Gut vier Millionen sportbegeisterte Deutsche wagen sich jedes Jahr auf die Bretter. Leider ist die Unfallgefahr beim Skisport immer noch sehr hoch. Ob nun aufgrund fehlender Erfahrung, falscher Technik oder falsch gewähltem Material: Wer beim Skifahren zu Fall kommt, riskiert nicht nur seine Gesundheit, sondern leider auch immer wieder sein Leben. Immerhin 42.000 Skifahrer verletzen sich nach Informationen des Kuratoriums Gutes Sehen jedes Jahr, wobei knapp die Hälfte der Unfälle auf schlecht gewähltes Sichtmaterial oder Wahrnehmungsfehler zurückzuführen sind.

Eine markant hohe Ziffer. Doch nicht nur die gewählten Skibrillen der normalsehenden Skifahrer führen zu Problemen. Immer noch fahren 33 Prozent der alpinen Freizeitskifahrer ohne ausreichende Korrektur ihrer Sichtstärke. Gründe dafür können sowohl auf eine Unkenntnis über den Zusammenhang von schlechter Sicht und Unfällen als auch über die eigene Fehlsichtigkeit oder die Annahme, dass die angewendete Brille zu Bruch geht, zurückzuführen sein. Umso wichtiger ist es, über die Relevanz von Wintersportbrillen, Sehkorrektionen und deren Funktionen, aufzuklären.

Der Reiz der Berge

Gern wird vor allem von Reiseveranstaltern und Hotels mit einem außerordentlichen Bergpanorama geworben, das man in jedem Fall gesehen haben muss. Der Anblick der Berge, sonnendurchflutet und mit glitzerndem Schnee, ist für viele das Highlight ihres Winterurlaubs. Doch genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Das alpine Skifahren stellt beachtliche Ansprüche an das Sehvermögen des Fahrers. Nicht nur erhöhte UV-Strahlung und fade Sichtbedingungen beeinflussen die Wahrnehmung des Skifahrers. Auch Faktoren wie eintretender Wind, Schneefall, Nebel und Kälte können von der Natur beeinflusste Aspekte sein, die das Sehvermögen einschränken.

Eisflächen sowie Bodenwellen könnten erst zu spät erblickt werden, reflektierender Schnee blendet bei falscher Brillenwahl die Sicht. Die hinzukommende, hohe Geschwindigkeit bei alpinen Abfahrten und ein schneller Wechsel von Schatten und Licht verschlimmert die Situation. Andere Pistenteilnehmer werden oft gänzlich übersehen, schwere Unfälle können die Folge sein.

Der Charakter einer guten Wintersportbrille

Wer bei der Sicht keine Kompromisse eingehen will, akzeptiert bei der Wintersportbrille nur die beste Qualität. Wodurch zeichnet sich also eine besonders gute und bequeme Skisportbrille aus? Und wodurch wird sie pistentauglich? An erster Stelle steht natürlich eine unverzerrte, klare und zugleich ausreichende Sicht, wobei auf hochwertige Scheiben beim Brillenkauf geachtet werden sollte. Des Weiteren ist ein korrekter Sitz, auch in Kombination mit dem Schutzhelm, unabdingbar. Damit die Brille bei Unfällen nicht selbst zum Verletzungsrisiko beiträgt, ist auch ein bruchsicheres Material von hoher Haltbarkeit unbedingt erforderlich. Um insbesondere auf kontrastarmen Raum und Lichteinflutung vorbereitet zu sein, gibt es Brillen in verschiedenen Blendschutzkategorien, wobei in der geringsten knapp null bis 20 Prozent, in der höchsten 92 bis 97 Prozent des Sonnenlichts aufgenommen werden.

Blendschutzinformationen sind meist am Bügel der Brille oder den Informationen angegeben. Sie sind ein wichtiger Aspekt, den man beim Kauf beachten sollte. Außerdem sind für verschiedene Verhältnisse verschiedene Tönungen ratsam. So steht grau für eine sonnige, natürliche Wiedergabe des Lichts. Orange steht für Schneefall, Wind, eine Aufhellung und Kontrastverstärkung der Umgebung. Rötliche Brillen sorgen für eine leichte Aufhellung und sind auch bei starker Sonneneinstrahlung tragbar. Gelbe Brillen helfen bei schlechtem Wetter oder Dämmerung, sie hellen die Umgebung stark auf.

