Wenn die Kirchenuhr am 16. September 2008 drei Mal schlägt, beginnt für den deutschen Ausnahmesportler Christian Flühr (35) die härteste Prüfung seiner Karriere. Er wird versuchen, seinen eigenen Rekord in der SnowWorld Landgraaf auf 111 Stunden nonstop zu verbessern. Am vergangenen Freitag kam der 10-fache Ski-Weltrekordhalter in Landgraaf an und zieht seitdem seine Bahnen im Schnee unter dem Hallendach. Christian Flühr wurde in der Skihalle direkt von seiner holländischen Teamchefin Sabrina Hoever (27) aus Kerkrade in Empfang genommen, die die letzten Schritte der Vorbereitung ihres Sportlers betreut.

Schwerer privater Rückschlag
Als Christian Flühr mit der konditionellen Vorbereitung auf die 111 Stunden in Landgraaf Anfang Juli 2008 begann, fand dieses noch unter ganz anderen Vorzeichen statt. „Ich habe in der letzten Woche einen schweren Schicksalsschlag hinter mich bringen müssen. Genau zum falschen Zeitpunkt. Ich habe eine Woche ohne jeden Schlaf hinter mir, habe starke Beruhigungsmittel genommen und habe nichts essen können. Acht Kilogramm habe ich nun weniger. Inzwischen habe ich mich unfreiwilliger Weise ein wenig frei geschwommen. Es geht aufwärts. Mehr will ich zu diesem Thema gar nicht mehr erzählen“, erzählt das Ski-Ass sehr nachdenklich. Christians physiotherapeutische Betreuerin Febe den Hollander aus Heerlen (NL) hatte in den letzen Tagen viel zu tun, um Christians verspannte Muskulatur wieder auf Vordermann zu bringen. Sabrina Hoever gibt sich zuversichtlich: „Es geht bergauf. Ich bin mir sicher, dass Christian zum Start fast wieder ganz der Alte ist.“

Der härteste Weltrekordversuch
Jede Menge Energie und Selbstbewusstsein sollte Christian Flühr in jedem Fall zu diesem neuen Ausdauer weltrekordversuch mitbringen, nicht ohne Grund unterstrich er in der Vergangenheit immer wieder, dass der letztjährige Versuch in Landgraaf der härteste aller zehn Rekordfahrten gewesen ist. Für Mitte September hat sich Christian 111 Stunden als Ziel vorgenommen. Mit vielen Konditionseinheiten brachte sich der Deutsche in den letzten Wochen langsam in Form. „Christian ist so viel gelaufen wie noch in keiner Vorbereitung. Das habe ich deutlich gemerkt. Das ist aber auch bitter notwendig für das Pensum, was in der Snowworld von ihm abgefordert wird. Es gibt im Unterschied zu den Outdoor-Versuchen keine Sonne, nur 520 m zum Schlafen beim Hinauffahren und konstant -5°C. Das ist auf Dauer sehr kalt“, bringt es Sabrina Hoever auf den Punkt, die genau weiß wovon sie spricht, da die SnowWorld ihr Heimskigebiet ist.

Im Dienste der Wissenschaft
Wie schon in Obergurgl im vergangenen Winter nimmt sich die Wissenschaft auch dem 11. Rekordversuch an. Unter der Federführung von Dr. Christian Schmidt vom Klinikum in Augsburg wird eine Referenzstudie zu der Weltrekordfahrt in Obergurgl erstellt. Für Christian Flühr bedeutet das eine zusätzliche Belastung, da er Messgeräte am Körper tragen muss, die Kalorienverbrauch, Körperwerte und vor allen Dingen Gehirnströme messen. Alleine am Kopf werden dazu rund 15 Kontaktpunkte mit Sekundenkleber auf der Haut befestigt, damit sie halten. „Aber was tue ich nicht alles für die Wissenschaft. Ich spiele doch gerne Versuchskaninchen und die Kontaktpunkte sind eine echte Tortur“, meint Christian mit einem leicht ironischen Unterton.

Die Frage nach dem Warum?
Bleibt abschließend die Frage nach dem Warum? Christian dazu: „Sicher ein bisschen Lust Grenzerfahrungen zu machen, eine Prise Ski-Verrücktheit, gepaart mit einem gesunden Selbstbewusstsein sich solchen Herausforderungen freiwillig stellen zu wollen. Nur der eigentliche Grund im Hintergrund ist Geschichte, deshalb geht es nun mit der jetzt erst Recht Gefühl am 16. September an den Start. Ich komme, ich will und wir werde siegen, mein Team und ich!“ Christian Flühr plant für diesen Winter noch 2 weitere Rekordversuche, zum Jahreswechsel will er rund 100 verschiedene Liftanlagen an einem einzigen Skitag benutzen und im Februar soll sein letzter Outdoor-Rekordversuch gestartet werden. Das wären, wenn alles klappt, 13 Rekorde, die Christian Flühr in seiner Karriere aufgestellt hätte.

Fakten zur Rekordfahrt
Christian Flühr startet am 16. September 2008 um 3 Uhr morgens und wird, wenn er die Strapazen durchhält, am 20. September 2008 gegen 18 Uhr ins Ziel fahren. Während des Rekords wird Sylvie Maier aus Altötting versuchen, den Damenweltrekord auf 33 Stunden zu verbessern und damit ihren ersten Ausdauerrekord aufstellen. Der Eintritt für Zuschauer ist umsonst. Eingebettet ist das Rekordvorhaben in ein Rahmenprogramm mit einem Igludorf, einer großen Siegesparty. Die Snowworld in Landgraaf liegt direkt vor den Toren Aachen an der deutsch-niederländischen Grenze. Die Rekordbedingungen sind bei Christians Rekordfahrten sehr schnell zu erklären. In den 111 Stunden gibt es für den Sportler kein Abschwingen, kein Anstehen am Lift, nur Skifahren, Skifahren, Skifahren! Einzige Unterbrechung des Ganzen ist die Liftfahrt nach oben und die vom Rekordbuch vorgeschriebenen Pausen im Ausdauerbereich von 5 Minuten nach jeder Stunde. Die Pausen kann der Weltrekordhalter aber auch sammeln und muss sie nicht nach jeder Stunde nehmen. Einmal am Tag entscheidet ein unabhängiger Rennarzt über die Renntauglichkeit des Extremsportlers.