Wer hätte das gedacht: In den Bergen fällt immer weniger Schnee, aber die Skigebiete haben in den vergangenen Wintern prächtig verdient - zumindest in Österreich. Und weil das Geschäft auch weiter gut laufen soll, wird kräftig investiert. Die Skiurlauber können sich also auch im kommenden Winter auf viel Neues freuen: auf Super-Size-Bergbahnen, neue Abfahrten, ein neues altes Mega-Skigebiet in Österreich, Musikbergbahnen, Gratis-WLAN am Berg und Gondeln im Pininfarina-Design. Wir stellen einige spannende, aufsehenerregende und wichtigste Neuerungen der kommenden Saison in den großen Wintersportgebieten vor ...


Der Arlberg wird Österreichs größtes Skigebiet 
Die Wiege des Skilaufs war er schon immer. Jetzt startet die Traditionsregion Arlberg auch bergbahnmäßig durch. Vier neue Zehnpersonengondeln auf einmal verbinden ab der neuen Saison die bisher getrennten beiden Seiten St. Anton und Lech-Zürs. Die beiden Schlüsselbahnen zielen ab Alpe Rauz und ab Zürs auf den bislang trennenden Grat. Auf Zürser Seite kann man auch per Ski abfahren, zurück zur Alpe Rauz nur per Bahn. Von dort erschließt eine weitere Bahn das Albonaskigebiet und ersetzt zwei alte, eiskalte Zweiersesselbahnen. Der Arlberg überholt mit 340 Pistenkilometern die zuvor führenden Regionen Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental (264 km) und Saalbach-Hinterglemm-Fieberbrunn (270 km) als größtes zusammenhängendes österreichisches Skigebiet. International schließt er zu Val d'Isère/Tignes auf. Es gibt langfristig noch größere Pläne: Von St. Anton aus soll über das Rendlgebiet auch der Paznauner Ferienort Kappl angeschlossen werden. Saisonbeginn am Arlberg ist am 2. Dezember. 

Zell am See und Saalbach schlagen zurück 
Auch das vom Thron gestürzte Skigebiet von Saalbach-Hinterglemm-Fieberbrunn will bald größer werden - durch den Anschluss der 77 Pistenkilometer großen Schmittenhöhe über Zell am See. Das wird allerdings noch bis 2018 dauern. Der erste Schritt ist aber gemacht: Eine Zehnpersonen-Kabinenbahn erschließt ab Saisonbeginn die Rückseite der Schmittenhöhe samt neuer, mittelschwerer Piste. Sie wird später auch die obere Hälfte der neuen Verbindungsbahn vom Saalbacher Vorort Viehhofen her sein. Bereits jetzt lockt die neue Bahn während der Auffahrt mit Extras wie flüsterleisem Antrieb, kostenfreiem WLAN und Gratis-Musikstreaming. Auf Viehhofener Seite wird die neue Verbindung mit dem Neubau der Schönleitenbahn Richtung Leogang flankiert. Die Saison auf der Schmittenhöhe beginnt am 2. Dezember. 

Sölden zähmt die Warteschlangen 
Für die vielen Urlauber, die aus dem vorderen Ötztal ins Skigebiet von Sölden wollen, gibt es die Giggijochbahn am Ortseingang. Morgens waren dort bislang allerdings lange Warteschlangen unausweichlich. Die dürften jetzt der Vergangenheit angehören; denn die Sölder Bergbahn hat die alte "Giggijoch" gegen eine der leistungsstärksten, jemals gebauten Seilbahnen ersetzt. 4500 Personen pro Stunde bewältigt der Gigant. Das sind fast 2000 mehr als mit der alten Bahn. Die wurde übrigens nicht verschrottet, sondern nur ein paar Kilometer talabwärts einer neuen Bestimmung zugeführt: Sie übersiedelt nach Hochoetz und ersetzt dort die bisherige Ochsengartenbahn. Wintersaisonbeginn in Sölden ist am 19. November, doch schon seit Mitte September laufen die ersten Lifte am Gletscher.

Riesengondel für den Stubaier Gletscher 
43 Jahre nach dem Start wechselt das Skigebiet am Stubaier Gletscher seine Hauptschlagader aus: die Eisgratbahn. Und die neue Bahn vom Tal ins Herz des Skigebiets ist tatsächlich spektakulär: fast fünf Kilometer lang, gebaut in der windstabilen Dreiseiltechnik und mit elf Minuten Fahrtzeit doppelt so schnell wie der Vorgänger. Das Design stammt übrigens von den Sportwagenzeichnern von Pininfarina, dazu gibt es WLAN und Echtledersitze. Mehr als 60 Millionen Euro nahm die Stubaier Gletscherbahn für den Neubau in die Hand - das ist alpenweit Rekord für eine einzelne Liftanlage. Die neue Eisgratbahn startet am 29. Oktober. 

