Die Schweizer Nationalbank (SNB) kann stolz sein: Als sie überraschend den Franken freigab, war ihr ein echter Coup gelungen. Nicht einmal die cleversten Währungsspekulanten hatten von der Absicht der SNB Wind bekommen, den Schweizer Franken nicht mehr durch Währungsaufkäufe auf einem Kursniveau von 1,20 Euro zu halten. Die drastische Abwertung des Euro freut seitdem zwar die Schweizer Verbraucher, für die Europa sehr günstig geworden ist. Die Schweizer Wirtschaft jedoch ist immer noch geschockt. Denn nicht nur Exporte verteuern sich, auch Urlauber müssen für einen Aufenthalt im Alpenstaat rund 20 Prozent mehr hinblättern.

Das Leiden der Hoteliers: Auf einen Schlag deutliche Preiszuschläge

Empört reagierte der Hotelier Thomas Frei vom Wanderhotel Bernerhof in Gstaad. Über Twitter machte er seinem Ärger Luft: "Liebe Nationalbank, herzlichen Dank, dass Du Ferien in der Schweiz von einer auf die andere Minute um 30 Prozent verteuert hast." Doch damit nicht genug, zugleich bot Frei medienwirksam sein Hotel (scheinbar) zum Verkauf an und setzte auf seine Website in die obere rechte Ecke einen Button mit dem Motto "Gstaad geschenkt". Wer draufklickt, erfährt: "Sie dürfen uns gern glauben: Auch wir wären manchmal froh, wenn Gstaad in Österreich läge."

Vermutlich wären viele Schweizer Hoteliers, Wirte und Bergbahnbetreiber zurzeit froh, wenn ihre Häuser nicht in der teuren Schweizer-Franken-Zone liegen würden. Denn ein Glas Bier für fast sechs Euro oder ein Wiener Schnitzel für mehr als 30 Euro kann sich längst nicht mehr jeder ausländische Gast leisten. Noch mehr ins Gewicht fällt, dass die Schweiz vor allem im Winter mit den Nachbarländern konkurriert. Skiurlaub in Österreich, Frankreich und Deutschland ist einfach preiswerter. "Die alpinen Regionen sind vom teuren Franken mehr betroffen als die Stadthotellerie, weil sie vom Ferientourismus stärker abhängig sind", weiß der Schweizer Hotelverband Hotelleriesuisse. Während es der Organisation zufolge bis dato wenige Absagen für die laufende Wintersaison gab, fürchtet man, dass die Währungslage vor allem Spontanurlauber abschreckt. Bleibt der Franken so stark, dann bangt das Schweizer Gastgewerbe aber vor allem um das Geschäft im Sommer und im nächsten Winter.

Besucherrückgang bereits vor Freigabe des Franken

Bereits das vergangene Jahr verlief äußerst durchwachsen. Vor allem für die deutsche Mittelschicht war die Schweiz schon immer ein teurer Spaß. Mit 1,68 Millionen ging die Zahl der deutschen Urlauber 2014, also lange vor der Frankenaufwertung, bereits um 2,7 Prozent zurück. Auch die ausgabefreudigeren russischen Gäste blieben wegen des schwachen Rubels weg. In diesem Jahr sieht es nicht viel besser aus. "Wir rechnen mit einem Rückgang aus den europäischen Quellmärkten", sagt Jörg Peter Krebs, Deutschland-Direktor von Schweiz Tourismus.

Um sich gegen eine drohende Besucherflaute zu stemmen, greift die Schweizer Touristik zu den Mitteln der festen Wechselkurse, Währungsrabatte und Mehrwertangebote. So bleibt für das grenzübergreifende Skigebiet Samnaun/Ischgl der Euro die tonangebende Währung. Die Tageskarte kostet unverändert 45 Euro. Darüber hinaus bieten viele Hotels und Läden einen Vorzugkurs von 1,10 Schweizer Franken an sowie einen Rabatt auf ihre Leistungen von zehn Prozent. Dieselbe fixe Rate von 1,10 Franken pro Euro offerieren auch die Bergbahnen der Skiregion Flumserberg.

Günstigere Wechselkurse als Zugpferd?

Einen günstigeren Vorzugskurs von 1,20 Franken gibt es bei den Liftbetreibern und Hoteliers von Blatten-Belalp. Allerdings ist er begrenzt auf die Zeit vom 7. März bis zum 10. April 2015. Vom Wechselkurs unabhängig bietet Obersaxen in Graubünden seine Tageskarte zum Preis von 47 Euro an. Vom 7. März bis zum 12. April reagiert auch Grächen im Wallis mit der Aktion "Grächen Euro 1,35" auf den teuren Franken. Zum sehr vorteilhaften Kurs von 1,35 Euro können Gäste Unterkünfte, Skipässe, Restaurants und Geschäfte bezahlen.

Auf Rabatt setzt der kleine Wintersportort Amden in der Ostschweiz. Bis zum 8. März gibt es 20 Prozent Nachlass auf die Mehrtageskarten der Sportbahnen Amden und 10 Prozent auf die Wochenpauschalen der örtlichen Skischule. Wer in Verbier zehn Tage vor Ankunft seinen Aufenthalt bucht, spart 15 Prozent bei Ferienwohnungen und Chalets, 15 Prozent bei der Sportgerätmiete und bei Sportartikeln sowie fünf Prozent beim Skipass. Preissenkungen von 15 Prozent gewährt auch das grenzüberschreitende Skigebiet Les Portes-du-Soleil.

Angebote auch in St. Moritz und Arosa

Klassischen Mehrwert bietet die Stadt Chur zusammen mit dem Bernina Express. Drei Nächte in einem Hotel schlafen, aber nur zwei bezahlen, und dazu eine Fahrt mit dem berühmter Alpenzug in der ersten Klasse gibt es ab 265 Schweizer Franken (250 Euro) pro Person. Arosa setzt dagegen auf Familien. Ab einem Aufenthalt von zwei Nächten in einem der teilnehmenden Hotels oder Ferienunterkünfte nehmen Kinder bis zu 17 Jahre kostenlos am Skikurs teil. Selbst der noble Skiort St. Moritz bemüht sich um Normalverdiener mit folgendem Angebot: Ebenfalls ab zwei Nächten in einem Hotel in St. Moritz kommt der Gast in den Genuss der vergünstigten Tageskarte von 35 Schweizer Franken. Und nicht nur das, er darf damit auch noch im ganzen Oberengadin die öffentlichen Verkehrsmittel gratis nutzen.

Weitere Informationen:
www.myswitzerland.com/de-de/preiswerte-schweiz.html