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Reit im Winkl: Skitouren im bayerischen Schneeloch

29. Februar 2016 | Norbert Eisele-Hein

Skigebiete in diesem Artikel: Reit im Winkl - Winklmoosalm, Steinplatte Waidring

Dürrnbachhorn - ©Norbert Eisele-Hein

Skitour auf das Dürrnbachhorn, Reit im Winkl

Copyright: Norbert Eisele-Hein

Strahlend blauer Himmel, klirrende Kälte und ein Luxusproblem. Das haben wir gerne, sehr gerne sogar. Bei einem halben Meter Neuschnee auf der Winklmoosalm stellt sich die Frage: gleich noch mit dem Lift weiter auf die Steinplatte und ein paar schöne Freeride-Varianten aneinander reihen? Oder die Felle aufziehen und mit Muskelkraft aufs 1776 hohe Dürrnbachhorn? Der Anstieg ist noch unangetastet - es winkt ein jungfräulicher Gipfelhang. Ganz klar, wir wählen die Skitour und soviel vorweg - es ist die richtige Entscheidung.

Ein echtes Schneeloch, jawohl. Ein amtlich verbrieftes noch dazu. Das ist Reit im Winkl. Wie heißt es so schön im meteorologischen Fachjargon, „das Phänomen der Kaltluftseen“ sorgt für vermehrten Schneefall. Und in der Tat. Der Maserer Pass bildet im Winter häufig die Grenze. Diesseits dominiert häufig noch Grün. Jenseits im Mikroklima von Bayrisch Sibirien müssen Wintersportler für die letzten 10 Kilometer Schneeketten aufziehen und es herrscht häufig Powder-Alarm. Seit Rosi Mittermaier 1976 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck jede Menge Edelmetall abräumte, sind die Winklmoosalm und Reit im Winkl ohnehin ein stehender Begriff im Wintersport. Überhaupt scheint das beschauliche Dorf ein enorm guter Nährboden für sportliche Höchstleistungen zu sein. Auch Evi Sachenbacher-Stehle holte beim Langlauf-Teamsprint Olympisches Gold in Vancouver. Und auch sie ist ein Kind Reit im Winkls.

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Wir spuren leicht ansteigend an den letzten Höfen der weltberühmten Hochalm vorbei. Auf den Heustadeln formiert sich die weiße Pracht zu märchenhaften Wattebäuschen. Dort wo der Wind ein wenig modellieren durfte, haben sich regelrechte Elvis-Tollen aus reinweißem Pulver gebildet. Wir passieren den nostalgischen 1er-Sessellift. Zum Glück läuft er nur im Sommer, sonst wäre unser Hang garantiert bald entweiht. Der Ziehweg durch den letzten Bannwald entpuppt sich als romantisches Wintermärchen. Die tiefverschneiten Tannen mit ihren ausladenden Ästen sehen aus wie Michelin-Männchen im Wintermantel. Die ersten Sonnenstrahlen irrlichtern durch das Dickicht und zeichnen wilde Schatten auf den glitzernden Schnee. Wacker stapfen wir durch den folgenden Kessel, wechseln uns immer wieder beim Spuren ab, denn die Arbeit im knietiefen Neuschnee kostet Körner.

Bald schon wird das gleichmäßige Skianheben, Gleiten und Schnee nach unten drücken zur Meditation. Im Zickzack vieler Spitzkehren gewinnen wir auf dem Südrücken rasch an Höhe. Herausragende Latschenbüsche demonstrieren wie kreativ Wind, Schnee und Frost doch gestalten können. Die Zweige sind mustergültig angeraumt, sieht fast als trügen sie windschnittige Spoiler. Wir winden uns um ein paar letzte Baumgruppen und schon lächelt uns das hölzerne Gipfelkreuz entgegen. Wir sind die ersten und einzigen, sehen nur eine weitere Gruppe ein paar Hundert Höhenmeter weiter unten. Das lässt uns Zeit für eine dampfende Tasse Tee aus der Thermoskanne und eine vollgestapelte Wurstsemmel. Dazu gibt es ein überwältigendes Panorama. Fein ziseliert läuft der Gipfelgrat luftig und exponiert wie eine Himmelsleiter rüber zum Sonntagshorn, mit 1961 Metern der höchste Gipfel des Chiemgaus. Direkt dahinter baut sich das Who-is-Who der Berchtesgadener Alpen auf, allen voran die Platzhirsche Watzmann, Hochkalter und die Reiter Alm. Auch der Tiefblick ist erstklassig. Offenbart er doch drei funkelnde Eisflächen, die mit mäandernden Flussläufen verbunden sind. Die Riviera Reit im Winkls, die im Sommer wie Smaragde schimmernde Seentrilogie aus Weit-, Mitter- und Lödensee, ruht in diesem tief eingekerbten Tal im Hochwinter in eisig-erstarrter Stille.

