Keine Frage, die Firma Ortovox gehört zu den absoluten Sicherheitsexperten, wenn es um Skitourengehen oder allgemein Bergsport abseits der gesicherten Wege geht. Lawinenverschüttetensuchgeräte, Sonden, Schaufeln, Rucksäcke, aber auch Bekleidung gehören zum Sortiment der Taufkirchner. Nachdem man in der vergangenen Saison erstmals auch einen Lawinenairbag-Rucksack im Angebot hatte, erweitert man die Kollektion im Winter 2014/2015 unter anderem mit dem Ortovox Base 20 Lawinenrucksack. Wir haben das kompakte Basismodell schon vorab getestet und fragen: Kann ein Sicherheitsprodukt auch bequem und praktisch sein?

Herstellerbeschreibung

Nach dem erfolgsgekrönten Einstieg in den Airbagmarkt vergangene Saison, erweitert ORTOVOX seine Linie um das Modell BASE 20 ABS. KOMPAKT, LEICHT und mit BREITEM EINSATZBEREICH, stellt der 20 Liter-Rucksack nun das BASISMODELL dar. Einzigartig bei allen ORTOVOX Lawinenairbags ist die ERSTE HERAUSNEHMBARE ABS-EINHEIT M.A.S.S. (Modular Airbag Safety System). Je nach vorherrschenden Bedingungen, kann das gesamte System mit wenigen Handgriffen entnommen werden und erlaubt so einen sehr breiten Einsatzbereich. Maximale Flexibilität zeichnet auch die Auslösegriffbefestigung aus. Für INDIVIDUELLE EINSTELLBARKEIT, kann sie wahlweise rechts, oder links installiert werden und ist in der Höhe wie auch im Winkel frei einstellbar.
 
KONZIPIERT FÜR FREERIDES UND TAGESSKITOUREN zeichnen den BASE die KÖRPERNAHE PASSFORM und die SCHLANKE SILHOUETTE aus. Um höchstmöglichen Schutz gewährleisten zu können, lässt sich optional ein TÜV-zertifizierter Protektor integrieren. Standardmäßig bringt der Lawinenairbag ein sehr ÜPPIGES AUSSTATTUNGSPAKET mit. Das X-Skifix ermöglicht neben dem Skitransport auf zwei unterschiedliche Arten (diagonal oder gekreuzt) auch eine Befestigung von Snowboard oder Schneeschuhen. Die zur Fixierung eingesetzten Aluschnallen mit Hypalonriemen sind extrem robust und leicht bedienbar. Sicherheitsfach, Brustgurt mit Signalpfeife, Pickelaufnahme, Fototasche sowie wasserabweisende Reißverschlüsse sind genauso obligatorisch, wie die Polygienebehandlung, die vor schlechten Gerüchen schützt. Der BASE ist in zwei Farben und auch als
ANATOMISCH ANGEPASSTE DAMENVERSION mit 18 Liter Packvolumen erhältlich.

Das sagt die Skiinfo-Redaktion

Der Ortovox Base 20 wiegt mit kompletter Ausstattung 3310 Gramm, ohne Gaskartusche 2726 Gramm und ohne das eingebaute ABS-System 1309 Gramm - das ist im Vergleich mit anderen Herstellern nicht extrem leicht, aber im Vergleich mit größeren Modellen natürlich ein deutlicher Fortschritt. Vor allem für Freerider und Tagesskitourengeher ist das Modell interessant, denn zum einen steht das Gesamtgewicht in einem mehr als akzeptablen Verhältnis zum Tragekomfort und den Features, zum anderen ist man mit dem Base 20 extrem flexibel: Lässt die Schnee- und Lawinensituation es zu, kann man nämlich das Airbag-System relativ einfach und schnell ein- und ausbauen. Das System nennt Ortovox "M.A.S.S." (Modular Airbag Safety System). Für den Ein- und Ausbau der Auslöseeinheit braucht man am Anfang ein paar Minuten, hat man die Handgriffe aber einstudiert, ist das ABS-System in etwas mehr als einer Minute ausgebaut oder wieder integriert.

