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Bouldern im Magic Wood: Alle Infos zum Klettern im Val Ferrera

6. Juli 2011 | bergleben.de

News Regionen: Schweiz, Braunwald, Ostschweiz

Bouldern im Magic Wood: Alle Infos zum Klettern im Val Ferrera- ©bergleben.de

Impressionen vom Bodhi Camping am Magic Wood/Averstal

Copyright: bergleben.de

"Der Name Magic Wood entstand, weil es hier einfach ein Märchenwald ist. Wenn man hier im Wald rumschleicht, rumschaut, Boulder entdeckt - da herrscht eine regelrecht mystische Stimmung." Schon wenige Minuten, nachdem wir uns kennengelernt haben, wird mir klar: Thomas Saluz, der mit seiner Frau Sience und seiner kleinen Tochter den Bodhi Campingplatz direkt am Eingang zum Magic Wood im schweizerischen Graubünden betreibt, liebt diesen Ort. Seit drei Jahren kümmert sich der junge Familienvater um die Boulderer und den Campingground und ist selbst wahrscheinlich einer der größten Fans vom Bouldern im magischen Wald des Averstals.

Bilder & Videos

Bodhi Camping am Magic Wood/Averstal - © bergleben.de
Bodhi Camping am Magic Wood/Averstal - © bergleben.de
Bodhi Camping am Magic Wood/Averstal - © bergleben.de
Bouldern im Magic Wood - © bergleben.de

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Der Zauberwald liegt etwa einen Kilometer vor der Gemeinde Ausserferrera im Averstal. Er zieht sich auf fast 1250 Meter über dem Meer am Averser Rhein entlang und erhebt sich steil über dem Tal. Hunderte Boulderblöcke findet man im Wald, einige schöne und auch zwei der bekanntesten Boulder liegen direkt am Fluss, der das eiskalte und glasklare Wasser aus den Bergen Richtung Tal befördert.

Ausgangspunkt für alle Boulderer ist Bodhi Camping, ein kleiner und idyllischer Platz, wo im Sommer zahlreiche Boulderer ihr Lager aufbauen. Auch wir sehen Campingbusse, Zelte und viele Kletterer, als wir auf unserem Tagestrip erstmals am Magic Wood eintreffen. Viele liegen gemütlich auf ihren Crashpads und genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages, bevor es bald hinein in den Wald gehen soll.

Bodhi Climbing @ Magic Wood from Bodhi Climbing on Vimeo.

Wir packen unsere Sachen und ziehen los. Etwas oberhalb des Campingplatzes führt ein Weg hinab zum Ufer, eine von der Gemeinde errichtete Holzbrücke bringt die Boulderer über den Fluss und schon steht man mitten im Boulderparadies. Die Sonne scheint durch den mal lichten, mal dicht bewachsenen Nadelwald, über einen Singletrail trotten wir langsam und bedacht Richtung des ersten Sektors, der „Bach“ heißt. Dieser liegt allerdings vorrangig nicht direkt am Fluss, sondern gleich zu Beginn des Waldes rechter Hand. Doch bevor man hierher abbiegt, lohnt sich der Blick auf einen der berühmtesten Boulder des Tals, die „Unendliche Geschichte“. Hier ein kleiner Clip von Peter Würth (GER), der die drei Parts der Geschichte im Jahr 2009 erstmals aneinander reihen konnte.



Im Sektor “Bach” finden sich neben der Unendlichen Geschichte weitere bekannte Linien wie zum Beispiel der Dyno „Dungeons and dragons“ 7b+, „Super Nova“ 7c/7c+ oder „Massive Attack“ 8a+. Um diese als Neuling aber zu finden, solltet ihr nicht ohne den Führer „swissBloc °1“ von Ulrich & Harald Röker losziehen. Hier findet ihr die einzelnen Sektoren und alle erschlossenen Boulder mit Fotos und Topos perfekt aufbereitet. Den Führer könnt ihr natürlich auch im kleinen Shop des Bodhi Campingplatzes erwerben.

