Lesen Sie hier den Bericht der unaufhaltsamen SchneeSki.com-Mitarbeiterin Jill Adler über die Testfahrten mit den Ski der Saison 2009/2010. Sie berichtete aus Snowbasin im US-Bundesstaat Utah, wo die SchneeSki.com-Crew bestehend aus sechs erstklassigen Skilehrern mehr als 400 Ski getestet hat. Mehr erfahren Sie bald hier.

Wir haben's geschafft. Fast 400 Ski gefahren und bewertet. Als wir einander im Shooting Star Saloon auf die Schultern geschlagen und mit den Bierkrügen angestoßen hatten, bewunderte ich den dicken Stapel Bewertungskaten vor mir. So sieht also das Ergebnis aus, wenn man von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags eine Abfahrt nach der anderen fährt, und jede mit einem neuen Ski. Am Ende des dritten Tages waren die Erinnerungen an die einzelnen Ski völlig verblasst. Ich war überwältigt, müde und alles tat mir weh. Als ich hörte, wie die anderen über ihre Favoriten fachsimpelten, begann ich mich zu fragen, ob ich eigentlich irgendetwas über Ski wusste.

Einige liebten den Rossi Avenger, andere machten sich nichts aus ihm. Einige mochten den Scott Crusade, andere fanden, er sei so schwerfällig wie ein alter Bernhardiner. Man wünscht sich irgendeine Art Maßstab, nach dem man einen Ski für wirklich großartig befinden kann. Trotz all des Buheis um die angeblichen Ski des Jahres, Breitski und Rocker, haben wir uns eher für mittelbreite All-Mountains und Carver entschieden. Das haben uns die Schneeverhältnisse vorgegeben.

Es tut mir leid, aber egal wie sehr ein Hersteller seine Rocker oder Reverse-Camber-Ski pusht und betont, wie sehr sie sich für jede Art von Schnee eignen: Man will doch nicht immer nur so einen Ski. Sie sind als Zweitski geeignet, nicht als Erstski. Auf ihnen fühlt man sich mit riesigen Snowblades auf einer vereisten Piste. Am besten dreht man auf ihnen, wenn man wedelt, oder bei Schussfahrten, wenn es auf die Kanten unter dem Fuß ankommt. Weil die meisten Jungs und Mädels, die sich für einen Rocker entscheiden, nicht wissen, wie man einen Ski (besonders einen so breiten) richtig auf Kante fährt, macht er einfach nicht so viel Spaß wie Ski mit traditioneller Vorspannung.

Wir haben sie trotzdem ausprobiert, nur um unsere Theorie auf die Probe zu stellen. Die Kommentare lauteten immer gleich: „Im Pulverschnee wäre der sicher super." Um fair zu sein, werde ich wohl nach dem nächsten großen Schneefall einen großen Pulverschnee-Test ansetzen müssen, um diese Ski objektiver bewerten zu können.

Am letzten unserer drei Tage begann das Wetter umzuschlagen. Tristes Grau ersetzte das Tiefblau, aber wenigstens war die Luft noch warm, so warm, dass wir ins Schwitzen kamen. Die Energie rund um die Zelte hatte etwas nachgelassen und es fuhren immer weniger Leute raus zum Testen. Muss am Wetter gelegen haben. Als ab dem Mittag die Hersteller-Vertreter davon redeten, früh Feierabend machen zu wollen, wurde uns klar, dass wir in den nächsten beiden Stunden besser einen Zahn zulegen, oder wir könnten's vergessen.

Es war der Tag der kleineren Skihersteller. Ich wies Mark, Greg, Rachael und Ralph an, sich die Breitski von Line, Moment, Armada, 4Frnt und Vist zu schnappen. Ralph und Mark kommen beide aus dem Skirennsport und hatten sich schon in die Carver verguckt. Ihr Feedback war nicht überraschend: Sie liebten diese Ski. Die kleinen Marken, die für die neue Saison limitierte Stückzahlen herstellen, starten gerade richtig durch, indem sie die Bedürfnisse junger, aggressiver Skifahrer erfüllen. Sie müssen keine riesigen firmeninternen Hürden überwinden, um ein Design durchzusetzen. Sie nehmen den Rat von Profi- und Hobbysportlern an und lassen ihn in den Ski einfließen. Wenn es allen gefällt, wie sich der Ski anfühlt, versucht der Hersteller es einfach mit ihm.

Ich wünschte, Head hätte sich mal von der wirklichen Welt in Sachen Damenski-Design beraten lassen. Ihr Top-Damenski, der Sweet One (den ich letztes Jahr geliebt habe), war über und über mit Zeichnungen von nackten Yoga-Tussis bedeckt. Sogar die Head-Vertreter grummelten. Manche sagten, Käufer fänden das Design anzüglich. Das endgültige Design wird noch verändert werden, in eine Version der Woodstock- (früher Mojo-) Linie. Aber irgendwie habe ich Mitleid mit ihnen, denn jetzt werden sie die Käufer zurückgewinnen müssen, die Head schon abgehakt haben, weil ihnen das alte Design nicht gefallen hatte.

Der Sweet One (jetzt heißt er Janis wie Janis Joplin) ist immer noch ein toller Ski, wenn man ihn in der richtigen Länge nimmt. Als 55 Kilo schwere, sportliche Frau brauche ich einen 170 bis 175 Zentimeter langen. Ich habe einen 156 Zentimeter langen bekommen und hätte ihn am liebsten sofort zurück ins Zelt gebracht. Nur damit Sie es wissen: Viele Hersteller von Damenski sind zur „kurz und pink"-Mentalität zurückgekehrt. Sie nehmen einen Männerski, stellen ihn in kürzeren Längen her und ändern den Überzug. Gute Skifahrerinnen brauchen nicht mehr. Aber eine durchschnittliche Frau kann von der Technologie, wie sie Völkl und manche andere einsetzen, nur profitieren. Vor allem vom Völkl Aura ist fast jede Frau begeistert.

Als der Tag kälter und grauer wurde, war der Zeitpunkt gekommen, aus den Skischuhen rauszuschlüpfen, jeden einmal fest zu umarmen und abzuhauen. Wir waren fix und fertig. Es ist nicht einfach, eine Abfahrt nach der anderen auf „Überraschungsskiern" zu fahren - also solchen, von denen man keine Ahnung hat, wie sie sich unter dem Fuß verhalten. Manchmal flogen wir nur so dahin, manchmal mussten wir unsere Zähne zusammenbeißen und unsere Fäuste und Zehen zusammenballen. Jetzt konnten wir endlich entspannen und stolz sein auf unsere drei Tage voller Testfahrten und Kartenstapel, die die Zukunft voraussagen sollten. Die echte Arbeit fängt aber erst an. Die Bürotechniker werden die Daten sammeln und auswerten und in eine einfach lesbare Form bringen, so dass Sie damit den perfekten Ski finden können. Schauen Sie einfach nach - Sie werden vielleicht genauso überrascht sein! Aus Snowbasin meldet sich ab: Jill.