Action-Cams gehören mittlerweile schon fast zur Standardausrüstung ambitionierter Skifahrer. Wer sich beim Anstehen am Lift ein bisschen umsieht, dem werden sie gleich ins Auge stechen. Was dabei auffällt: Fast alle Cams sind zentral am Helm mit Blick nach vorne montiert. Der Autor dieser Zeilen hat sich in den vergangenen zwei Jahren weit über 2000 Ski- und Snowboard Videos von Profis, jungen Talenten, „Normalos“ und auch Anfängern angeschaut. Eine der wichtigsten Erkenntnisse und der wohl beste Tipp, den man Hobby-Filmemachern im Schnee geben kann: Nehmt die Cam vom Kopf!

Denn wer mit seiner Contour, GoPro, Sony oder anderen Actioncams immer nur diese eine Perspektive wählt, vergibt gewaltige Chancen: Die gedrehten Filmclips werden automatisch zur „Massenware“ und es wird sehr schwierig, sich abzuheben. Skifahrer, die hingegen auf weitere Perspektiven setzen, erweitern damit den Horizont des Betrachters ganz gewaltig, wecken Interesse und bekommen als Folge auch mehr „Views“ auf Youtube oder Vimeo. Wenn ihr also nicht nur wild drauflos filmen wollt, sondern etwas Ambition beim Drehen mit eurer Actioncam entwickelt, dann gibt euch Gernot Schweigkofler von Skivideo.at euch hier ein paar Tipps.

Wahl der Kamera

Derzeit klare Nummer 1 im Bereich der Actioncams ist die GoPro. Diese gibt es aktuell in drei Ausführungen: der GoPro Hero3+ White Edition, die Silver Edition und die GoPRo Hero 3+ Black Edition. Dabei ist die White Edition das Einsteigermodell, die Silver Edition bietet bereits eine weit besser „normale“ Foto-Kamera (10 MPix statt 5) und die Black ist das Profi-Modell, das gerade bei Nachtaufnahmen überzeugt.

Die Stärke der GoPro ist die vielseitige Einsetzbarkeit und das viele Zubehör. Die GoPro kann man dank vieler Halterungen, die man als Ergänzung zur Cam käuflich erwerben kann, praktisch überall am Körper, Ski, Stock usw. fest und sicher befestigen.

Ebenfalls sehr beliebt sind die Drift Innovation S (360 Grad schwenkbar) oder die Countour +2 (mit GPS Funktion). Auch renommierte Hersteller wie Sony, JVC oder Garmin haben mittlerweile Actioncams im Angebot. Ihr habt also die Qual der Wahl, meiner Meinung nach ist die GoPro aber nach wie vor ein heißer Favorit. Eher abzuraten ist von billigen Cams aus Discount-Märkten. Hier stimmt zwar der Preis, gute Bilder wird man damit aber eher nicht hinbekommen.

Tipps für ein gutes Skivideo

Anhand von Beispielen und Kurz-Interviews mit guten Filmemachern bzw. einem professionellen Freerider, möchten wir allen Action-Cam Besitzern Hinweise mit in den nächsten Skiurlaub geben, die ihnen helfen, ihre Ski-Videos in Zukunft noch aufregender zu gestalten.

Ein Beispiel:

The Art Of Skiing - relaunched! from Leo Michels on Vimeo.

„The Art of Skiing – relaunched!“ ist ein Film von jungen Skifahrern, die einfach nur Spaß auf der Piste haben. Sie springen nicht, bewegen sich nicht im Gelände und machen nichts wirklich sportlich außergewöhnliches. Dennoch macht es Spaß, den Film zu sehen.Warum? Hier kommen viele filmerische Kniffe und ungewöhnliche Kameraeinstellungen zum Einsatz:

- Kamera per Halterung neben dem Helm

- Kamera am Ski

- Kamera am Stock

- Kamera im Schnee, mit Fahrer, der davor schwingt und immer wieder andere „externe“ Fixpunkte

Man muss nun dazu erwähnen, dass die vier jungen Herren gemeinsam in Düsseldorf eine Produktionsfirma für Filme namens Whitemotion betreiben und deshalb natürlich bestens ausgerüstet sind. Aber eine Gruppe mit ein oder zwei GoPros und guten Smartphones kann viele dieser Szenen sicherlich ähnlich drehen. Damit das funktioniert, haben wir uns von Whitemotion einige Tipps fürs „richtige“ Drehen eines Skivideos geholt. Das interessante Interview findet ihr hier!