Sogenannte Blauabschwächer oder "Blueattenuatoren" können dabei die Wahrnehmung deutlich verbessern und bei ungünstigen Sichtverhältnissen behilflich sein. Sie sind im gelblich-orangen Farbsegment zu finden. Blueblocker hingegen nehmen dem Licht den gesamten Blauanteil und erschweren so das Sehen in Randbereichen. Sie hemmen das Gleichgewichtsempfinden und sollten niemals ein Thema im Skisport sein. Beachten sollte man ebenfalls, dass die Tönung der Brille niemals etwas über vorhandenen UV-Schutz aussagt, sondern dieser einzeln verifiziert ist. Zu achten ist hier auf die UV400-Kennzeichnung auf der Bügelinnenseite. Sie garantiert den vollständigen UV-Schutz der Skibrille, der für die Augen eines alpinen Skifahrers enorm wichtig sein kann. Am Berg herrscht bei einer jeweiligen Veränderung um 1000 Meter aufwärts bis zu 15 Prozent mehr Sonneneinstrahlung. Schnee reflektiert Sonneneinstrahlung um bis  zu 95 Prozent. In Hochgebirgen muss ein hundertprozentiger UV-Schutz also Standard sein.

Auswahl der Wintersportbrillen

Es existieren mehrere Möglichkeiten, Gebrauch von Blendschutzfunktionen bei verschiedenartigen Sichtverhältnissen zu machen. Eine davon wäre das Wechseln der Gläser bei Veränderung der Wetterlage oder Sicht. Diese Funktionalität wird allerdings bereits durch moderne "phototrope" Gläser übermalt, die einen Scheibenwechsel überflüssig machen, da sie ihren Blendschutz selbständig über zwei Helligkeitsstufen verändern können. Dies kann allerdings einige Zeit dauern.

Die dritte Möglichkeit sind Neuheiten des Marktes für Blendschutz, die statt der phototropen Technik einen Verhältnis-Wechsel auf Knopfdruck anbieten. So kann Scheibenfarbe und Lichtdurchlässigkeit binnen Sekunden und sogar mit Handschuhen geändert werden. Bei automatischer Lichtregelung durch die Brille, werden auch schnelle Licht-Schatten-Wechsel schnell und sicher abgefangen.

Qualität und Passung als höchstes Gut

Die Qualität einer Skibrille sagt Vieles über die Gefahr einer Verletzung aus. Denn je bedachter das Material gewählt ist, umso mehr verringert sich die Bedrohung eines Unfalls auf der Piste. Annäherungsweise 160 Grad sollte das Sichtfeld betragen, wobei die Gläser geschwungen und groß sein müssen. Empfehlenswert ist die Wahl der optischen Klasse 1, die bei Qualitätsskibrillen gängig ist.

Wintersportbrillen sind heute nicht mehr nur Sichtverbesserer, sie sind wahre Allround-Talente: Nicht nur phototrope Gläser verbessern den Tragekomfort, auch die Beschichtungen und die Verarbeitung haben sich weiter verbessert. Eine Hartschicht- und Hydrophobverglasung verhindert das Auftreten von Kratzern und lässt wässerne Stoffe abperlen. Durch eine beidseitige Entspiegelung wird die Spiegelung von Licht minimiert. Das sogenannte "Antifog-System" verhindert ein Beschlagen der Gläser.

Deswegen baut der Hersteller Öffnungen, luftdurchlässigen Schaumstoff oder kleine Ventilatoren im Gehäuse ein, die als wichtigster Schutz vor dem Beschlagen der Scheiben gelten.

Wer eine Skibrille erwerben will, der sollte immer auf die genaue Passform achten. Besonders wichtig ist hierbei, die Festigkeit der Brille zu überprüfen. Sie muss das Gesicht sicher umschließen, darf aber nicht zu eng sitzen, da ansonsten keine Luftzirkulation herrscht, die das Beschlagen der Gläser verhindert.