Wunderschöne Winterlandschaft in Reit im Winkl

Copyright: Norbert Eisele-Hein

Doch schon dringen Stimmen zu uns herauf. Die Verfolger sind schnell. Jetzt aber. Felle runter und Reißverschlüsse bis zum Anschlag hoch. Rein in das Sahnehäubchen aus satten 600 Höhenmetern makellosem Powder.  Der frische, über kniehohe Pulver lässt die Glückshormone jubilieren. Der Schneestaub wandert über die Funktionsklamotten hoch zum Gesicht, beißt frostig ins Gesicht und erhöht den Endorphinausstoß. Erst unten im Kessel endet der weiße Rausch. Mit brennenden Schenkeln fallen wir in der nahen Traunsteiner Hütte ein. Dort zaubert uns die Hüttenwirtin Jeanette Lorenz einen wohlduftenden Kaiserschmarrn, der ebenso fluffig  auf der Zunge zergeht.

So gestärkt packen wir noch ein Zuckerl obendrauf. Shutteln mit den Liften auf die 1869 Meter hohe Steinplatte. Dort oben offenbart sich ein überwältigendes 360° Grad-Panorama. Ehrfurchtsvoll pfeifen wir durch die Zähne. Dabei explodieren kleine Atemwölkchen wie Sternenstaub. Wuchtig wie die kanadischen Rocky Mountains wirken die zum Anfassen nahen, komplett überzuckerten Loferer Steinberge. Direkt im Süden recken die Hohen Tauern ihre blinkenden Zähne in das tiefe Blau. Besonders markant blitzt der Großvenediger mit seiner kühnen Schneide hervor. Davor bauen sich noch die Zillertaler Alpen auf.  Über die Südhangabfahrt Nr. 7 rocken wir Richtung Steilabstürze der Steinplatten-Südwand, im Sommer ein Dorado für Felskletterer und Klettersteig-Freaks. Wir schultern kurz die Ski, steigen mühsam ein paar Höhenmeter auf und landen am Vorgipfel. Hier sind wir natürlich nicht mehr die ersten, aber die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt haben den Schnee gut konserviert. Verspurt, aber immer noch zuckrig liefert er eine butterweiche Schneedecke. Erst am Kammerkör verlassen wir die kurze aber durchaus lohnende Variante und schwingen über die Piste runter zur urigen Stallenalm, wo dieser perfekte Tourentag endet.

Skitour auf das Dürrnbachhorn, Reit im Winkl

Copyright: Norbert Eisele-Hein

Auch der dritte Streich tags darauf offenbart sich als prächtiges Wintermärchen. Vorbei an der Hindenburghütte, wo es schon früh morgens nach frischem Apfelstrudel duftet, gelangen wir zur Hemmersuppenalm. „Ja, so eine Hemmersuppe“, entfuhr es den Bauern aus dem Tal früher spöttisch beim Anblick der weitläufigen Alm hoch über Reit im Winkl. Ist der Hemmer oder auch Weißer Germer genannt doch ein arges Unkraut. Grün, knapp kniehoch und selbst für einen geduldigen Kuhmagen ungenießbar. Nach starken Regenfällen bilden sich in den vielen Mulden der sanft gewellten Hochalm noch dazu große Pfützen, die in Bayern gerne mit dem Ausspruch „A so a Supp’n“ bedacht werden. Damals gestattete die tägliche Mühsal der Almbauern nur selten einen schwärmerischen Blick in die paradiesische Landschaft. So wurde der Spott zum Namensstifter. Heute jedoch würden jene Unkenrufer große Augen machen. Zumal die sechs Kilometer lange Panoramarunde rund um die Hemmersuppenalm unlängst mit dem Gütesiegel „Erster Premium Winterwanderweg Deutschlands“ ausgezeichnet wurde.

