Zagreb. Letzten Donnerstag fuhren wir einen fantastischen Slalom in Lienz, Österreich, als Mikaela Shiffrin ihren ersten Weltcuppodestplatz mit 16 Jahren schaffte und Sarah Schlepper ihr letztes Weltcuprennen fuhr. Sie trug den für sie typischen Sarah-Stil und kam mit ihrem dreijährigen Sohn auf dem Arm.

Es war für uns alle ein sehr emotionaler Tag. Wir waren traurig, dass Sarah uns verlassen würde, aber auch wirklich glücklich für Mikaela.

Ich war schon 19, als ich meinen ersten Weltcuppodestplatz schaffte. Mikaela fährt zurzeit einfach fantastisch Slalom. Im Slalom ist es wirklich sehr schwer, schnell zu sein, besonders, so wie Marlies Schild gerade fährt – sie hat alle vier Slaloms der bisherigen Saison gewonnen.

Es war Mikaelas fünfter Weltcupstart im Slalom, und es ist kaum zu glauben, dass jemand mit so wenig Weltcuperfahrung schon das erste Mal auf dem Siegerpodest steht. Sie hat zurzeit sehr viel Selbstvertrauen und fährt einfach unglaublich Ski. Sie ist unwahrscheinlich talentiert und trägt ihr Herz am rechten Fleck. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand - außer Lara Gut aus der Schweiz, die 2008 mit 16 den dritten Platz in einer Abfahrt erreicht hat - so jung auf dem Podest stand.

Um so jung erfolgreich zu sein, braucht man das richtige Umfeld, wenn man heranwächst. Man benötigt Talent, und es müssen alle Faktoren passen. Aus technischer Sicht kann sie wirklich gut Druck beim Drehen aufbauen. Im Slalom geht es vor allem darum, wo man den Druck aufbaut, und Mikaela hat ein Riesentalent, den Druck früh  genug aufzubauen. Das ist wirklich schwierig.

Slalom ist einer der athletischsten Bereiche im Skizirkus, und Mikaela ist definitiv eine talentierte Athletin. Sie ist aber auch sehr bescheiden und bodenständig. Sie steht mit beiden Beinen fest auf der Erde.

Ich war seit meinem ersten Jahr mit 15 mit Sarah im Team, und sie war dort schon immer der Sonnenschein. Sie ist verrückt und lustig, extrem sportlich und talentiert. Es ist wirklich traurig, dass sie bei den Rennen nicht mehr dabei sein wird. Ich erinnere mich, als ich 15 war und wir miteinander Klimmzug- und Liegestützwettbewerbe gemacht haben und sie mir dann auch den einen oder anderen Dämpfer verpasst hat. Jetzt ist sie eine großartige Mutter, einfach ein toller Mensch – immer positiv, voller Energie, Freude und Temperament.

Es war einfach ganz Sarah, als sie in ihrem Kleid herunterkam und Lasse aufgehoben hat.

Die dreifache Gewinnerin des Gesamt-Weltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, veröffentlicht auf OnTheSnow wöchentlich ihr Ski-Tagebuch. Lindsey Vonn berichtet in Zusammenarbeit mit John Meyer, Ski-Redakteur der Denver Post