Im ersten Teil unserer zweiten Folge zur „Skitechnik“ haben wir euch mit Hilfe unseres Experten Dr. Frank Reinboth erklärt, welches die Grundelemente der Carving-Technik sind. Im zweiten Part sprechen wir über Gründe, warum es nicht klappen könnte mit dem geschnittenen Schwung. Und über die typischen Fehler von Skifahrern, wenn es darum geht, eine einfache Piste ausschließlich auf der Kante hinunter zu fahren.

Fehlende körperliche Voraussetzungen

Die Carving-Technik ist grundsätzlich nicht besonders schwierig zu erlernen - dennoch gibt es viele potentielle Fehlerquellen, die sich darauf auswirken, ob ein Schwung im Endeffekt gedriftet oder geschnitten wird.

Vielen Skisportlern, die sich trotz langjähriger Skierfahrung mit dem Carven schwer tun, mangelt es an elementaren Dingen wie Kraft und Kraftausdauer. Das ist auch die Meinung unseres Experten vom Bundeslehrteam alpin: „Viele Skifahrer haben auch auf leichten Pisten nicht die körperlichen Voraussetzungen, um überhaupt zu carven. Vor allem, wenn die Unterlage etwas härter ist.“ Was genau fehlt? Um den Ski auf die Kante zu bringen und auch dort zu halten, muss der Fahrer/die Fahrerin zunächst ausreichend Geschwindigkeit aufbauen, um nicht umzufallen - das setzt eine gewisse Fahrstärke und Sicherheit auf den Ski voraus. Neben einer ausreichenden Beweglichkeit in den unteren Extremitäten gehören dann auch koordinative Fähigkeiten, zum Beispiel eine spezielle Gleichgewichtsfähigkeit, zu den Voraussetzungen für einen sicheren Carving-Schwung.

Haltekraft und Kantgefühl

Häufige Probleme bei vielen Skifahrern sind auch eine zu steife Grundposition und fehlende Aktion: „Oft beobachten wir eine Passivität auf dem Ski, beispielsweise eine zu geringe Körperspannung für die auftretende Kurventrägheit“, sagt Dr. Frank Reinboth. Das klingt plausibel und ist reine Physik: Fährt man einen bestimmten Radius, treibt es den Körper aufgrund seiner Trägheit und den auftretenden Zentrifugalkräften nach außen. Um den Körper in seinem Zustand stabil und den Ski auf der Kante zu halten, müssen Haltekräfte aufgewendet werden - und an denen fehlt es bei einer zu geringen Körperspannung.

Mit dem Skigefühl und den koordinativen Möglichkeiten des Skifahrers geht das folgende Fehlerbild einher, das Reinboth beschreibt: "Zu wenig Kantgefühl kann dazu führen, dass der Ski nicht auf der Kante geführt und der Aufkantwinkel im Kurvenverlauf nicht angepasst wird.“ Ein paar Übungen, wie ihr euch in diesem Bereich verbessern könnt, lest ihr im dritten Teil dieser Folge.

Ungeduld = Driften

Einen klassischen Fehler begehen aber viele Skifahrer schon bei der Kurveneinfahrt. Dabei gehen sie zu ungeduldig vor und kürzen die Kurve ab, anstatt sie rund auf der Kante zu fahren und den Ski alleine um die Kurve carven zu lassen. Drehbewegungen der Beine oder des Oberkörpers führen dazu, dass dann die Skienden gleich zum Kurvenbeginn driften - und der geschnittene Schwung erst in der zweiten Kurvenhälfte gefahren wird. Beim Carving deshalb erste Maxime: Geduldig sein, den Ski die Kurve machen lassen, Drehbewegungen vermeiden und möglichst stabil und zentral über dem Ski stehen. „Oft sieht man auch, dass die Belastungsverteilung zwischen Innen- und Außenski nicht so erfolgt, dass die Ski funktionieren“, ergänzt Dr. Frank Reinboth. Er stellt aber auch klar: „Carven kann man nicht in jeder Situation, denn zur Tempokontrolle benötigen wir eine auch immer wieder eine driftende Fahrweise.“ Denn das muss klar sein: Carving wird mit hoher Geschwindigkeit betrieben, da die Bremswirkung bei einem geschnittenen Schwung sehr gering ist. Erst wenn man den Radius voll ausfährt, also am Ende des Schwungs parallel zum Hang oder gar bergauf schneidet, drosselt man die Geschwindigkeit - oder man nutzt eben die Möglichkeit des Drifts und verzichtet auf die perfekte Spuranlage.

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