Auch in der 8. Auflage des Kult-Rennens in Lech-Zürs waren wieder 1.000 Rennläufer am Start. Seit über 50 Jahren verbindet der Weiße Ring Lech mit Zürs, Zug und Oberlech. 5.500 Höhenmeter und 22 Abfahrtskilometer werden dabei überwunden. Auf dem wohl beliebtesten Skikarussell in den Alpen ist keine Piste wie die andere. Nur eines haben sie gemeinsam: Um auf den ersten Rängen zu landen, sollten möglichst alle im Schuss bezwungen werden.

Gespannt vor dem Start

Eva aus Dornbirn ist schon zum vierten Mal dabei. Heute trägt sie die Startnummer 189 und muss warten, bis sie an den Start gehen kann. Derweil verfolgt sie gespannt die ersten Starts. „Dabei sein ist alles. Heuer bin ich wohl nicht die Schnellste, aber freu mich, dabei zu sein“, sagt die 20-Jährige begeistert. Der Weiße Ring beginnt auf dem 2.362 Meter hohen Rüfikopf, direkt an der Bergstation der Gondeln auf einer kleinen Anhöhe.

Dichtes Gedränge am Rüfikopf

Dicht gedrängt drängen sich die Rennläufer vor dem  Rüfikopf-Restaurant, um die letzten Renndetails zu besprechen. Es würde doch Spaß machen, sich mal um eine der 1.000 Startpositionen für das Rennen zu bewerben, denke ich mir. Das Wetter ist zwar nicht das Beste. Aber dafür freue ich mich auf ein verrücktes Skirennen für Skifahrer und Snowboarder, bei dem ich live auf der Strecke dabei sein kann. Gestern fuhr ich die Strecke noch bei strahlendem Sonnenschein mit einem Skilehrer ab, der ausgezeichnete Tipps gab, meine Fahrtechnik weiter zu verfeinern. Und am Tag zuvor durfte ich die Strecke sogar bei einem Renntraining mit dem Olympiasieger Patrick Ortlieb befahren, der noch immer den Streckenrekord beim Weißen Ring hält. Also eigentlich beste Voraussetzungen…

Training mit dem Olympiasieger

Zwei Tage zuvor: Patrick Ortlieb erklärt einer kleinen Gruppe, über welche Kuppen man bedenkenlos drüber brettern kann, welche Wellen hingegen gefährlich sind, wie man welche Kurve am schnellsten fährt und was die besten Einstiegspositionen für den Lift sind – damit man beim Aussteigen wieder Zeit spart. Keiner kennt sich aus wie er, der mit einer Zeit von 44:35:07 Minuten noch immer den Streckenrekord hält. Besondere Vorsicht ist bei der fast fünf Kilometer langen Skiroute, die vom Madloch Joch hinab nach Zug führt, geboten. An der Querung eines Güterwegs über die Piste warnt Patrick: „Hier müsst´s ihr aufpassen, die Welle ist extrem.“ An anderen Stellen hat er aber auch Sprüche auf Lager wie „Langsam fahren ist hier sowieso gefährlicher, da geht nur Schuss“, um die Fahrer anzuspornen. Aber nicht nur zur Streckenführung und zur besten Linie hat Patrick praktische Tipps, sondern auch zur allgemeinen Vorbereitung. „Lasst´s nie eure Ski die Nacht vor dem Rennen im Warmen stehen“, empfiehlt er, „sonst bildet sich Eis unter den Ski und das bremst.“ Wenn sich einer mit Schnee auskennt, dann der Olympiasieger. „Schneekristalle sind aggresiv“, so Ortlieb.

