Ski2b.com: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wahl zur neuen BSV-Präsidentin. Du trittst die Nachfolge von Alfons Hörmann an, der nun DSV-Präsident ist. In wie weit möchtest Du seinen eingeschlagenen Weg als ehmaliger BSV-Präsident fortsetzen?
Miriam Vogt: Der Übergang von Alfons Hörmann zu mir wird sehr weich von statten gehen, da wir in den vergangenen drei Jahren unserer Amtsperiode sehr eng und in großer Übereinstimmung zusammengearbeitet haben. Diese enge Schnittstelle wird auch in unseren beiden neuen Positionen erhalten bleiben. Eines unserer richtungsweisenden Projekte, wie die Partnerschulen des Wintersports (PZW), werde ich mit der neuen Mannschaft weiter intensiv vorantreiben. Hier herrscht somit Kontinuität.
Dennoch bedingt allein schon die Individualität der Menschen, dass wir mit unterschiedlicher Handschrift beizeiten agieren werden. Deshalb ist auch die neue Präsidiumsmannschaft mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten besetzt. Rolf Feuchtenberger als Kenner der Regionen und bereits in der zweiten Amtsperiode, ein Unternehmer und Steuerexperte mit Manfred Baldauf, mit Stefan Alraun ein Betriebswirt und ehemaliger Leistungssportler nordisch und Gerhard Veitenhansl als ehemaliger Leiter einer Sportfördergruppe mit großen
Organisationsfähigkeiten.

Ski2b: Als bisherige Vize-Präsidentin des BSV konntest Du sicherlich schon tiefe Einblicke in die Verbandsarbeit gewinnen. Wie kannst Du dieses Wissen und Deine Erfahrungen als ehemalige Weltcupfahrerin auch in das neue Amt übertragen?
Miriam: Die drei Jahre Vorbereitung auf der Vize-Position waren für mich eine hervorragende Lehrzeit für die neue Führungsaufgabe. Wer Leistungssportler in einer unserer Disziplinen war, hat den notwendigen 'Stallgeruch'. Dieser hilft besonders in Phasen, in denen der Schumusekurs einmal verlassen werden muss. Am wichtigsten für mich aber ist die Gesamtbetrachtung: ehemalige Leistungssportlerin, beste Berufsausbildung und die Fähigkeit Menschen das
mitzuteilen, was mir am Herzen liegt.

Ski2b: Wie glaubst Du, kann man die Nachwuchsarbeit verbessern, die Du als einen Schwerpunkt Deiner Tätigkeit in der Antrittsrede benannt hast?
Miriam: Die Frage ist komplex - hat hohe Bedeutung. Das spannende, manchmal auch zermürbende an diesem Thema ist, dass Entscheidungen sich erst nach 5-6 Jahren bemerkbar machen. Dann wenn eine Athletengeneration manchmal schon fast am Zenit ist. Der entscheidende Faktor wird der Mensch sein, Trainer, wie Athlet, plus diejenigen, die in der Administration das Gesamtsystem unterstützen. Unsere wichtigsten Chancen und Kernsäulen sind u.a.:
- Starke Partnerschulen des Wintersports
- Persönlichkeiten mit Fach- und pädagogischer Kompetenz an der richtigen Position
- Mehr Dienstleistung und Unterstützung für die Regionen durch den BSV
- Mitwirken bei der Schaffung von Infrastrukturen, also Trainingszentren, die Nachwuchsleistungssport ermöglichen
- Eine bessere Vorbereitung der Athleten auf ihre Aufgaben im ganzheitlichen Sinn, sportlich top und persönlich reif

Wer tiefer in die Themen einsteigt erkennt sehr schnell, dass alles ineinander greift. Ein lebendiger Organismus Schule und Sport wird entscheiden, ob es für junge Menschen und deren Eltern wieder erstrebenswerter sein wird, ein
Nachwuchssportler sein zu wollen. Meine Meinung ist klar: Sport ist die beste Lebensschule. Alle Beteiligten tragen allerdings eine hohe Verantwortung füreinander.

Ski2b: Gibt es weitere Ziele, die Du als BSV-Präsidentin erreichen möchtest und gehört eine Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen vielleicht zu den geheimen Wünschen, die Du in Deiner Amtszeit verwirklichen möchtest?
Miriam: Die WM 2011 in GAP ist ein klares Ziel der bisherigen und neuen BSV-Mannschaft. Das kann ich hier deutlich sagen. Wir müssen alles tun, um gemeinsam dieses zu realisieren. Wir alle brauchen diese Euphorie einer heimischen Weltmeisterschaft. Das hat Oberstdorf gezeigt. Ziele in diesem Kontext sind u.a. das Athletenhaus in Garmisch-Partenkirchen, damit auch hier eine Internats-Alternative für junge Athleten zur Verfügung steht. So benötigt Alpin ein Image, das anzieht, im Nachwuchs- und Breitensport. Die Chance, eine eigene WM zu realisieren, ist der beste Antrieb um Menschen, Projekte und Regionen zu bewegen.

Ski2b: Miriam, wir bedanken uns für das Interview und wünschen viel Erfolg in Deiner Amtszeit.