Wir präsentieren die dritte Folge unseres Themenspecials "Skitechnik - richtig Skifahren". Haben wir in den ersten beiden Folgen die Skitechnik der Vergangenheit, die Unterschiede in den Alpenländern und das Fahren auf der Kante mit dem geschnittenen Carving-Schwung beleuchtet, geht es nun um den Kurzschwung. Das Fahren in engen Radien im Steilhang und in der Buckelpiste erfordert zum Teil andere Bewegungsmuster als die weiten Radien auf planer, gut präparierter Piste - welche das sind, wollen wir mit unserer Expertin, der Buckelpisten-Weltmeisterin 1988 und Vize-Olympiasiegerin 1998 Tatjana Mittermayer, herausarbeiten. Wir richten uns dabei nicht an totale Anfänger, für die einführende Übungen wie das Abrutschen und Aufkanten unerlässlich sind, sondern an Skifahrer, die den Kurzschwung bereits in Ansätzen beherrschen und verbessern wollen.

Kurze Schwünge vs. lange Schwünge

Zunächst geht es daran, die Grundlagen des Kurzschwungs zu erarbeiten. Die größten Unterschiede im Vergleich zum Fahren mit weiten Radien: Schnellere Bewegungen, ein schnellerer Bewegungsrhythmus, Stockeinsatz, stärkeres Beindrehen, Driftanteil zur Tempokontrolle, verstärkte Hoch-Tief-Bewegung, Fahren in Falllinie, ein zum Teil höherer Kraftaufwand. Aber beginnen wir am Anfang. Typischerweise werden Schwünge mit engen Radien angewendet, um steile Hänge zu bewältigen. Das ist logisch, denn auf flachen Hängen lassen fortgeschrittene Skifahrer den Ski gerne etwas laufen, schließlich gehört das Gefühl des Gleitens mit hoher Geschwindigkeit zu den tollen Erfahrungen beim Skifahren. Anders ist es in steilen Hängen: Hier will man meist nicht mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs sein, fordert dieses doch eine extreme Skikontrolle und vorausschauendes Fahren - für Nicht-Profis oft nicht ohne Probleme zu meistern.

Kurzschwung: Kontrolle des Tempos

Um in einem steilen Hang keine hohen Geschwindigkeiten aufzubauen, muss ein Mittel zur Tempokontrolle gefunden werden. Das kann für Anfänger das Abrutschen oder Queren des Hanges mit gelegentlichen Richtungswechseln sein, Fortgeschrittene gehen einen Schritt weiter. Es wird ein Kurzschwung in der Falllinie gefahren, bei dem die Tempokontrolle aber gewährleistet werden muss. Aber wie erreiche ich eine kontrollierte Fahrt und ein kontrolliertes Tempo?

Rückenlage vermeiden

Auch beim Kurzschwung stehen wieder drei Dinge im Vordergrund: das Drehen, das Kanten und das Belasten des Skis. Die Grundposition beim Fahren im Steilhang unterscheidet sich nicht grundlegend von der beim Fahren mit geschnittenen, langen Kurven - es gilt wiederum, beide Ski gleichmäßig zu belasten, eine schulter- bis hüftbreite Skistellung anzustreben und das Gewicht auf dem ganzen Fuß mit Tendenz nach vorne zu haben. Doch genau hierbei entsteht das größte Problem bei vielen Skifahrern: Rückenlage! Aus verschiedensten Gründen (Angst, körperliche Anstrengung, Bequemlichkeit, ...) geraten Skifahrer beim Fahren im Steilen mit dem Körperschwerpunkt oft zu weit nach hinten. Die Folge: Auf die Skienden wird zuviel Druck aufgebaut, die Skier dort stark belastet. Man bekommt Probleme, die Ski zu steuern und schafft es nicht, rhythmisch mehrere kurze Schwünge aneinanderzureihen.