Zusammengefasst geht es schlussendlich darum, mit etwas Planung vorzugehen: Beim Abendessen besprechen die Filmemacher, welche Einstellungen verwendet werden könnten. Zudem wird ein kleines Storyboard erstellt (Anreise, zum Skilift, auf der Piste, wieder unten im Tal). Wichtig erscheint auch die Sichtung des Materials am Ende des ersten Tags – so kann man sich die Frage stellen, was man unbedingt noch zeigen will, was noch nicht gedreht ist. Damit bleibt die Enttäuschung am Ende des Urlaubs aus, wenn gerade die beste Piste nur mit verwackelten Bildern präsentiert wird.

Im Interview geben die Whitemotion-Macher auch den Tipp, ein "starres Element" im Bild zu haben. Dieser Hinweis ist wichtig und kann die Optik eines gedrehten Bildes stark beeinflussen: Viele Videos scheitern am „Verwackeln“ - und das in der Nacharbeitung zu korrigieren, ist für Laien praktisch unmöglich. Ein starres Element im Bild, sei es ein Stück des Helmes, der Stock oder anderes, sorgt für einen optischen Effekt, der vom wackligen Bild ablenkt. Probiert es mal aus, der Effekt ist enorm! Am allerwichtigsten aber ist der Tipp „Überlegen vor dem Drehen“ – wer blind drauflos filmt, der wird am Ende mit viel Material dastehen. Und dann ist die Gefahr groß, dass man die Lust am Filmemachen beim Schneiden verliert. Das passiert vielen Neueinsteigern, die vom Zeitaufwand der Nacharbeitung überfordert sind und ihre "Hobbyfilmkarriere" schnell an den Nagel hängen. Profis sammeln zwar noch weit mehr Material, aber sie haben auch bedeutend mehr Zeit zum Schneiden (dazu mehr weiter unten).

Einen etwas anderen Ansatz nimmt dieses Urlaubsvideo von einem Snowboard-Urlaub in Obertauern:

Back to Obertauern from drvn on Vimeo.

Auch hier erfolgen relativ viele Schnitte, die Wahrnehmung des Urlaubs ist aber eine andere: Zum Beispiel kommt hier auch Ápres-Ski zur Geltung. Dennoch kann man bei den Snowboard-Aufnahmen gut erkennen, dass die Filmer die Kamera nicht nur am Helm montiert, sondern auch in der Hand gehalten haben und auch einfach mal in den Schnee steckten. Kein Problem übrigens, dafür sind die Actioncams schließlich wasserfest!

Das Problem, dass gerade bei sehr sonnigen Tagen die Reflexionen im Schnee zu einer Überbelichtung führen können, ist zwar erkennbar. Es wurde aber geschickt eingesetzt, um im Film Atmosphäre zu schaffen. Sehr schön ist auch die Nutzung von Zeitraffer und Panorama-Aufnahmen gelungen. Mit derartigen Einstellungen kann man einem Film sehr viel Dynamik geben und auch verhindern, dass das Video zu wenig Abwechslung bietet. Eine komplette Piste in einem Zug hinunterzufahren, macht zwar viel Spaß, bietet dem Zuschauer aber meist zu wenige Spannungsbögen.

Einsatz und Wille entscheidend für das Filmergebnis

Der professionelle Freerider Matthias Mayr, der derzeit mit seiner monatlichen Freeride-Serie „Another Day in Paradise“ für Furore sorgt, verwendet nach eigenen Angaben nur selten Actioncams. "Wenn dann meistens am Helm oder am Stock." Auf die Frage nach Tipps für junge Fahrer antwortet Mayr: „Man sollte sich zuerst immer über das Ziel, das man hat, im Klaren sein. Dann, wenn man das Ziel im Auge hat, schauen wie man am besten dorthin kommt. Mittlerweile sind Topkameras für viele leistbar. Es liegt also am Einsatz und Willen jedes Einzelnen, etwas qualitativ Hochwertiges zu erreichen.“

In einem seiner Videos lässt er uns, mittels Helmkamera und Knopf im Ohr „hinter“ die Kulissen eines Drehs blicken, per „Untertitel“ gibt er uns dabei auch noch seine Gedanken mit auf den Weg:

The way I see it from M-Line Freeski TV on Vimeo.