Das Rennen

Neun Uhr morgens, Bergstation Rüfikopf. Die Rennläufer nehmen Anlauf zur ersten Etappe des Rennen, welche über Schüttenbodenlift, Trittalpbahn und die beeindruckende Hexenboden-Piste nach Zürs führt. In 20er Gruppen und 1:40 Minuten Abstand starten die Teilnehmer in die Skirunde. Vorsichtig begeben wir uns mit den roten Presse-„Bibs“ auf die Piste, entlang der wir uns auf der Seite von Station zu Station hangeln, zum Teil abseits der Piste, um die Rennläufer nicht zu stören und dennoch die besten Eindrücke vom Rennen zu gewinnen. Wir begegnen einem Rennläufer, der sich nach einem unfreiwilligen Ausflug in den Tiefschnee auf die Piste zurück kämpft. In Zürs beginnt nun der nächste große Anstieg auf 2.444 Meter Seehöhe, die wir mit Zürserseebahn und Madlochbahn erklimmen (die Rennläufer nehmen als Einstieg die Seekopfbahn). Kurz vor der Madlochbahn liegt ein kurzer Abschnitt mit einer Kompression und einem anschließendem Anstieg. Schuss durchfahren ist gefährlich, anders kommt man aber nur schwer ohne Schieben auf die Madlochbahn. An der Bergstation Madloch pfeift der Wind und es nebelt.Schade, wir erfahren dass die Madloch Abfahrt nach Zug aufgrund schlechter Witterung aus der Wertung genommen wird. Die Skiroute mit der Nummer 33 ist der anspruchsvollste Teil des Weißen Rings. Aber die echten Profis fahren auch hier im Schuss runter. Natürlich heute nicht, wo dieser Abschnitt ja nicht zählt. An der Talstation Zug haben es die Profis plötzlich wieder eilig. Klar, ab hier gilt die Wertung wieder. Die Zugerbergbahn führt noch einmal hoch hinaus auf das Balmengrat auf 2.106 Meter Höhe. Die Balmalp passierend, wird den Rennläufern noch einmal alles abverlangt. Denn bis zur Talabfahrt nach Lech sind noch etwa 100 Meter leicht bergauf zu überwinden. Manche Snowboarder nehmen das Brett gleich unter den Arm und rennen was das Zeug hält. Skifahrer zeigen ihre Langlaufqualitäten auf Alpinski. Nicht alle nehmen es freilich so streng mit der Zeit. Denn auf der Balmalp wird ein köstlicher Schnaps ausgegeben.

Im Ziel

Auf der blauen Zielpiste heißt es schließlich wieder Schuss fahren, soweit es geht. Skifahrer und Boarder demonstrieren ihre Balance bei leichten Sprüngen über die letzten Hügel. Das Zieltor ist nun nur noch wenige hundert Meter entfernt. Im Ziel amüsieren sich die Zuschauer über Stürze auf den letzten Metern und Snowboarder, die kurzerhand auf dem Hosenboden ins Ziel rutschen.

Über Applaus können sich die Sieger des Rennens sicher sein. Unter den Männern konnte dieses Jahr Pepi Strobl mit einer Tagesbestzeit von 1:06.14 Stunden als Overall Sieger das Rennen für sich entscheiden. Siegerin unter den Damen wurde bereits zum vierten Mal hintereinander die Lecherin Angelika Kaufmann mit einer ebenso spektakulären Zeit von 1:06.59 Stunden.

Noch eine Runde

In der „Schneggarei“ haben Babsi und Ricki heute alle Hände voll zu tun. Sie kümmern sich um die Getränke in der Kultbar direkt am Zieltor an der Talstation  der Schlegelkopfbahn. Viele Rennläufer kehren hier müde und matt noch auf ein Zielbier ein. Natürlich nicht auf eine Weiße mit Schuss, sondern auf ein Fohrenburger Weizen aus Bludenz, um sich von den anstrengenden Strapazen des Rennens zu erholen. Und gleich noch eine Runde wird bestellt.

Marco bäckt die begehrten Pizzen, die auch den größten Hunger nach der aufreibenden Skirunde schnell stillen. Derweil ist es im kleinen romantischen Zug schon wieder still im Tal. Ein paar Langläufer sind noch auf der Loipe. Partygänger verbringen die Nacht lieber in Lech, wo noch bis in den Morgen gefeiert wird. Eva, erfahre ich, hat es auf Platz 14 unter den Damen geschafft. Respekt, und das bei immerhin 170 Rennläuferinnen!

Der Weiße Ring - Fakten

Fazit
Wer nach Lech zum Skifahren kommt, sollte sich den Weißen Ring auf keinen Fall entgehen lassen. Die eindrucksvolle Skirunde gehört zu den schönsten im gesamten Alpenraum und begeistert neben bestens präparierten Pisten mit einem traumhaften Panorama.

Fakten
Weißer Ring. Legendäre Skirunde im Skigebiet Lech-Zürs (Vorarlberg). Verbindet Lech mit Zürs, Zug und Oberlech. Sechs Lifte, 5.500 Höhenmeter, 22 km Skiabfahrten. Zur leichteren Orientierung führen Ringsymbole durch den Weißen Ring. Der Einstieg befindet sich an der Bergstation der Rüfikopfbahn in Lech.

Weitere Infos
Der Weiße Ring - Alle Infos über das legendärste Skikarussell der Welt
www.derweissering.at

Lech-Zürs – von Pistenplan bis Unterkunftsverzeichnis
www.lech-zuers.at