Ein Alptraum für jeden Skifahrer: Das Hotel ist lange gebucht, die Bretter sind gewachst - nur die grünen Hänge im Feriengebiet wollen und wollen nicht weiß werden. Oder der Schnee schmilzt in der Frühlingssonne bereits wieder. Weil die Winter immer wärmer werden, gerät die Quartierwahl zunehmend zur Schneelotterie. Doch ein bisschen kann man seinem Glück durchaus nachhelfen: Wir haben aus den Schneeberichten der vergangenen Jahre die sichersten Skireviere der Alpen zusammengestellt.

Ein watteweiß verpackter Kirchturm unterm Alpenhauptkamm und rundherum ein Dutzend Hotels: Das 1930 Meter hoch gelegene Dörfchen Obergurgl im hintersten Ötztal besitzt das schneesicherste Skigebiet der Alpen. Ganze 170 Tage surrten dort in den vergangenen Wintern durchschnittlich die Skilifte - von Mitte November bis zum ersten Maiwochenende. Das ergibt eine Auswertung der alpinen Schneeberichte der vergangenen zehn Jahre. Bedenkenlos buchen kann man danach auch in den österreichischen Pistenparadiesen von Ischgl mit 160 Tagen Liftbetrieb, Obertauern mit 162 Tagen und am Arlberg mit 155 Pistentagen.

Ähnliche Schneefixsterne hat die Schweiz mit ihren Nobelorten Zermatt (146 Pistentage), St. Moritz und Davos (je 145 Tage) sowie Saas-Fee (151 Tage) zu bieten. In Frankreich rangieren bei der Schneesicherheit ganz oben Tignes (155 Tage), Argentière bei Chamonix (145 Tage) und Val Thorens (162 Tage). In Italien ist das zollfreie Livigno mit 152 Pistentagen Spitze in Sachen Schneesicherheit. Es folgen das kleine Madesimo am Splügenpass (150 Tage) sowie die Südtiroler Gebiete Rotwand/Sexten und Kronplatz (je 148 Tage).

Skiurlauber auf der Suche nach einem kleineren, familiären Ort mit viel Schnee werden auch in Tirol fündig: im Kühtai ebenso wie auf der Axamer Lizum bei Innsbruck (je 140 Tage) und im preisgünstigen Defereggental in Osttirol, wo im Schnitt der vergangenen Jahre sogar 142 Tage Pistenfreuden möglich waren. In Südtirol empfiehlt sich das Bergsteigerdorf Sulden mit 145 Skitagen pro Jahr, in der Schweiz Andermatt und das kinderfreundliche Grächen (je 140 Tage).

Die Auswertung der Schneeberichte der vergangenen Jahre macht deutlich: Wirkliche Schneesicherheit gibt es erst ab 1800, in klimatischen Ausnahmefällen ab 1400 Metern Seehöhe. Da können auch Schneekanonen nicht zaubern. Selbst mit ihrer Hilfe sind Garmisch-Partenkirchen (120 Tage) und Kitzbühel (125 Tage) keine Osterwinterziele geworden. Und in Südtirol hat man außerhalb des Hochwinters regelmäßig das zweifelhafte Vergnügen, auf einem weißen Band über die grünen Almen zu fahren.

Ohne die verstärkt aufgestellten Beschneiungsanlagen sähe es in den kleineren deutschen Gebieten wintersportlich sowieso schlecht aus. Die Tiroler Enklave Jungholz im Allgäu, die Skischaukel Ofterschwang-Gunzesried und das Zweiländergebiet Oberstdorf/Kleinwalsertal schaffen mit ihrer Hilfe immerhin je 120 Lifttage von Mitte Dezember bis Mitte April. Meist noch eine Woche länger sind die Lifte im Allgäuer "Schneeloch" Obermaiselstein/Grasgehren geöffnet. Und am Nebelhorn über Oberstdorf werden die Pisten traditionell erst Anfang Mai geschlossen.

Vergleichsweise gut mithalten können dank der künstlichen Frau Holle inzwischen auch einige Mittelgebirgsregionen. Der Arber im Bayerischen Wald und der Feldberg im Schwarzwald hatten zuletzt regelmäßig 120 Tage Liftbetrieb, sogar das Sauerland kam auf 110 Tage.

Der Tipp für ganz vorsichtige Planer sind natürlich die rund 20 Gletscherskigebiete in den Alpen: In Hintertux, am Stubaier Gletscher und am Rettenbachferner bei Sölden, am Theodulgletscher über Zermatt oder im Schnalstal in Südtirol wedeln die Unermüdlichen auch im Mai über den sonnenglitzernden Firn. Ein Vergnügen ist das freilich auch nicht immer: Im Dezember kann es da oben grimmig kalt werden, und bei Schlechtwetter bleibt man besser gleich im Tal.