Arosa wartete zuletzt für Skifans mit Neuigkeiten auf: Der Zusammenschluss mit Lenzerheide erweitert das bekannte Schweizer Skigebiet beträchtlich. Das kann man als Zeichen eines Trends zu mehr Größe werten. Doch dieser Trend spielte bei der Fachtagung theAlps 2014 in Arosa keine Rolle. Wie groß Gebiete auch immer sind - es müssen zunächst Gäste her!

Die Touristiker bei theALPS waren vor allem daran interessiert, generell mehr Menschen für einen Urlaub in den Alpen zu gewinnen. Statt Schlange stehen am Strand sollen die Berge neue Besucherströme anlocken - und genau das hat zuletzt nicht ideal funktioniert - der alpine Tourismus wächst weit weniger stark als andere Sparten. Warum?

 

Customer Journey im Visier
Vielleicht, weil die Ansprache der Urlauber oft nicht mehr zeitgemäß ist. Customer Journey nennen Marketing-Experten den Kreislauf, den Urlauber vor, während und nach der Buchung eines Urlaubs durchlaufen. Sie identifizieren ein Reiseziel, buchen es später, freuen sich vor Urlaubsantritt, sind während des Urlaubs womöglich aktive Botschafter in sozialen Netzwerken und reflektieren danach ihre Erfahrung - bis sie wieder den nächsten Urlaub zu planen beginnen. Idealerweise als Stammkunde in die gleiche Destination, dann hätte diese alles richtig gemacht.

In Arosa ging es nun darum, den Alpenraum stärker in das Bewusstsein zu bringen, vor allem in frühen Planungsphasen - ohne dabei während des Aufenthaltes das Gasterlebnis zu vernachlässigen. Verschiedene Instanzen müssen ihre Marketingtools dabei aufeinander abstimmen. Hotels, Tourismusverbände und übergeordnete Instanzen wie Schweiz Tourismus oder die Tirol Werbung sollten in frühen Planungsphasen an einem Strang ziehen - und erst später als Konkurrenten um den Gast werben. Im Fokus steht immer der Urlauber. "Das Produkt muss dem Gast gefallen, nicht uns vor Ort", stellte Hans Jörg Trachsel fest, Regierungsrat des Gastgeber-Kantons Graubünden.

 

Die Zukunft wird digitaler
Und wo kommt der Urlauber her? "Der erste Eindruck geschieht online", fasste Jörg Schmid, Direktor der Schweiz Tourismus zusammen und ergänzt: "Wir wollen Reisebegehren auslösen!" Noch präziser wurde das Thema von Prof. Dr. Marcus Schögel durchleuchtet - er hat mit dem Marketinginstitut St. Gallen die Customer Journey im Tourismus analysiert. In seinen Statements fasste er die wichtigsten Trends zusammen. "Professionell verbunden" sollten die Alpentouristiker auftreten und dabei akzeptieren, dass Reisende sich eben auf anderen Seiten als den eigenen vor der Buchung schlau machen. Das Gros der Besucher von Destinations-Webseiten (wie etwa der von Arosa) besucht diese tatsächlich erst nach der Buchung, um den Aufenthalt im Detail zu planen. Online wird wachsen, soviel ist klar. Aber andere Werbeformen sterben deswegen nicht aus. Social Media ist perfekt geeignet, um die Euphorie der Gäste als Eigenwerbung zu nutzen - aber niemand kauft seinen Urlaub auf Facebook oder Twitter. Der richtige Einsatz der eigenen Mittel entscheidet über den Erfolg jedweder Kampagne.

Kurz: Wer den User nicht da erreicht, wo er ist, der wird künftig scheitern. Und wer ihn zum falschen Zeitpunkt anspricht, hat ihn vielleicht längst an Mallorca verloren. "Lust machen ist eine zentrale Aufgabe", fasste es Josef Margreiter, Chef der Tirol Werbung, zusammen und ergänzt: "Der Kunde möchte nicht immer etwas verkauft bekommen!" Richtig - denn solange der Gast noch nicht weiß, ob er ans Meer oder in die Berge möchte, ist ein direkter Kaufanreiz fehl am Platz.


Fünf Beispiele für moderne Gastansprache
Wie moderne Kommunikationsformen heute schon erfolgreich angewandt werden, konnte am Beispiel der fünf Nominierten für den theAlps Award gesehen werden. „Innovative digitale Marketingstrategien im Alpentourismus“ war das Motto. Gewonnen hat das Programm 'Rewild by GTA', dass über eine Art Spiel Erlebnisse in vier Nationalparks in Frankreich anbietet. Inzwischen hat sich dort eine echte Community entwickelt - junge Menschen erleben die Berge neu. Hoch gehandelt wurden auch Buchungshilfen. Mit Vee24 können Gäste einen Live-Videochat starten, um mehr Infos zu bekommen. In Mayrhofen steht ein Online-Hüttenbuchungstool für die Peter-Habeler-Runde parat, dass bequem Routen und Nächtigungen buchbar macht. Der Ferienshop in Davos Klosters ermöglicht ein Höchstmaß an Individualisierung bei der Online Buchung. Etwas weiter geht die Experience Jukebox von Valsugana Tourism im Trentin - hier können Gäste sich Erlebnisse für ihren Urlaub auswählen und sich damit ein Foto und Video-Tagebuch des Urlaubs zusammenstellen.

 

Und das Fazit: Die Berge pulsieren vor Möglichkeiten und Energien - und haben mit der Fachtagung theALPS einen Ort, ihre Kundenansprache noch professioneller zu gestalten. Profitieren wird davon der Skiurlauber, der auch online mehr Service, mehr Information und mehr Konfort erwarten darf. Und vielleicht auch ein bisschen mehr Erlebnis, gleich welcher Art. Freut euch darauf!