Weiche Schaumstoff- und Fleece-Schichten sollten den Tragekomfort um ein Vielfaches erhöhen. Rutschen darf die Brille jedoch trotzdem nicht. Daher sollten besonders noppenartige Gripverfestigungen an den Bügeln für einen festen Sitz sorgen. Die Brille muss stufenlos verstellbar und mit austauschbaren Gummibändern ausgestattet sein. Das Wichtigste ist jedoch eine individuelle Verstellbarkeit, die sowohl an den Nasenstegen als auch am Kopfband, den Bügeln und an der Neigung der Gläser durchgeführt werden kann.

Tragen einer Skibrille mit Sehkorrektion für Wintersportler

Fehlsichtigkeit kann schon unter Alltagsbedingungen umständlich sein. Doch wie soll man im Sport damit umgehen? Insbesondere dann, wenn bei einer Sportart wie dem alpinen Skifahren spezielle Wintersportbrillen empfohlen werden?

Verschiedene Sehkorrektionen machen den Skisport trotz Fehlsichtigkeit erlebbar. Die erste Möglichkeit findet sich in der Direktverglasung. Dabei wird in einem realisierbaren Bereich von minus vier bis plus vier Dioptrien eine Einarbeitung der benötigten Sehstärke in die Verglasung der Skibrille durchgeführt.

Im zweiten Fall spricht man von einer Adapterverglasung, wenn die Originalgläser der Brille gegen Sehstärke-Gläser ausgetauscht werden. Die adaptierte Verglasung wird solchen Skifahrern empfohlen, in denen häufiger zwischen Brille und Kontaktlinse gewechselt wird. Der Korrekturbereich liegt hier zwischen minus fünf und plus vier Dioptrien. 

Die dritte Option sind Clip-In-Systeme oder auch Clip-In-Adapter, bei denen die Sehstärkengläser einfach hinter die Originalverglasung der Brille "geclipt" werden. Sinnvoll wird diese dritte Art, wenn sich die Sehstärke häufig ändert oder auch Kontaktlinsen getragen werden. Eine Korrektur von minus zehn bis plus acht Dioptrien ist umsetzbar.

Die letzte und kostengünstigste Variante nennt sich OTG-Maskenbrille. Hierbei wird der meist große Innenraum der Sportbrille genutzt, um die Alltagsbrille hinter der Originalverglasung tragen zu können (OTG = "over the glasses"). Aber Vorsicht, diese Modulation erhöht die Verletzungsgefahr und schränkt sowohl das Sichtfeld als auch den Tragekomfort ein.

Eine andere Art mit dem Umstand der Sehverstärkung umzugehen ist, Eintages-Kontaktlinsen unter der normalen Wintersportbrille zu tragen. Diese ersetzen die Alltagsbrille, sind komfortabel und ermöglichen das normale Verwenden einer Skibrille. Wer sich allerdings für diese Möglichkeit entscheidet, sollte vor Beginn der Skisaison eine Eingewöhnungszeit mit den Kontaktlinsen verbringen. Ansonsten ist eine schnelle Gewöhnung auf der Piste nur ein weiterer Risikofaktor. Wer sich übrigens nicht über seine Fehlsichtigkeit im Klaren ist, kann Online einen ersten Seh-Check durchführen oder eine Prüfung beim Augenarzt vorziehen. Ab dem 40. Lebensjahr sorgen Sehtests alle zwei Jahre nicht nur für Sicherheit auf den Skipisten, sondern auch im Straßenverkehr, etc..

Verschiedene Wintersportbrillen, für verschiedene Wintersportarten

1. Alpin-Skifahrer

- großes Sichtfeld (mindestens 160 Grad) bevorzugt

- Brille muss rutschfest, aber atmungsaktiv sitzen

- Helm und Brille sollten komfortabel und symbiotisch sitzen

2. Langläufer

- gute Belüftung, aufgrund von höherer Anstrengung

- Leichte Brillen bevorzugen

3. Bergwanderer und Alpinkletterer

- Nasenschutz und Rundumpolster beachten

- wenn möglich, Brillen mit Lederklappen, zum Schutz vor seitlich eindringender Sonne und Wind

- gute Belüftung und stabiles Halteband

 

Weitere Informationen findet ihr hier: www.sehen.de