Nach einem schweren Kletterunfall am 5. April im Kletterzentrum Nordhessen in Kassel hat die Leitung der Halle das Sichern mit Tube dort verboten. Die Anweisung im Wortlaut:

"Liebe Kletterer,

durch ein Sicherungsdefizit des Tube ist Gestern leider ein erfahrener Kletterer bei uns verunfallt. Wir sind froh, dass keine Lebensgefahr besteht.

Als Konsequenz dieses bedauerlichen Unfalls hat die Leitung der Kletterhalle verfügt, dass das von den beiden Kletterern ausgewählte Sicherungsgerät Tube in unserer Halle nicht mehr benutzt werden darf. Wie schon in der Vergangenheit raten wir zu einem Smart oder einem Grigri.

Wir wünschen der Seilschaft gute Besserung."

DAV Sicherheitsforschung untersuchte zahlreiche Unfälle

Bereits vor einiger Zeit veröffentlichte die DAV Sicherheitsforschung eine Studie von Unfällen in Kletterhallen. Demnach passierten 78 % der gemeldeten Unfälle beim Vorsteigen. Das sei wenig überraschend. Erschreckend sei jedoch, dass an zweiter Stelle (12 %) Unfälle beim Ablassen stehen, einige davon mit Wirbelsäulenverletzungen. Der Rest geschah beim Toprope-Klettern (7 %) und beim Sturztraining (3 %). Die meisten fatalen Fehler macht nicht der Kletterer sondern der Sicherer: 58 % der Bodenstürze (ohne Ablassunfälle) sind die Folge falschen oder schlechten Sicherns. Hier steht laut Sicherheitsforschung seit einigen Monaten das weit verbreitete Sicherungsgerät Tube im Zentrum der Diskussion: Mit den Tubern passieren rund 70 % aller Unfälle (obwohl nur ca. 60 % der Kletterer mit Tube sichern, Stand 2012).

Die drei häufigsten Fehler bei der Bedienung des Sicherungsgeräts sind: Verletzung des Bremshandprinzips, ein unsauberer Griff um das Bremsseil, eine falsche Position der Bremshand. Auch bei den Ablassunfällen wird häufig angegeben, dass der Sicherer das Bremsseil nicht ausreichend kontrollieren konnte. Immer wieder wird als Unfallursache „zu schnelles Ablassen“ angegeben.

Tube or not Tube?

Der klassische Tube ist das Expertengerät für fortgeschrittene Sicherungsaufgaben wie dem dynamischen Sichern sehr leichter Kletterer und / oder bei viel Seilreibung. Um mit Tube sicher zu sichern, braucht man Erfahrung im Halten von Stürzen, gute Bewegungsroutine und ausreichend Handkraft. Vor allem für Gelegenheitskletterer, Anfänger und leichte Sicherer empfiehlt die DAV-Sicherheitsforschung Halbautomaten (Click-Up, Smart, Grigri, Ergo, Mega Jul). Sie bieten bei korrekter Bedienung ein Plus an Sicherheit - eine kompetente Einweisung vorausgesetzt.

Mehr Infos zur Studie: http://www.alpenverein.de/bergsport/sicherheit/unfaelle-beim-klettern-in-kletterhallen_aid_15007.html