Auf unserer Tour ins Alpbachtal im April 2014 konnten wir zum Ende des Winters den Base 20 ausgiebig tragen - und waren vom Gesamteindruck des Modells absolut überzeugt. Der Rucksack bietet zwar mit eingebauten Airbag-System "nur" gemessene 12,7 Liter Volumen, hat aber dafür auch insgesamt kleine und kompakte Ausmaße. Der Platz neben dem ABS-System ist natürlich recht klein, aber nicht so klein wie voher erwartet - die Integration des ABS-Systems ist Ortovox wirklich gut gelungen. Felle (separat im Frontfach) finden ebenso Platz wie eine kleine Schaufel + Sonde. Im Hauptfach bleibt genug Raum für leichte Verpflegung, eine Überzieh-Jacke oder andere Wechselklamotten. Und das Gute dabei: Der Base 20 wirkt beim Fahren nicht als großer Ballast und störendes Elemen, sondern behindert kaum.

Trotz des im Vergleich mit einem Standardrucksack relativ hohen Gewichts - ein normaler Tagesrucksack wiegt maximal 1,5 Kilogramm, oft sogar unter einem Kilo - trägt sich der Base 20 sehr bequem. Er ist eng anliegend, verfügt über sehr breite und gut gepolsterte Schulterriemen. Die Rückenpartie ist mit sechs dicken Polsterungen versehen, auf denen der Rucksack am Rücken aufliegt. Es fühlt sich gut an am Rücken und durch die wenigen, aber nicht unbequemen Auflagepunkte bekommt der Rücken zudem etwas Luft zum "Atmen", was im Aufstieg Gold wert sein kann. Insgesamt ist der Rucksack steif und stabil, gleicht dieses aber durch weiche Materialien am Körper sowie eine ergonomische Konstruktion aus. Die Schulterriemen sind wie bereits angedeutet angenehm breit und gepolstert, der Hüftgurt eher hart. Er ist wenig gepolstert und mit einer stabilen Schnalle und einem Sicherheitsverschluss versehen. Hier entdeckten wir den einzigen kleinen Schwachpunkt des Base 20, so die Meinung unserer Tester: Man bekommt den Verschluss mit Handschuhen schlecht auf und auch ohne Handschuhe ist es etwas fummelig. Unsere Testträger waren der Meinung, dass man die Bedienungsfreundlichkeit des Verschlusses noch optimieren kann. Da der Hüftgurt im Fall eines Lawinenunfalls aber unbedingt geschlossen bleiben muss, damit man den Rucksack nicht verliert, ist ein funktionierendes Sicherheitsfeature hier natürlich absolut notwendig.

Neben einem hohen Tragekomfort und einer überraschenden Bedienungsfreundlichkeit des Airbag-Systems (zur Aktivierung des System braucht man eigentlich nicht viel mehr tun als die Kartusche einzudrehen, den Reißverschluss zu schließen und den Auslösegriff zu montieren), überzeugte uns der Base 20 mit sinnvollen Features: Die Ski-Montage am Rucksack gelingt sehr einfach und kann überkreuz oder einseitig passieren, die Fronttasche ist mit einer zusätzlichen Netztasche mit Reißverschluss ausgestattet, das Hauptfach bietet zwei Schlaufen für die Fixierung der Schaufel und auch hier findet sich eine Netztasche mit Reißverschluss, oben am Rucksack gibt es eine kleine Tasche für Schlüssel oder anderes Kleinzeug (bei eingebauten M.A.S.S. ist diese allerdings sehr klein).

Fazit: Sicherheit, Tragekomfort, Bedienung und Einsatzmöglichkeiten des Base 20 überzeugten uns. Wir fanden nur Kleinigkeiten, die wir vielleicht etwas anders konstruiert hätten, insgesamt aber kann man vor allem an der Integration des M.A.S.S. und der absolut einfachen Handhabung des Systems nichts kritisieren. Einziges Manko: Umsonst ist der Base 20 natürlich nicht. Komplett mit M.A.S.S. wird er für 679 Euro (UVP) ab Herbst 2014 in den Läden stehen. Besitzt man bereits ein M.A.S.S., kann man der Rucksack für 174,95 Euro ohne dieses erstehen. Will man eine Kartusche nachfüllen lassen, muss diese über den Handel an ABS geschickt werden - nicht gerade günstig das Ganze. Doch klar ist auch: Im Notfall kann ein Lawinenairbag-Rucksack Leben retten.