Kleinwalsertal weckt Hohen Ifen auf 
Das Kleinwalsertal gehört zu Österreich, ist aber mit dem Auto nur vom Allgäuer Urlaubsort Oberstdorf her erreichbar, mit dem es eine gemeinsame Skischaukel betreibt. Nun wird auch der Kleinwalsertaler Everest, der Hohe Ifen, aus jahrelangem Bergbahnschlaf erweckt und mit 30 Millionen Euro runderneuert. Zum aktuellen Winter erhält er eine Sechsersesselbahn vom Tal her und eine neue Beschneiung spendiert, 2017/18 folgt eine Zehnerkabinenbahn in zwei Sektionen zum Gipfel. Bei den besonders schönen Pisten am Gottesackerplateau vertraut man glücklicherweise weiter auf Naturschnee. 

Schweiz: Freerider-Sesselbahn und Behindertenskiberg 
Beherzt investieren die großen Schweizer Skigebiete in mehr Komfort und schnellere Bahnen. Zermatt ersetzt die 45 Jahre alte Gondel von Gant nach Blauherd gegen einen modernen Sechsersessel und wertet so das Freerideparadies Sunnegga-Rothorn weiter auf. In St. Moritz dürfen sich die vielen Freunde des Corvatsch-Skigebiets über die Pensionierung des nostalgischen Curtinella-Schleppers freuen; ersetzt wird er von einer Highspeed-Sechsersesselbahn im Porsche-Design. Gleichzeitig rückt die Talstation ein Stück nach unten zur Hossa-Bar, das vereinfacht nicht nur das Après-Ski, sondern auch die Verbindung von Murtèl her. Davos-Klosters schließlich, der dritte eidgenössische Skigroßraum, verpasst gleich einen ganzen Berg ein neues Design: Auf Madrisa sollen die behindertengerechte Sechsersesselbahn Schaffürggli und ein neues Restaurant der Startschuss sein, um das Gebiet zu Europas führendem Pistenrevier für behinderte Schneesportler zu machen. 

Frankreich: Glasbodenlift und neue Anfängerreviere 
Val d'Isère hat sein Hausskigebiet, die Solaise, einer Komplettüberholung unterzogen. Eine Zehnpersonengondel ersetzt die alte Standseilbahn und bringt nicht nur mehr Wintersportler schneller ins Gebiet, sondern auch noch zu einem attraktiveren Ausgangspunkt bei den Hauptpisten und dem neuen Anfängerareal mit drei Zauberteppichen. Die neue Solaise-Bahn hat natürlich Gratis-WLAN und beheizbare Sitze; zwei der 91 Kabinen besitzen zudem einen Glasboden. Schneller voran geht es auch in La Plagne; dort kam man bis zum vergangenen Jahr nur mühsam wieder aus dem Talort Plagne Montalbert zurück. Zwei schnelle neue Bahnen und eine neue Piste machen die Fahrt jetzt zum Erlebnis. Alpe d'Huez schließlich, der südlichste der französischen Skigroßräume, tut etwas für Skianfänger und hat das kleine Signal-Skigebiet gegenüber dem großen Hauptabfahrtsrevier komplett mit neuen Bergbahnen und einer superleichten Talpiste renoviert. 

Deutschland: Mittelgebirge kommt groß raus 
Auf deutschen Skibergen wird aktuell viel gebaut und geplant, aber nur wenig ist fertig. Sowohl die neue Zugspitzbahn als auch das geplante komplett neue Skigebiet oberhalb von Schierke im Harz sind erst für den Winter 2017/18 terminiert. Oberstdorf immerhin leistete sich ein neues, spektakuläres Gipfelrestaurant samt Gipfelrundweg am Nebelhorn und ersetzte einen Schlepplift unterhalb des Fellhorns durch eine moderne Sechsersesselbahn mit Echtledersitzen. Unermüdlich weiter ausgebaut wird zudem das größte deutsche Mittelgebirgsskigebiet, die Wintersport-Arena Sauerland. Dort flossen zur aktuellen Skisaison fünf Millionen Euro in neue Lifte, mehr Beschneiung und Rodelbahnen. Die wichtigste Investition: Im Skiliftkarussell Winterberg ersetzt eine Vierer-Sesselbahn den Schlepplift hoch zur Kappe und schafft so eine bessere Verbindung für die Skipendler. Die neue Sesselbahn soll übrigens auch im Sommer nützlich sein: Dann transportiert sie Fahrräder und Radfahrer für den ortsansässigen Bikepark.