Wir schwenken allerdings schon bald ab und ziehen unsere Spuren durch den Wald hoch zur Eggenalm und zur Straubinger Hütte. Diese liegt bereits auf Tiroler Boden und bleibt  im Winter leider verschlossen. Wir folgen der vorbildlich angelegten Spur knappe 40 Minuten bergauf. Oben am langen Gipfelgrat wölben sich monumentale Wächten über den Abgrund. Vorsicht, lieber einen ordentlichen Sicherheitsabstand einhalten. Der Blick in die Gipfelrunde verleitet abermals zum Schwelgen. Wir sind auf Augenhöhe mit dem stark eingekerbten Wilden Kaiser. Wie ein sagenumwobener Monolith wächst  er solitär aus der Ebene hervor. Linker Hand ragt das Kitzbühler Horn in den heute leicht dunstigen Himmel. Die Müsliriegel lassen wir im Rucksack stecken, zu verlockend war der Duft ringsum die Hindenburghütte.  Was für ein Luxusprogramm: eine Flanke mit knietiefem Schnee, der immer noch hübsch staubt. Gefolgt von einer Passage feinstem "Tree-Skiing". Dann lassen wir es kurz laufen, noch ein paar Doppelstockschübe und schon landen wir  direkt in Sissi Dirnhofers Kuchl.  Die Hüttenwirtin der Hindenburghütte ist eine begnadete Köchin. Sie zaubert einen legendären Braten aus dem riesigen Holzofen. Der ebenfalls hausgemachte Millirahmstrudel versetzt uns endgültig ins  Reit im Winkler-Nirvana. Unsere Wertung steht fest: Gold für Rosi, Gold für Evi - alle Achtung, aber Sissi und dieses Tourenwochenende bekommen natürlich auch Gold.

 

Tourist-Info Reit im Winkl
Dorfstraße 38
83242 Reit im Winkl
Tel. 08640-80027
www.reitimwinkl.de, gratis Pisten- und Loipenpläne, Liftpreise, geführte Wander- und Schneeschuhtouren, Schneeschuhverleih und Infos zu Skitouren und Guides.

 

Aufstieg zum Fellhorn:

Alpengasthof Hindenburghütte
Günter und Sissi Dirnhofer
Waldbahnstr. 6
D-83242 Reit im Winkl

Tel.

+49 (0)8640 8425 oder 1763

Mobil:

+49 (0)171 543 79 23

E-Mail:

info@hindenburghuette.de

Web:

www.hindenburghuette.de

www.hindenburghuette.de, Shuttle von Reit im Winkl  alle 30 Minuten, leckere Braten, Strudel und Kuchen, vor, während und nach der Tour ein Hit. Tipp: Premium-Vollmondwanderungen mit anschließender Hüttengaudi.

 

Aufstieg zum Dürrnbachhorn:

Traunsteiner Hütte (1.160 m) des Deutschen Alpenvereins auf der Winklmoosalm

Jeannette Lorenz 
Dürrnbachhornweg 14 
D - 83242 Reit im Winkl 
Tel.: +49 (0) 8640 / 8140 
Fax: +49 (0) 8640 / 8140 
www.traunsteiner-huette.de, mail@traunsteinerhuette.de 

Anfahrt

A 8 München-Salzburg, Ausfahrt Nr. 106 Bernau und weiter auf B 305 nach Reit im Winkl. Aus Richtung Salzburg bis Ausfahrt Nr. 112 Siegsdorf und über Ruhpolding nach Reit im Winkl.

Bahn: bis Prien am Chiemsee und weiter mit den Bussen des RVO, Linie 9505 nach Reit im Winkl, www.rvo-bus.de, das Reisebüro Haberhauer bietet individuellen Bustransfer, info@haberhauer-touristik.de, Tel. 08640-7979888

 

Essen im Dorf

- Pizza Pasta da Angelo, Rathausplatz 8, 83242 Reit im Winkl, Tel. 08640-796763, große Steinofenpizzas, pikante Pasta und riesige Eisbecher.

- Dorfratsch, Gartenstr. 1, 83242 Reit im Winkl, Tel. 08640-5340,  rustikal, asiatische und bayrische Küche, Kellerbier.

- Milchbar, 83242 Reit im Winkl, Rathausplatz, Tel. 08640- 8325, www.milchbar-riw.de, Essen und Drinks bis spät in die Nacht.

 

Karten und Literatur

- Spezial-Wanderkarte 37, Reit im Winkl/Kaiserwinkl, 1:25000, 11.Aufl.,

- detaillierte Topokarte, www.wave.at, 5,20 €, Wanderland-Verlag,

- die Premium Winterwege und zahlreiche Schneeschuhtouren sind auf der Loipenkarte (gratis bei der Tourist-Info) gut ersichtlich.

- Tipp: Die Gästekarte eröffnet ein außergewöhnlich umfangreiches Gratisangebot an geführten Wanderungen, Kids-Programmen, Schwimmbad-Eintritt …

 

Info:

Liftkasse Winklmoos-Alm/Steinplatte

Seegatterl 4

83242 Reit im Winkl

Telefon: +49 8640 7969180

Telefon: +49 8640 80020

Telefax: +49 8640 79691850

E-Mail: winklmoosalmbahn@t-online.de

Internet: http://www.winklmoosalm.de

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