Die dreifache Gewinnerin des Gesamt-Weltcups, US-Skistar Lindsey Vonn, veröffentlicht auf OnTheSnow.com wöchentlich ihr Ski-Tagebuch. Lindsey Vonn berichtet in Zusammenarbeit mit John Meyer, Ski-Redakteur der Denver Post.

21.2.2011

Nach einer freien Woche ohne körperliche Aktivitäten, in der ich mich super erholen konnte und versucht habe, mein ganzes System wieder hochzufahren, fühle ich mich prächtig und spüre auch keine Nachwirkungen der Gehirnerschütterung mehr.

Montag habe ich ein Slalomtraining absolviert und das lief sehr gut. Ich hatte keinerlei Probleme, was mich mit viel Zuversicht den am Wochenende in Aare (Schweden, Anm. d. Red.) stattfindenden Rennen  entgegensehen lässt.

Meine freie Woche habe ich in einem Wellnesshotel in Österreich verbracht. Das war Entspannung pur. Sozusagen ein kleiner Kurzurlaub für meinen Mann und mich. Mitten in der Saison eine so lange Pause einzulegen, war zwar ein ziemlich eigenartiges Gefühl, aber ich habe das wirklich gebraucht. Es hat mir sehr geholfen. Mein Kopf fühlt sich jetzt richtig gut an.

Die Auszeit habe ich mir natürlich hauptsächlich wegen meines Kopfs genommen. Jetzt bin ich aber auch ausgeruht und kann es kaum erwarten, die restliche Skisaison in Angriff zu nehmen. Eigentlich möchte ich WM-Rennen nie verpassen, aber in diesem Fall verhilft mir die Pause eventuell sogar zu einem kleinen Vorteil im letzten Saisonabschnitt. Alle anderen sind total erschöpft vom ganzen Druck der WM-Rennen. Für mich hoffe ich, dass ich wieder so gut Ski fahre wie vor meiner Gehirnerschütterung.

Einige der Reaktionen auf meine Entscheidungen im Zusammenhang mit meiner Gehirnerschütterung haben mich wirklich erstaunt. In vieler Hinsicht war das Ganze lächerlich. Einerseits wurde ich angegriffen, weil mir Leute vorgeworfen haben, ich würde meine Verletzung nur vortäuschen und eine Show abziehen. Andererseits wurde mir aber auch übel genommen, dass ich an der WM-Abfahrt teilgenommen habe, obwohl es anscheinend zu gefährlich war, und dass ich aufgrund der Teilnahme am Rennen trotz Kopfverletzung ein schlechtes Beispiel für die Kinder abgegeben hätte.

Das war wirklich frustrierend, denn was ich auch getan hätte, irgendjemand hätte immer etwas Negatives darüber gesagt. Deshalb bin ich auch sehr glücklich über die Entscheidungen, die wir getroffen haben. Meine Ärzte, mein Mann und ich haben uns alles reiflich überlegt und dann entschieden. Wir haben alle Tests durchgeführt und ich habe sie bestanden, bevor ich meine Ski wieder anschnallen durfte. Ich höre auf meine Ärzte und nicht auf die Journalisten. Niemand außer mir weiß, was in mir vorgeht. Es ist einfach, vom Fernsehsessel aus alles zu kommentieren.

In der laufenden Weltcup-Saison stehen noch 12 Rennen auf dem Programm: Sechs Speed-Rennen, vier technische Rennen und zwei Super-Kombis. Aktuell liege ich im Kampf um den Gesamtweltcup 156 Punkte hinter Maria Riesch. Ich weiß, dass ich jede Möglichkeit nutzen muss, bin aber optimistisch. Wenn ich so gut ich kann Ski fahre, besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich meinen Titel verteidigen kann.