Die Kamera ist hier seitlich am Helm montiert, dieser bietet hier einen Fixpunkt... das Außergewöhnliche am Film ist aber mit sicherlich das perfekte Skifahren.

Zumeist erfolgt die Verwendung von Actioncams bei Matthias Mayr aber nur als Ergänzung, wie in dieser Episode von „Another Day in Paradise“:

Für Mayr liegt der Hauptteil der Arbeit im Schneideraum: Ein kompletter Skifilm wird im Laufe von circa zehn bis 30 Tagen im Gelände gedreht, die Vorbereitung (Story, Locations etc.) dauert oft bis zu einem Jahr. Für den Schnitt benötigt er oft hunderte Stunden. „Wenn ich die Stunden zählen würde, würde ich nicht mehr schneiden“, so Mayr.

Für Amateure ist dieser Zeitaufwand aber wohl kaum bewältigbar: Deshalb sollten man sich auf kurze und gut geplante Sequenzen konzentrieren, die dann für den fertigen Film kaum mehr bearbeitet werden müssen.

Zehn Tipps für Action-Cam-Filmer1

1. Vorabplanung: Was will ich zeigen, was ist die Geschichte? Außerdem: Aufladen der Batterien nicht vergessen.

2. Ungewöhnliche Perspektiven: Actioncams eignen sich zur Montage an Helm, Ski, Rucksack, Stock – diese Möglichkeiten nutzen, innovativ und „anders“ sein.

3. Handys oder andere Kameras nutzen, um sich gegenseitig zu filmen – die „Ego-Perspektive“ alleine wird langweilig. Mit Freunden macht Skifahren ja auch mehr Spaß.

4. Technisches Know How: Die Actioncam sollte nicht im Skigebiet zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Mit neuen Cams erst einmal zu Hause üben! Dabei auch die unterschiedlichen Einstellungen ausprobieren (Bildrate, Auflösung, , ...)

5. Kurze Sequenzen drehen, lange Aufnahmen vermeiden. Das erspart viel Arbeit beim Schnitt.

6. Spaß haben – Skifahren soll Spaß machen und ein Video kann diesen Spaß nur vermitteln, wenn man sich vom Filmen nicht vom Spaßhaben ablenken lässt.

7. Bei mehrtägigen Drehs: zwischendurch Material sichten

8. Ein Skiurlaub und ein Skivideo bestehen nicht nur aus Skifahren: Auch die Landschaft, die Menschen und die Orte, in denen man sich aufhält, spielen eine Rolle. Deshalb kann man der Location und den Menschen ebenfalls Platz in einem Video einräumen.

9. Gute Musik wählen: Es gibt viel lizenzfreie Musik, die rechtlichen Ärger erspart. Die neuesten Hits zu verwenden, führt gerade auf Youtube zum schnellen Sperren der Videos.

10. Beim Schnitt: Geduld haben! Profis investieren mehr Zeit in den Schnitt als in den Dreh, also wenn nicht alles gleich so ausschaut, wie man sich das vorstellt, Pause machen und nochmals ran.

Viel Spaß beim Filmen und Schneiden

Mit den Hinweisen unserer Experten (siehe Interview) und diesen Tipps solltet ihr viel Rüstzeug an der Hand haben, um aus dem nächsten Skiurlaub mehr als nur schöne Erinnerungen mitzunehmen. Zum Abschluss noch das absolute Lieblingsvideo von mir persönlich: Christoph Oberschneider hat diesen Film lediglich mit einer Action Cam und einer Spiegelreflexkamera gedreht und das vor drei Jahren, als diese noch nicht ganz so ausgereift sind. Man sieht „The Sky is the Limit“:

Zum Autor: Gernot Schweigkofler betreibt gemeinsam mit einem Freund die Seite Skivideo.at, auf der man aktuelle Skivideos von den Pisten Österreichs bewundern kann. Als Journalist testete er für Skiinfo viele Skigebiete und auch privat dreht sich bei ihm im Winter alles um das Skifahren.