Die dreifache Gewinnerin des Gesamtweltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, holte vergangenen Sonntag, also nur 11 Tage nachdem sie sich beim Riesentorlauftraining  eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, Silber bei der Alpinen Ski-WM in Garmisch. Nachfolgend finden Sie eine gekürzte Mitschrift einer Telefonkonferenz, die sie nach dem Rennen mit Journalisten, darunter der Skiexperte der Denver Post, John Meyer, abhielt.

Über ihre Silbermedaille:

Ich war wirklich glücklich über meine Leistung am Sonntag. Ich hatte hier zuvor einige harte Wochen und die Verletzung hat mir stark zugesetzt, aber dann bin ich einfach ins Rennen gegangen und so gut gefahren, wie ich nur konnte. Ich habe alles, was möglich war, gegeben. Es waren zwar keine 100 Prozent, mit Silber bin ich aber überaus zufrieden. Für mich fühlt sich die Silbermedaille wie eine Goldene an.

Über europäische Journalisten, die sie eine Heulsuse nennen:

Um Wettkämpfe bestmöglich zu bestreiten, fehlt mir derzeit die nötige Konzentration. Das ist hart. Eine Menge Leute stellen eine Menge Vermutungen an. Viele – zumindest in den europäischen Medien –  glauben, dass ich mir das alles ausdenke und gar nicht verletzt bin. . . Ich versuche meine Version der Geschichte zu erklären und teile den Menschen nur mit, wie ich mich fühle.

Über die Nachwirkungen ihrer Gehirnerschütterung:

Abseits der Wettkämpfe und des Skilaufens habe ich mich richtig gut gefühlt. Am Sonntagmorgen ging es mir fantastisch, ich hatte keinerlei Symptome, habe alles medizinisch abgeklärt und war bereit für das Rennen. Ich gebe mir stets alle Mühe, vom Start weg bis ins Ziel den Fokus zu behalten, habe aber noch Probleme nach ungefähr ¾ der Strecke, weil ich dann an Konzentration verliere.

Über das Vertrauen in ihre Gehirnerschütterungs-Tests:

Ich mache das, was die Ärzte mir sagen. Ich fühle mich Tag für Tag etwas besser und mache täglich die Untersuchungen. Leider spüre ich dann beim Rennen immer noch die Nachwirkungen meiner Verletzung. Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Kopfverletzungen generell schwierig einzuschätzen sind.

Über ihre Gefühle beim Rennen:

Wenn ich die Konzentration verliere, dann wird es richtig schwierig für mich, meine Linie beizubehalten und schnell zu sein. Die Schläge auf der Piste sind immer ein Risiko, deshalb habe ich mit aller Kraft versucht, die Ski auf Kurs zu halten. Ich wäre beinahe gestürzt - aber irgendwie habe ich es dann doch bis ins Ziel geschafft. Ich habe so hart wie möglich gekämpft und alles gegeben, was ich zu geben vermochte - und was die Umstände zugelassen haben.

Über das Risiko, dass ein weiterer Schlag auf den Kopf vor ihrer völligen Genesung ernsthafte, gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte:

Das ist mir vollkommen bewusst. Meine Ärzte haben mir das erklärt. Mir ist klar, dass ich ein hohes Risiko eingehe. Ich denke aber auch, dass wir sichere Entscheidungen gefällt haben. Ich habe alle Tests bestanden und ich bin überzeugt davon, dass wir richtig gehandelt haben.