Es heißt Ehepaare sprechen im Durchschnitt neun Minuten pro Tag miteinander. In den letzten Monaten war ich mir nicht sicher, ob wir diesen Wert erreichten. Mein Mann hatte sich seine Arbeit zur zweiten Frau genommen. Anfangs freuten wir uns noch über seine Beförderung, aber mittlerweile fühle ich mich vernachlässig. Schlechtes Gewissen auf beiden Seiten. Meinem Mann ging auf, dass es so nicht weitergehen konnte. Als Wiedergutmachung schenkte er mir ein Wochenende in den Zillertaler Bergen – nur wir beide. Ein bisschen mulmig sah ich der gemeinsamen Einsamkeit schon entgegen. Was wäre, wenn wir uns wirklich nichts mehr zu sagen hätten? Familie, Freunde, Bekannte, Geschäftspartner – immer war jemand dabei. Stunden der Zweisamkeit eher rar. Die Anfahrt ins Zillertal verlief so làlà. Ich sah ihm an, dass er in Gedanken bei seinen unbeantworteten Mails war, die ihn nach unserem Kurzurlaub erwarteten. Ich hatte insgeheim Angst nach längerer Pause wieder auf Skiern zu stehen – vielleicht hatte ich es ja verlernt.

Die Höhenluft tat unserer Laune gut

In Fügen bogen wir auf die Hochfügener Höhenstraße ab und plötzlich änderte sich unsere Laune. Unten im Tal hing der Nebel, aber umso höher wir fuhren, desto mehr kam der Sonnenschein heraus. Die Straße bot außerdem einen eindrucksvollen Blick ins Tal. In Hochfügen angekommen machten wir es uns in unserer geräumigen Unterkunft gemütlich. Das Hotel liegt nur wenige Meter von der Skipiste entfernt. Das findet man nicht oft.

Am nächsten Morgen ging’s los. Nach ein paar Aufwärmübungen und den ersten Schwüngen auf der frisch präparierten Piste merke ich, wie sehr ich das Skifahren vermisst hatte. Ich empfand sofort ein Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit. Es war herrlich und ich sah an meinem Mann an, dass es ihm auch so ging. Wir lachten und fühlten uns richtig gut.

Am Abend führte mich mein Mann ins Drei-Hauben-Restaurant Alexander aus. Es war ein kulinarisches Erlebnis regionaler und internationaler Köstlichkeiten – jeder Gang ein Kunstwerk. Beim Dessert eröffnete er mir für den nächsten Morgen eine Überraschung. Dazu müssten wir vor Sonnenaufgang am Lift sein. Ich heuchelte Begeisterung, aber eigentlich hielt ich es für eine bescheuerte Idee. Statt ausschlafen und kuscheln treibt er mich in aller Herrgottsfrüh in die Kälte, das muss doch nicht sein.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Am nächsten Morgen stapften wir im Mondschein die paar Meter zur Talstation. Mich überkam das Gefühl, jung und etwas verrückt zu sein. Es sind ein paar andere Leute da, aber ansonsten ist es bis auf das tiefe Vibrieren der Seilbahnmotoren völlig ruhig. Ich hatte insgeheim mit einem Frühstücksbuffet in einem Bergrestaurant gerechnet, aber der Mitarbeiter der Bergbahnen hieß uns zum gemeinschaftlichen „Sonnenaufgangsskifahren“ willkommen. Gemeinsam den Sonnenaufgang in den Bergen erleben – eine schöne Idee! Ich war beeindruckt und dann doch etwas froh, früh aufgestanden zu sein.

Erhabene Momente beim Sonnenaufgang in den Bergen

Oben angekommen, es ist kurz vor sieben, erreichten wir nach ein paar Minuten zu Fuß unser Ziel. Das Timing war perfekt. Gerade als wir es uns bequem gemacht hatten, begann das wundervolle Farbenspiel der Morgendämmerung. Das tiefe Blau der Nacht wurde von Orange- und Lilatönen durchzogen, die Gipfel der Zillertaler Bergwelt zeigten sich mehr und mehr. Wir öffneten unsere Thermoskannen und der Duft frischen Kaffees durchströmte die klare Morgenluft. Es war friedlich und still. Wir waren Teil einer wunderschönen Natur. Stumm und eng aneinander geschmiegt, genossen wir das Schauspiel des Sonnenaufgangs oben auf dem Berg. Langsam fanden wir unsere Sprache wieder und aßen unser Frühstück aus dem Rucksack. Es schmeckte unheimlich gut. Und die Sonne war mittlerweile auch über die Berge geklettert.

Wir machten uns auf den Rückweg zu unsern Skiern. Es warteten frisch präparierte Skipisten auf uns. Wir setzten erste Spuren in den Schnee. Etwas erschöpft aber glücklich beendeten wir bereits nach dem Mittagessen unseren Skitag und wollten die Sonne auf den Balkon unseres Teilzeitheims genießen. Wir erfreuten uns an der Aussicht und der Zeit zu zweit. Es war wie früher, bevor uns der Alltag eingeholt hatte. Wir versprachen, uns zukünftig öfter solche Auszeiten zu gönnen.

 

Mehr Infos zu den Angebote und Erlebnissen in Hochfügen: http://www.hochfuegenski.com/erlebnis/specials/

 

Video: Sonnenaufgang in Hochfügen

Video: Fly Cam