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150 Jahre Wintertourismus: Graubünden feiert die Tradition und blickt in die Zukunft

4. Dezember 2014 | Skiinfo

News Regionen: Graubünden

Skigebiete in diesem Artikel: Engadin St. Moritz, Arosa Lenzerheide, Davos Klosters, Flims Laax Falera, Brigels - Breil

150 Jahre Wintertourismus: Graubünden feiert die Tradition und blickt in die Zukunft- ©Graubünden Ferien

Graubünden ist Heimat der Steinböcke

Copyright: Graubünden Ferien

Graubünden, Heimat der Steinböcke, Kanton der 1000 Berge und 150 Täler, feiert. Es feiert 150 Jahre Wintertourismus. Und darf sich somit zurecht als Wiege des ebendiesen bezeichnen. Im Jahr 1864 war es der St. Moritzer Hotelier Johannes Badrutt, der durch ein Angebot an seine britischen Sommergäste eher unfreiwillig zum „Erfinder“ des Winterurlaubs wurde. Er lud sie ein, doch im Winter mal in sein Hotel zu kommen. Falls es ihnen wider Erwarten nicht gefalle, würde er, Badrutt, die Kosten übernehmen. Und so kamen die Gäste im Winter 1865/65 an Weihnachten – und blieben bis Ostern. Es war die erste touristische Wintersaison in den Alpen und somit die Erfindung der Winterferien.

150 Jahre später hat sich Graubünden zu einer der beliebtesten Winterurlaubsregionen entwickelt. Skigebiete wie Laax, St. Moritz, Davos oder Arosa Lenzerheide sind vielen Skifahrern ein Begriff und zählen zum Besten, was Europa zu bieten hat. Doch der Wintertourismus in der Schweiz und auch in Graubünden musste sich in den letzten Jahren großen Herausforderungen stellen. Gäste aus Deutschland blieben aufgrund des starken Frankens aus, die Klimaerwärmung sorgte regelmäßig für schneearme Winter, das allgemeine Interesse am Skisport im westlichen Europa stagnierte. Da braucht es Innovationen, um weiter im Tourismusgeschäft Erfolg zu haben.

Zum Glück kennt man sich in Graubünden mit Innovationen aus, schließlich wurde hier nicht nur der Wintertourismus, sondern auch der Skilift erfunden. Am 24. Dezember 1934 transportierte dieser in Davos die ersten Skifahrer und gilt als Urvater des bis heute eingesetzten Ankerliftes. Auch die erste Snowboardschule kommt aus Graubünden, 1984 in Scuol gegründet, oder die Pauschalskiwoche, die erstmals 1964 in Savognin angeboten wurde. Innovationen sind also den Bündnern nicht fremd. Auch nicht Gaudenz Thoma, Geschäftsführer von Graubünden Ferien, der uns erzählte, was man in Graubünden alles tut, um den Herausforderungen der Neuzeit Herr zu werden. Warum, Herr Thoma, ist Graubünden immer noch ein lohnenswertes Winterziel? Und wie reagieren die Skigebiete des Landes auf die Veränderungen der letzten Jahre?

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Graubünden - © Graubünden Ferien
Freerider - © Graubünden Ferien
Graubünden CEO Gaudenz Thoma - © Graubünden Ferien
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„Die Anstrengungen der Bündner Wintersportgebiete lassen sich mit drei Begriffen zusammenfassen: Qualität, Convenience, Komfort“, sagt Thoma. „In diesen Bereichen wurde in den letzten Jahren gerade bei den großen Unternehmungen substantiell investiert. Nachdem wir bei den Skipasspreisen im alpinen Vergleich absolut wettbewerbsfähig sind, kann bereits ein kleines Plus in diesen Bereichen den entscheidenden Unterschied machen. Die Bergbahnen investieren deshalb in moderne Transportanlagen, die Beschneiung sowie in die Qualität des Pistenangebots und der Pistenpräparation. Eine Entwicklung, die sich quer durch die ganze Region zieht.“

Dabei gibt es für Skiurlauber bereits jetzt viele Gründe, Graubünden als Ferienregion in die engere Auswahl zu ziehen: „Die Höhenlage und sprichwörtliche Vielfalt des Angebots heben uns von der Konkurrenz ab“, so Thoma. Als durchschnittlich höchste Region der Alpen profitiere man davon, dass die Skigebiete mehrheitlich in Höhenlagen ab 1‘500 m.ü.M. und aufwärts liegen. „Dies macht Graubünden zu einer der schneesichersten Regionen der Alpen.“ Noch ein Plus: In den zahlreichen Resorts kann der schweizerische Kanton verschiedene Interessen befriedigen. „Graubünden bietet mit seinen rund 40 Wintersportgebieten eine wohl unerreichte Vielfalt: vom mondänen St. Moritz über das trendige Laax zum familiären Brigels, vom Pionier Davos über das neu verbundene Arosa Lenzerheide bis hin zum kleinen, feinen, solarbetriebenen Tenna“, zählt Thoma einige Skigebiete auf. Und ergänzt: „Die internationalen Auszeichnungen, welche gleich mehrere Gebiete Graubündens eben wieder eingeheimst haben, sind ein Beweis dafür, dass auch aus Gästesicht offensichtlich vieles richtig gemacht wird.“