Konzentration auf die Vorlage

Die Lösung für das Problem der Rückenlage scheint einfach: Mehr Vorlage! „Lehne dich weiter nach vorne“ ist allerdings zwar ein gut gemeinter Rat, meist scheitert es aber an der Umsetzung. Ein Grund kann dabei falsches Material sein (eventuell ein zu harter Skischuh, der eine Vorlage gar nicht zulässt), meist sind es aber die körperlichen, geistigen und technischen Voraussetzungen, die dem Skifahrer fehlen. Wir wollen hier aber nicht explizit auf vorbereitende Trainingsübungen oder Übungen zum Angstabbau eingehen, sondern auf Übungen zu Verbesserung der Technik. So könnt ihr zum Beispiel einmal ausprobieren, euch beim Fahren im Steilhang darauf zu konzentrieren das Gewicht auf die Zehenspitzen zu legen. Gut funktioniert oft auch, die Schienbeine aktiv gegen den Schuh zu pressen. „Um ein gutes Gefühl für seine Position am Ski zu bekommen, bietet es sich an, Fahrten ohne Stockeinsatz zu machen, die Stöcke quer und vor dem Körper mit leicht gestreckten Armen auf Bauchhöhe nach vorne gestreckt zu halten. In dieser Position kann man lange sowie kurze Radien fahren und dabei darauf achten, zentral auf dem Ski zu stehen“, erklärt Tatjana Mittermayer eine Übung zur Körperposition.

Stockeinsatz unterstützt Rhythmus und Vorlage

Mit der richtigen Position auf dem Ski sollte der Weg zum passablen Kurzschwung nicht mehr weit sein. Häufig scheitert es aber beim richtigen Stockeinsatz und beim Rhythmus - beide Elemente sind für den Kurzschwung sehr wichtig. Das sieht auch Tatjana Mittermayer so: „Zur Umsetzung von kurzen Schwüngen auf der Piste ist es wichtig, auf den Stockeinsatz zu achten. Dieser sollte immer Richtung Skispitze gehen, um so mit einer guten Vorlage auch in einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden. Im Steilhang hilft der nach vorne gesetzte Stockeinsatz, eine stabile Position und kompakte Haltung zu bewahren.“ Aber wann mache ich den Stockeinsatz beim Kurzschwung? Das ist wahrscheinlich die häufigste Frage von Skischülern, wenn es daran geht, seine Stöcke zu benutzen. Die Antwort ist simpel, die Umsetzung oft nicht leicht: Zur Einleitung des Richtungswechsels, bzw. zum Beginn des Schwungs. Aktiver Stockeinsatz beim Kurzschwung bedeutet: Zur Einleitung der Entlastung des Skis und bevor/wenn ich den Impuls zur Beindrehung und dem Umkanten der Ski gebe, nutze ich aktiv den Stock der neuen kurveninneren Hand (bei einem Rechtsschwung rechte Hand), um ihn weit vorn neben der Skispitze einzustechen. So leite ich eine (geringe) Hochbewegung ein, die dazu dient, den Ski zu entlasten, und schwinge quasi um meinen Stock herum.

Rhythmus ist das A und O

Um den Stockeinsatz zu üben, empfehlen sich Kombinationen mit rhythmusfördernden Übungen und ganzheitliche Übungen - denn das Timing ist beim Stockeinsatz entscheidend, nicht die perfekte Ausführung. Rhythmusübungen sind zum Beispiel:
- Fahren in weiteren Radien und stetige Verkleinerung der Radien, bis man schließlich in der Falllinie fährt
- Akustische Signale zur Einleitung jedes Kurvenwechsels (z.B. ein lauter Ruf „Hopp“)
- Variation des Tempos, schnelle Schwungabfolge vs. langsame Schwungabfolge
- Fahren in der Spur des Vordermanns
- Schwingen auf Zuruf eines Begleiters, der direkt hinter einem fährt
- Drei Schwünge in der Falllinie, ein langgezogener Schwung, drei Schwünge in der Falllinie

Es gibt noch viele weitere Übungen, die rhythmisch die ganzheitliche Bewegung beim Kurzschwung schulen. Das soll aber für diesen Teil zunächst ausreichen an Anregungen für die Verbesserung des Kurzschwunges. Mehr zur Technik und weitere Übungen findet ihr unter anderem im Skilehrplan Praxis des Deutschen Verbandes für das Skilehrerwesen. Im zweiten Teil der dritten Folge unseres Skitechnik-Specials möchten wir mit Hilfe von Tatjana Mittermayer die Technik in der Buckelpiste beleuchten.