Der letzte Tag der Burton European Open 2014 am Crap Sogn Gion von Laax stand ganz im Zeichen des Superpipe Finales. In einer perfekt geshapten Halfpipe zeigten die qualifizierten Damen und Herren bei strahlendem Sonnenschein einmal mehr ihre komplettes Trick-Repertoire. Am stärksten waren am Finaltag die Airs der Schweizerin Ursina Haller und ihres Landsmannes Iouri Podladtchikov, die beide hochverdient vor heimischem Publikum die begehrten Titel holten.

Ursina Haller dominant zum Sieg

Das Starterfeld der Damen reduzierte sich erneut von 6 auf 5 Fahrerinnen, da Enni Rukajärvi (FIN) leider wegen einer Verletzung während des Slopestyle Finales am Vortag ausfiel. Der erste Lauf war für die Fahrerinnen meist auf Sicherheit gebaut und so riskierten sie erst mit dem zweiten Run und höheren, sowie komplizierteren Tricks, deutlich mehr. Viele 5er und 7er beeindruckten die vielen Zuschauer an der 6 Meter hohen Pipe und so war es nicht überraschend, dass ein Front 7er am letzten Sprung (Hit) der Schweizerin Ursina Haller eine frühe Führung vor ihrer Landsfrau Verena Rohrer bescherte.

Der zweite Run änderte kaum etwas, bis schließlich Verena Rohrer für ihre zwei sauberen 7er und 5er mit hohen 46,9 Punkten belohnt wurde und dadurch die Führung vor Ursina übernehmen konnte. Doch Haller, die als heißes Eisen für die Olympischen Winterspiele gehandelt wird, hatte noch Reserven und konterte mit einem Front 9er, back to back 5er, einem Method und ihrem Markenzeichen, einem Front 7. In Kombination mit einem geschmeidigen und flüssigen Flow holte sich die 28-Jährige die Führung zurück.

Der dritte und letzte Run der Damen startete dann in umgekehrter Reihenfolge der aktuellen Platzierung. Die 16-jährige und fünftplatzierte Zoe Kalapos (USA) droppte somit als erste in die Pipe, konnte ihren 5. Platz jedoch nicht weiter verbessern. Auch der Französin Lucile Lefevre konnte die Chance nicht nutzen, um das Schweizer Podium noch einmal zu sprengen. Carla Somaini sprang zwar einen stylischen Alley Oop McTwist, doch der Rückstand auf Platz zwei war zu groß. Verena Rohrer war die einzige, die noch die Chance nutzen konnte, um Ursina vom Thron zu stoßen, doch selbst ihr Back to Back 5er und ein abschließender Front 7 reichten nicht aus.

Mit dem Sieg bereits in Händen hätte Ursina Haller nun einen lockeren Run hinunterlegen können, doch sie bot noch einmal einen Lauf, als ginge es bereits um Olympisches Gold. Mit einem perfekt gelandeten und wunderschön gegrabbten Front 9er, Back to Back 5er, Backside Air und Front 7er steigerte sie sogar noch einmal ihr Punktezahl auf beeindruckend 92.2 und gewann souverän den Halfpipe-Titel der Burton European Open 2014. „Dieser Event hier ist sehr speziell für mich,” meinte sie danach. Um so schöner ist es, dass ich hier gewinnen konnte.“

Iouri Podladtchikov knapp vorn

Das Finale der zehn Herren versprach spannend zu werden, speziell durch das starke Kontingent an schweizer Ridern, besonders Iouri Podladtchikov, Christian Haller und Markus Keller. Wie beim ersten Run der Damen verwendete man diesen, um wertvolle Punkte zu erlangen, bevor man in den anderen zwei Runs die Trümpfe aus dem Ärmel zog. Shuhei Osanai (JPN) war der Erste im Starterfeld, der einen Double zeigte. Der erst 15-jährige Jake Pates lieferte daraufhin ebenfalls eine beeindruckende Show, mit der er sich eine Weile lang an der Spitze halten konnte, bis Iouri ihm mit einem sensationellen Run die Führung abnehmen konnte.

Im zweiten Run versuchten die Rider noch einmal das Level zu steigern, um ihre Punktezahl des ersten Runs zu erhöhen. Markus Keller (SUI), der angekündigt hatte, keine Rotation über einem 7er zu machen, was in Zeiten von Doubles eigentlich sehr ungewöhnlich ist, zeigte dennoch mit stylishem oldschool Snowboarding und Tricks wie Alley Oop 5, Melon to Fakie, Haakon Flip, Back Alley Oop 3, Fakie Method und einen Chicken Wing 7. Allerdings gelang es ihm damit nicht bei den Judges zu  Punkten und im vorderen Feld zu landen. Janne Korpi (FIN) steigerte sich immer mehr und beeindruckte mit einem sauberen Lauf und spektakulären Sprüngen, was im Zwischenstand mit der vierten Position belohnt wurde, während es Kosuke Hosokawa aus dem starken japanischen Team sogar auf Rang 2 schaffte ehe ihn Jake Pates ablöste, der wiederum von Christian Haller übertrumpft wurde.

Iouri ging als Führender in den dritten Run, gefolgt von Christian Haller und Jake Pates. Janne Korpi (FIN), nach Markus Keller der zweitälteste Rider im Bewerb, landete einen Melon to fakie, Cab Double 10, Alley Oop Back 5, Back 5 Mute und Front 10, schoss an die dritte Position und verdrängte somit Jake auf Rang vier. Christian Haller hatte also noch als einziger die Chance, Iouri zu schlagen, was ihm aber nicht mehr glückte. Der Gewinner ist momentan wohl einer der komplettesten Snowboarder. „Momentan gelingt es mir auf einem sehr hohen Level zu fahren. Und es sieht so aus als wäre Laax ein guter Ort für mich.“

Die Top 5 des World Snowboard Tour Women's Halfpipe Ranking hat sich durch das Ergebnis nicht geändert. Ursina Haller konnte auf Platz sechs aufrücken. Christian Haller übernahm mit seinem zweiten Rang die Führung, Podladtchikov befindet sich derzeit an siebter Positon vor Janne Korpi auf Platz 8.

Ergebnisse Halfpipe Finals Women:

1. Ursina Haller, SUI, Protest, 92,20

2. Verena Rohrer, SUI, O’Neill, 84,90

3. Carla Somaini, SUI, Never Summer, 66,70

4. Lucile Lefevre, FRA, Rip Curl, 61,10

5. Zoe Kalapos, USA, Monster, 57,50

Ergebnisse Halfpipe Finals Men:

1. Iouri Podladtchikov, SUI, Quiksilver, 86,30

2. Christian Haller, SUI, Burton, 84,90

3. Janne Korpi, FIN, Kissmark, 83,90

4. Jake Pates, USA, Burton, 78,80

5. Kosuke Hosokawa, JPN, Kissmark, 75,10

6. Ikkou Anai, JPN, Gush, 74,20

7. Tim-Kevin Ravnjak, SLO, Oakley, 62,80

8. Markus Keller, SUI, Nitro, 59,30

9. Michael Schärer, SUI, Nitro, 53,80

10. Shuhei Osanai, JPN, Kissmark, 5,50