Thoma sieht das große Ganze, das wird schnell klar. Und so kann der gelernte Betriebsökonom auch schwerlich eine Innovation aus Graubünden nennen, die ihn besonders fasziniert: „Nun, wirklich stolz macht mich die Tatsache, dass es nicht bei der einen großen Innovation geblieben ist, sondern bis zum heutigen Tag kreative Köpfe immer wieder für frischen Schwung im Tourismus sorgen. Was Johannes Badrutt vor 150 Jahren mit der legendären Wette in St. Moritz begründet hat, spiegelt sich in der Gegenwart etwa im ersten Solarskilift der Welt in Tenna, in nachhaltigen Energiekonzepten der Bündner Hotellerie oder in der Skigebietsverbindung von Arosa und Lenzerheide. Der Blick in die Zukunft sagt mir, dass die Bestrebungen im Bereich Nachhaltigkeit sowie das Gesamterlebnis am Berg noch weiter an Bedeutung gewinnen werden.“

Dabei hat das Bergerlebnis in den Bündner Skigebiete bereits heute eine besondere Bedeutung. Verschiedene Maßnahmen und Events sollen dieses in den kommenden Jahren aber noch weiter in den Mittelpunkt rücken, so Thoma. „Die FIS-Ski-WM von 2017 in St. Moritz wird die ganze Region in ein internationales Schaufenster stellen und die Schneesport-Kompetenz Graubündens untermauern. Beim Pistenangebot setzen immer mehr Bergbahnen auf einfachere, jederzeit perfekt präparierte Pisten, um Wiedereinsteigern und neuen Gästesegmenten den Einstieg zu erleichtern. Zu diesen Zielgruppen gehört auch der Nachwuchs. Mit dem Projekt „Gorilla“ setzt Graubünden Ferien zum Beispiel gemeinsam mit den Bergbahnen Graubünden einen nachhaltigen Akzent im Bereich Nachwuchsförderung. Das Ziel ist es, bewegungsfreudige Jugendliche aus urbanen Gebieten für den Wintersport zu gewinnen. Große Anstrengungen laufen auch im Bereich der Gastronomie im Skigebiet. Die Massenabfertigung im Selbstbedienungsrestaurant ist Vergangenheit, qualitativ hochstehende, vielfältige und oft regional verankerte Gastronomieangebote sind heute wichtiger Bestandteil des Gesamterlebnisses am Berg“, so Thoma.

Nachhaltigkeit, Gastronomie, perfekt präparierte Pisten, das ist natürlich nicht alles, was sich die Skigebiete in Graubünden einfallen lassen. Auch vor dem digitalen und demografischen Wandel, den Herausforderungen und Möglichkeiten, die dieser mitbringt, hat man im größten Kanton der Schweiz keine Angst. „Der Gast erkundigt sich online über Pistenangebot und -zustand, findet auf der Wetterplattform www.wetter-graubuenden.ch mobil oder auf dem Desktop Informationen darüber, wo in Graubünden es in den kommenden Tagen am sonnigsten sein wird und verschafft sich via Webcam einen Live-Eindruck vom jeweiligen Skigebiet. Im Idealfall findet er auch gleich passende, online buchbare Angebote“, weiß Thoma über ein digitales Angebot Graubündens zu berichten. „Social Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram bieten schließlich die Möglichkeit, Erlebnisse zu teilen und Empfehlungen weiterzugeben. Dies alles gehört heute zum Standard und wird in Graubünden nicht nur von Graubünden Ferien, sondern von den meisten Destinationen und Bergbahnunternehmungen systematisch praktiziert.“

In Bezug auf die immer älter werdende Gesellschaft stelle man zudem fest, dass das Thema Sicherheit und Stressfreiheit gerade für die wachsende Zahl älterer Wintersportler von zunehmender Bedeutung sei, so Thoma. Die Skigebiete seien gefordert, dieser Entwicklung mit entsprechenden Angeboten zu begegnen. „Breitere Pisten, Chillout-Slopes oder gar ganze Langsam-Skigebiete wie die Schatzalp in Davos sind mögliche Ansätze dazu. Hier sind wir aber sicher noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen“, weiß Thoma, dass es noch viele Möglichkeiten gibt, die Angebote zu optimieren.

Eines sei aber bei allen Entwicklungen des touristischen Angebotes auf keinen Fall zu vergessen. „Weniger ist auch im Urlaub oft mehr und Ferien sind dazu da, die Batterien wieder aufzuladen. Mein Tipp an alle Gäste, die uns in Graubünden besuchen: Lassen Sie die Hektik zu Hause und genießen Sie Ihren Winterurlaub hier ganz bewusst. Das hält dann auch länger an.“

Mehr zu 150 Jahren Wintertourismus in Graubünden: http://www.graubuenden.ch/150-jahre-wintertourismus

Alle Skigebiete Graubündens auf Skiinfo: http://www.skiinfo.de/graubuenden/schneehoehen-schneebericht.html

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