechter. Steine kommen neben der Piste raus, selbst hier in Ischgl ist die Schneesituation in diesem Winter schwierig. Allerdings braucht man hier wenig Angst haben, dass man nicht fahren könnte. Unglaubliche 1100 Schneemaschinen gibt es, davon können andere Regionen nur träumen. Und obwohl in anderen Gebieten die grünen Hänge das Bild bestimmen, ist man in Ischgl mitten im Winterwunderland. Das macht auch die Höhe, denn man bewegt sich fast dauerhaft oberhalb von 2000 m.ü.M.

Wir starten über die Idalp zum Palinkopf, entdecken die „Extreme Skiroute" Nr. 26, die man vom Höllspitzlift über die rote 32 erreicht. Ein traumhafter Hang, mit tollem Panorama in das Höllkar. Hier verbringen wir den Vormittag, denn im "Schneeloch" sind die Bedingungen perfekt, vor allem findet man noch unberührten Tiefschnee. Definitiv ein Tipp für Freerider nach Neuschneefällen, wenn die Lawinensituation es zulässt - zwar ist der Hang nicht supersteil, aber unvorsichtig sollte man hier nicht werden. Wir machen Mittag im Restaurant Schwarzwand auf dem Plateau, wo die Lifte B2 und B1 starten. Auch hier findet sich eine Pizzeria, auch hier ist die Pizza gut. Hohe Preise, gute Qualität, modernes Design: In Ischgl und Samnaun ähneln sich die Angebote der Hütten stark, aber solange dies auf einem hohen Niveau passiert, kann man daran wenig aussetzen. Und so gehen wir nach der Pause völlig entspannt wieder auf Tour und lassen den Tag bei Kaiserwetter im sehenswerten Snowpark ausklingen. Hier tummeln sich Cracks auf den Pro-Lines und Anfänger an den kleinen Schanzen. Es gibt Steilkurven und Wellen, Obstacles und jede Menge Möglichkeiten. Einziges Manko: Es gibt keinen Snowpark-Lift, man muss jedes Mal wieder zur Idalp fahren und Lift B1 hinauf, das kostet Zeit. Neben dem zweigeteilten Snowpark und einem Obstacle-Park auf der Samnauener Seite finden sich in Ischgl natürlich auch eine Geschwindigkeits-Messstrecke und eine Rodelbahn, das Angebot für die Kids kann sich also durchaus sehen lassen.

5. Tag: Ischgl kann mehr als sein Ruf

Nach vier Tagen haben wir das gesamte Gebiet abgefahren und kennen jede Ecke. Und somit suchen wir uns am letzten Tag noch einmal die Sahnestücke aus dem vielfältigen Pistenangebot aus, machen aber aufgrund müder Beine eher einen ruhigen Tag. Ein toller Kurzurlaub geht zu Ende. Und die Erkenntnis, dass Ischgl-Samnaun viel mehr zu bieten hat als Party, Alkohol und touristische Massenware. Wer damit leben kann, dass hier der Charme des Modernen versprüht wird und kein klassisches Bergerlebnis, der sollte einen Besuch nicht scheuen. Denn Lifte und Pisten gehören zu dem Besten, was Europa zu bieten hat.

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Tipps für Ischgl-Besucher, denen es um das Skifahren geht:

- Wer sich abseits von Idalp und Alp Trida Eck bewegt, der entgeht dem Ansturm der Massen

- Der Duty-Free-Run vom Palinkopf nach Samnaun ist eine der schönsten Abfahrten im Gebiet - die solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Vor allem morgens ein Genuss!

- Wer am Nachmittag dem Trubel auf der Abfahrt Nr. 1 Richtung Tal entgehen will, der sollte die 7 und 7a fahren. Hier ist meist weniger los.

- Die Silvrettabahn schafft morgens am schnellsten die Menschen auf den Berg, hier ist es allerdings auch am vollsten. Am kürzesten standen wir an der Fimbabahn an, einer 8er-Gondel mit Sitzheizung - wahrscheinlich, weil man hier ein paar Meter mehr gehen muss als bis zur Pardatschbahn (wenn man nicht durch den Dorftunnel kommt).

- Eine Fahrt mit der neuen Gondel auf den Piz Val Gronda lohnt sich. Euch erwartet ein toller Ausblick und eine ruhige und gemütliche Abfahrt

- Vor allem im Höllkar unterhalb des Palinkopfes und der Greitspitze finden sich sehr gute Offpiste-Möglichkeiten. Bei den richtigen Bedingungen ein Traum für jeden Tiefschneefreund.

Ischgl Facts

- 238 Pistenkilometer

- 515 ha Pistenfläche

- 90.200 Personen Gesamtförderungsleistung pro Stunde 1.100 Schneemaschinen

- längste Piste: 11 km

Betriebszeiten

28.11.2013 - 04.05.2014

Täglich von 8:30 bis 16:00 Uhr

Skipasspreise 13/14:

VIP SKIPASS gültig an bis zu 44 Anlagen in Ischgl/Samnaun (Es ist eie Gästekarte von Ischgl/Mathon/Samnaun erforderlich!)

1 Tag: € 43,50

7 Tage: € 247,50

Infos

Tourismusverband Paznaun – Ischgl
Dorfstraße 43
6561 Ischgl
Austria

Tel. +43 (0)50990 100

Fax: +43 (0)50990 199

E-Mail: info@ischgl.com

Internet: www.ischgl.com