Wer den Großteil seiner Skitage tief vergraben im Pulverschnee von Cottonwoods oder beim Party machen in Park City verbringt, vergisst leicht, dass sich nur ein Tal nördlich von Park City eine völlig andere Skiwelt verbirgt. Die Einwohner des dort gelegenen Ogden schwärmen von ihren Skigebieten Snowbasin und Powder Mountain. Salomon und Atomic haben ihre Büros in die Innenstadt von Ogden verlegt. Und die Western Winter Sports Reps Association hält hier ihre jährlichen Materialtest-Tage ab, auf denen sämtliche Skihersteller des Landes die Ski-Händler der Region treffen können. Das könnte die Vereinigung natürlich überall tun, doch sie hat sich für Snowbasin entschieden.

Snowbasin, 1939 eröffnet, ist eines der ältesten, ohne Unterbrechung betriebenen Skigebiete der USA. Der erste Lift nahm zwar erst 1946 den Betrieb auf, aber das hielt die eifrigen Skifahrer dieser Zeit nicht davon ab, die Hänge hochzukraxeln und den wunderbar leichten Pulverschnee, wie es ihn nur im Bundesstaat Utah gibt, zu durchpflügen. Bis heute ist das Erlebnis Skifahren in Snowbasin im Grunde das Gleiche geblieben - nur größer, besser und leichter zu erreichen. Die hochmodernen Lifte, Schneekanonen, Lawinenwarnsysteme und wunderschönen Hütten wurden erst in diesem Jahrzehnt errichtet.

Für die Veranstaltung der Western Winter Sports Reps Association stellt das Skigebiet seinen oberen Parkplatz zur Verfügung. Somit ist es ein Kinderspiel, zu parken, sich anzumelden und sich mit einem Paar Ski der kommenden Saison auf die Pisten zu stürzen. Binnen einer Minute erreicht man die Gondelbahn „Needles Gondola". Wer Ski testet, wird darauf achten, in der Nähe der Talstation zu bleiben, um so viele Ski wie möglich testen zu können, doch die Versuchung ist nur allzu groß, auch mal den „John Paul"-Sessellift zu nehmen, der zu steileren Abhängen und tieferem Schnee führt.

Das sollte man auf jeden Fall tun: Den „John Paul Express" nehmen und sich durch die wunderbaren Wäldchen schlängeln, die man über eine Querung unmittelbar unterhalb des Liftes erreicht. Dieses Areal ist nie zerfahren. Von der Bergstation des „John Paul" sollte man unbedingt auch die Gondelbahn „Mt. Allen Tram" bzw. „Olympic Tram" zum Gipfel nehmen. Dann einen Linksschwung machen (das ist die einzig mögliche Richtung außer „nach unten") und dem Ziehweg den Grat entlang folgen. Man wird um einige Treppenschritte nicht herumkommen, aber die Steilhänge, Lichtungen und Wäldchen, die man so erreicht, sind die Mühe allemal wert. Man sollte sich dann an die Piste zur Linken halten, um zurück zum „John Paul" zu kommen.

Die meisten Ski-Händler und -Tester werden den Weg bis zum Gipfel des Strawberry wohl nicht auf sich nehmen - der Weg zurück zum „Messegelände" dauert einfach zu lang. Doch wenn man einmal das perfekte Paar Ski für sich gefunden hat, muss man sich einfach in die „Strawberry"-Gondel setzen, die Ski für eine kleine Wanderung auf den Gipfel des De Moisy abschnallen, der Querung zum „Middle Bowl"-Kessel folgen - und sich in ihn hineinstürzen. Man hat hier die freie Auswahl vom einfachen Einstieg bis hin zu irrwitzigen Sprüngen von Wechten hinab und hinein in steile Rinnen, die alle in eine Mulde münden.

Um die elf Quadratkilometer befahrbares Gelände und mehr als 1000 Zentimeter Schnee im Jahr, zu denen zwei hochmoderne Gondeln (sowie eine, die wie eine Coladose aussieht) und sechs Sessellifte führen - genug, um so lange zu fahren, bis man reif ist für die superweich gepolsterten Sessel in den Lobbys der gemütlichen, aus Naturstein und Holz erbauten Lodges von Snowbasin.

Als Earl Holding, der Besitzer des Skigebiets Sun Valley Resort im Bundesstaat Idaho, der Hotelkette Little America Hotels und des Mineralölkonzerns Sinclair Oil, dieses viel versprechende Areal aus Pulverschnee und Felszinnen im Jahr 1984 kaufte, wussten nur die Einheimischen, was für einen Schatz er da in der Hand hatte, zumal als er begann, einzelne Randgebiete zugunsten von Grundbesitz im Tal einzutauschen und dort zu bauen, um sich die Abfahrts- und Super-G-Läufe bei den Olympischen Winterspielen von 2002 zu sichern.

Während der Olympischen Spiele in Salt Lake City bekam Snowbasin ein Stück vom Tourismuskuchen in Utah ab, doch bald verschwand es wieder von den Radarschirmen; trotz der Millionen, die dort investiert wurden. Für die Skifahrer dort ist der touristische Tiefschlaf ein Segen, sorgt er doch für unberührte Tiefschneehänge auch noch eine Woche nach dem letzten Schneefall. Selbst wenn es seit Wochen nicht geschneit hat, kann man immer noch vom Wind polierte, weiche Schneefelder abseits der Pisten finden, wo sie in anderen Skigebieten längst steinhart wären.

Beim Mittagessen während der Testfahrten genossen einige in der John Paul Lodge auf 2713 Metern eine der spektakulärsten Aussichten, die man wohl von einem Restaurant in einem Skigebiet aus sehen kann: über die verschneiten, zerklüfteten Gipfel der Wasatch-Bergkette. Ich persönlich bevorzuge ja eher die Wokgerichte und Pizzen in Earl's Lodge. Außerdem spart man Zeit, wenn man an der Talstation isst, wenn es darum geht, gleich weiter Ski zu testen.

Einen zünftigen Tag in Snowbasin, egal ob man neue Ski getestet oder sein eigenes Material bis zur Belastungsgrenze ausgereizt hat, kann man am besten mit seinen Freunden bei einem kühlen Bierchen am Kaminfeuer der Cinnabar Lounge im Earl's ausklingen lassen. Am Wochenende gibt es in dieser Bar Live-Musik, und das Essen und die Atmosphäre dort sind deutlich besser als im überbewerteten, dreckigen, überfüllten Shooting Star Saloon im benachbarten Hunstville mit seinen langsamen Bedienungen.