Im Winter 2015/2016 wird das Freeriden wie schon in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewinnen. Und das ist auch der Grund, warum Allmountain- und Offpiste-Ski derzeit die Verkaufsschlager sind. Nicht nur die großen Marktführer unter den Skiherstellern haben den Trend des Skifahrens abseits gesicherter Wege erkannt und bringen immer neue, noch breitere und noch technologisiertere Modelle heraus. Besonders kleinere "Nischenhersteller" profitieren vom Trend "Freeriden" und können mit ihren Produkten zahlreiche Käufer überzeugen. Doch können ihre Ski tatsächlich mit den großen Brands mithalten? Oder sind sie vielleicht sogar besser? Wir haben auf einer Testtour am Ende des Winters 14/15 zwei Freeride-Ski probegefahren: den Black Crows Atris mit einer Breite von 108mm unter der Bindung und den neuen 4FRNT Kye 110, das Pro-Model der US-Ski-Schmiede von Kye Petersen. Schon vorab kann man sagen: Die beiden Modelle fahren sich völlig unterschiedlich!

Das sagen die Hersteller

BLACK CROWS ATRIS

Nach dem Erfolg des Nocta präsentieren wir mit dem Atris einen neuen bidirektionalen Ski der Freestyle-Backcountry-/Freeride-Linie. Er ist in vier Größen erhältlich, hat eine 108-mm-Taille und einen Schwungradius von 18 Metern. Das sind starke Argumente! Der Atris ist sehr leicht zu fahren und wie alle Ski von Black Crows auch sehr verspielt. Er fährt auf Hartschnee ebenso gut wie in rauem, anspruchsvollem Gelände.

Der Ski wurde von Julien Regnier entwickelt und hat einige technische Besonderheiten: Sein Double-Rocker bietet einen reaktionsschnellen Drehpunkt und eine sehr gute Stabilität, wenn er auf der Kante gefahren wird.

Die erhöhten Skienden bestehen aus drei unterschiedlichen Schichten, was zu großer Konstanz bei geschnittenen Schwüngen und dem idealen Drehpunkt beiträgt. Daher ist er ein Ski, der auch bei niedrigen Geschwindigkeiten alles gibt.

Der Atris ist ein moderner Ski mit zwei Gesichtern: Verspielt und zugleich tough. Er fährt sich perfekt bei hohem und niedrigem Tempo, in allen Richtungen, selbst aufwärts... Er freut sich über alle Schneebedingungen und passt nicht nur zu erfahrenen Skifahrern, die performen wollen, sondern auch zu denen, die mit einem bidirektionalen Motor auf 108 mm die puren Freuden des Freeridens genießen wollen.

4FRNT KYE 110

The KYE 110 provides maximum versatility. A scaled down tail rocker and camber underfoot make the KYE 110 a highly stable one-ski quiver. The 110 is stiffer than the 120 providing stability and confidence in big mountain descents as well as spring crud conditions around the resort. In three lengths, 188, 181, and 174, there’s a KYE 110 that’s right for you.

Technology: VibeVeil™
Construction: Semi-Cap
Sidewall: ABS
Camber Profile: Camber with Rocker
Core Laminate: Hi-Lite
Core Ingredients: Poplar & Beech
Base Materials: Sintered Carbon

Eignung: Groomers 8 (von 10), Powder 10 (von 10), Park 5 (von 10), Halfpipe 1 (von 10), All Mountain 9 (von 10), Touring (8 von 10)

Das sagt die Skiinfo-Redaktion

Black Crows Atris: Der Atris von Black Crows hat uns im Test absolut begeistert. Alle Tester waren sich einig: ein toller Ski, der alles mitbringt, was ein vielseitiger Freeride-Ski können muss. Er ist sehr stabil und laufruhig, dank des Double Rockers aber dennoch angenehm verspielt und in langen und kurzen Schwüngen gut zu beherrschen. Lange Carving-Schwünge auf der Piste funktionieren dank eines ganz leichten Cambers und dem 18m-Radius (bei 184cm Länge) ebenso wie kürzere Schwünge im steilen Gelände. Im Powder hat der Atris nicht besten Auftrieb, hier sehen wir den 4FRNT Kye vorn, aber er ist auch im Tiefschnee voll in seinem Element. Mit 108mm unter der Bindung (bei 184cm) fühlten wir uns offpiste sehr wohl, sahen die Stärken des Atris aber vor allem in seiner Vielseitigkeit! Er ist fehlerverzeihend, kann schnell oder langsam gefahren werden, bietet einen schönen Rebound, fängt mit seinem recht steifen Tail Sprünge gut ab. Einziges kleines Manko: Bei sehr hoher Geschwindigkeit wird die Tip etwas flattrig, der Ski ist also nicht für die absoluten Highspeed-Rider oder sehr schwere Personen empfehlenswert. Für alle anderen: Ein absoluter Kauftipp!

KYE 110: Die 4FRNT-Reihe von Kye Petersen wird von den US-Amerikanern im Jahr 15/16 erstmals auf den Markt geworfen. Wir testeten den 110er aus der Serie. Leider hatten wir keine Powderbedingungen im Test, so dass die Tester vor allem die Performance im zerfahrenen Gelände, auf der Piste, im Sulz und Firn beurteilen konnten. Im direkten Vergleich war die einhellige Meinung: Der Kye 110 ist auf keinen Fall für die Piste gemacht und kann in Bezug auf die Vielseitigkeit nicht mit dem Atris mithalten. Schon bei den ersten "Schwüngen" mit dem Kye 110 zeigt sich, dass er sehr steif und alles andere als drehfreudig ist. Er verfügt zwar über einen Double Rocker mit leichter Vorspannung unter der Bindung, aber unsere Tester empfanden ihn onpiste als eher schwerfällig. Der Ski kann vor allem eines: geradaus fahren! Stellt man ihn auf der Piste auf die Kante passiert ... erstmal nichts. Das liegt auch daran, dass die Kante vor der Tip aufhört, ein spezieller Wunsch von Kye Petersen, um die Schwünge im Powder noch surfiger machen zu können. Bis der Ski allerdings auf der Piste Anstalten macht, sich zu drehen, ist man eigentlich schon wieder soweit, um den nächsten Schwung zu machen. Erst im tieferen Schnee oder wenn es darum geht, durch Sulz oder unebenes Gelände zu pflügen, wird der Kye besser zu handeln. Der relativ schwere Ski mag es, mit Speed alles platt zu walzen, was ihm im Weg steht. Viel Auftrieb gepaart mit sehr viel Stabilität und einer guten Dämpfung (eine spezielle Technologie im Ski am vorderen Teil minimiert die Vibrationen) sind seine Stärken, seine Schwäche ist die Trägheit. Schade, dass wir ihn nicht im Tiefschnee fahren konnten, hier dürfte er für solide Lines mit viel Geschwindigkeit eine gute Wahl sein. Fazit: Kein Ski für Allrounder, auf der Piste ist dieser Ski nicht zu gebrauchen. Powderjunks, die den Ski ausschließlich im tiefen Schnee und dort gerade Lines fahren wollen, viel Auftrieb und Stabilität suchen, können mit dem 4FRNT Kye 110 etwas anfangen. Alle anderen: Finger weg!

Übrigens: Den Kye wird es in 95, 110 und 120 geben. Je breiter der Ski, desto höher ist auch der Rocker, wobei die Länge des Rockers kaum variiert. Die effektive Kantenlänge liegt bei allen drei Modellen (je näch Länge) zwischen 130-140cm.

Mehr Infos: www.blackcrows.com/de und www.4frnt.com