In den letzten Jahren ist das Thema Kompression in der Sportwissenschaft viel diskutiert worden. Auch beim Skifahren ist Kompressionskleidung mittlerweile weit verbreitet, nicht umsonst ist zum Beispiel die Firma CEP, von denen wir vor der Wintersaison 14/15 ein Paar Kompressionssocken auf dem Pitztaler Gletscher testen konnten, Ausrüster des Deutschen Skiverbandes. Die Weltcup-Athleten setzen allesamt auf Kompressionskleidung, von den Füßen bis zum Oberkörper. Was ist also dran am Thema Kompression, was bewirkt sie? Wir haben einen der führenden Experten auf diesem Gebiet gefragt. Prof. Dr. Helmut Lötzerich ist stellvertretender Institutsleiter am Institut für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln und Experte auf dem Thema der Kompression. Was sagt der Fachmann: Machen Kompressionssocken beim Skifahren Sinn?

Der Grundgedanke der Kompression

Im Jahr 2003 hat Paula Radcliffe die Kompressionsstrümpfe in den Ausdauersport getragen und lief beim Londoner Marathon zur Weltrekordzeit. Doch was steckt eigentlich hinter dem Prinzip der Kompression? „Der Grundgedanke der Kompression ist die bessere Leistungsfähigkeit und eine verbesserte Regeneration. Grundlagenstudien zeigen, dass die Funktion der Muskelpumpe verbessert wird“, erklärt Prof. Dr. Lötzerich. „In der Regeneration verweisen Untersuchungen auf das bessere Gefühl und weniger Schmerzen bzw. Muskelkater nach anstrengenden Belastungen“, so der Experte.

Positive Auswirkungen vor allem für die Regeneration

Sind Kompressionsstrümpfe also auch für Skifahrer praktisch? Wenn ja, wann sollte man sie tragen? „Während des Skilaufens steht wahrscheinlich die Verringerung der Muskelvibrationen im Vordergrund“, sagt Prof. Dr. Lötzerich. Logisch: Komprimierende Socken stabilisieren die Muskulatur zusätzlich und helfen dabei, die ständigen Schläge und Muskelbewegungen zu verkraften. Auch eine Verbesserung der Wahrnehmung der Muskeln und der Bewegung, die sogenannte Tiefensensibilität oder Propriozeption wird unter Sportwissenschaftlern diskutiert. „Viel gute Skifahrer und Skispringer tragen die Strümpfe im Wettkampf“, so Lötzerich. Eine klare Aussage trifft auch Priv.-Doz. Dr. Bernd Wolfarth, leitender Verbandsarzt des DSV: "Die durchblutungssteigernde Wirkung hat einen positiven Einfluss, insbesondere auf die Regeneration, und kann zusätzlich durch die Stütz- und Kompressionsfunktion präventiv Verletzungen entgegenwirken.“ Studien gebe es dazu zwar keine, so Prof. Lötzerich von der Sporthochschule Köln, doch einige Erfahrungsberichte von Athleten mit Verletzungen. Und wie sieht es nach dem Skifahren aus, wann genau macht es Sinn, komprimierende Strümpfe zu tragen? „Kompression macht während des Skitages genauso viel Sinn wie abends nach dem Duschen oder beim Abendessen. Besonders, wenn man beim Aprés-Ski noch lange an einer Theke steht oder in der Disko tanzt. Man sollte es mal selbst ausprobieren und sich dann sein eigenes Urteil bilden.“

CEP Merino Skisocken im Skiinfo-Check

Wie genau das mit der Kompression funktioniert, konnten wir bei unserer Testtour mit den neuen CEP Merino Skisocken selbst ausprobieren. Interessant: Unterschieden wird beim Kauf nicht zwischen unterschiedlichen Fuß-/Schuhgrößen, sondern man muss im Onlineshop von CEP eine Größe zwischen II und V angeben – und diese Größe ermittelt man anhand des eigenen Wadenumfanges. 50 Euro muss man für ein Paar Skisocken hinblättern, das ist natürlich kein Pappenstiel. Aber wir finden: Es lohnt sich! Die Socken wirken zunächst nicht besonders dick, durch eine Kombination von Merino-Wolle, Polyamid, Hightech Elastan und einem fest gestrickten Garn sind sie aber wärmend und gleichzeitig mit einer guten Atmungsaktivität ausgestattet. Bei richtig kalten Temperaturen unter -10 Grad  Celsius würden wir wahrscheinlich zu dickeren Socken greifen, aber alles darüber sollte für die Merino-Socken von CEP kein Problem sein.

Hatten sich unsere beiden Tester einmal in die engen Socken (es sind ja Kompressionsstrümpfe) hineingezwängt, was natürlich etwas mühsamer als bei „normalen“ Skisocken ist, saßen sie wie eine zweite Haut. Und das Beste: Obwohl unsere beiden Testtage am Pitztaler Gletscher die ersten Skitage der Saison 14/15 waren, hielten sich die muskulären Beschwerden absolut in Grenzen. Ob das tatsächlich an den Socken lag, das lässt sich natürlich nicht abschließend sagen. Aber: Eine starke Kompression am Fuß, die nach oben zur Wade hin abnimmt, spürt man auf jeden Fall. Und das soll auch so sein, wie Prof. Dr. Lötzerich bestätigt: „Die Kompression der Strümpfe nimmt gezielt von Knöchel zum Knie hin ab, sonst wird der Effekt verfehlt.“ Das dennoch der Tragekomfort, der für den Otto-Normal-Skifahrer natürlich sehr wichtig ist, nicht leidet, war eine positive Erkenntnis des Tests. Natürlich spürt man die Kompression, doch hat man die Socken eine Weile an, gewöhnt man sich daran. Es ist nicht die absolute Wohlfühlsocke, aber das kann sie als komprimierender Strumpf auch nicht sein. Wir empfehlen die anatomisch angepassten und mit Polsterzonen ausgestatteten Socken auf jeden Fall für alle, die nach oder während des Skifahrens Probleme mit Schmerzen an den Füßen haben, die die Regeneration der Beine nach dem Skifahren fördern wollen oder einfach nach einer sportlichen Skisocke suchen, mit der man in Bezug auf Tragekomfort und Leistung keine Kompromisse eingehen muss.