Mit Geduld findet jeder seinen Boulder

Bei der Besichtigung der ersten Boulder wird schnell klar: Der Magic Wood ist kein Gebiet für Kletteranfänger oder reine Hallenboulderer. Natürlich gibt es auch einige leichte Boulder von 3a bis 5b, aber der Großteil der Touren findet sich ab 7a aufwärts - und da muss schon ordentlich Strom in den Gliedern vorhanden sein, vor allem viele Sitzstarts sind anspruchsvoll. Aber man sollte sich auch als Beginner nicht abschrecken lassen, denn mit etwas Geduld und Suchvermögen findet im Magic Wood jeder ein Projekt, das ihn richtig anfixt.

Crashpads und Spotter erwünscht

Wir lassen den „Bach“ hinter uns und gehen weiter in den Sektor „Mitte“. Rechts vom Weg erhebt sich Boulder Nummer 4 (die Boulder sind pro Sektor nummeriert, in jedem Sektor geht es also wieder bei Nummer 1 los), ein schöner 5c-Highball. Allgemein sollte man im Magic Wood nicht besonders ängstlich sein, denn viele Boulder sind höher als die übliche „Absprunghöhe“. Es empfiehlt sich also, auch aufgrund des meist verwurzelten, verblockten oder mit Höhlen oder Spalten versehenen Absprungsgeländes, mit mehreren Spottern und Crashpads unterwegs zu sein. Ist man alleine oder nur mit einem Crashpad im Magic Wood, werden viele Boulder psychisch extrem schwer oder einfach unmöglich. Da sich aber meistens viele Boulderer im Wald tummeln, findet man fast immer einen Spotter oder ein Crashpad, dass man nutzen kann.

Granit bester Qualität

Der Sektor „Mitte“ ist zum Teil sehr unübersichtlich, weil viele Bäume und kreuz und quer liegende Blöcke die Orientierung erschweren. Nichtsdestotrotz ist der mittige Teil des Waldes sehr beliebt. An den harten Granitblöcken erster Qualität finden sich überhängende Linien, viele Aufleger-Boulder, senkrechte Wände mit kleinen Leisten - eigentlich jede Art von Boulderline, die man sich vorstellen kann. Solltet ihr 8a-Boulder nicht scheuen, empfiehlt sich der Weg zu „The bizarre ride“ 8a+ und dem Ausstiegsprojekt. Dafür solltet ihr aber einige Crashpads in eurer Hosentasche dabei haben. Anspruchsvollster Block des Sektors ist Nummer 22 mit den Linien „In search of time lost“ 8c, „Remembrance of things past“ 8b+ und „The left hand of darkness“ 8a/8a+.

More than Magic from Highball Productions on Vimeo.



Bouldering at the "Beach"

Am “Beach”, der dritte Sektor des Magic Wood, trifft man meist die sich vor Ort befindliche Boulderelite am „Riverbed“ 8a+/b - einer von Dave Graham erstbegangenen King Line. Für die nicht ganz so fitte restliche Boulderwelt empfiehlt sich ein Stop an Boulder Nummer 21: Direkt am Wasser kann man chillen und sich an den sechs Linien des circa sechs Meter hohen Blocks austoben. Rechts findet man eine machbare 5b, daneben drei Linien von 6a, 6c und 7a. Eine Menge Gleichgewichtsgefühl erfordert der Start von „Grit de Luxe“ 7a+ - unbedingt ausprobieren!

Die weiteren Sektoren „Kamel“, „Haupt 1“, „Haupt 2“, „Haupt 3“, „Swiss“ und „Oben“ bieten weitere, unzählige fantastische Boulderprobleme. Ihr solltet also etwas Zeit mitbringen, wenn ihr den Magic Wood besucht. Thomas Saluz vom Bodhi Camping freut sich, wenn ihr für fünf Franken am Tag seinen Campingplatz nutzt und er euch kennenlernen darf. Wir haben mit Thomas ein kurzes Interview geführt, seht selbst, was er uns über den Magic Wood zu erzählen hat.



Infos zum Bouldern im Magic Wood im Averstal

Anfahrt Auto: Von Chur in Graubünden auf der A13 Richtung Süden/San Bernadino. Hinter Andeer die Ausfahrt ins Averstag nehmen Richtung Rafla, Avers, Ausserferrera und Juf. Dann links unter der Überführung Richtung Avers, nach wenigen Kilometern kommt auf der rechten Straßenseite der ausgeschilderte Parkplatz „Magic Wood“ und Bodhi Camping.

Anfahrt Zug: Von Zürich via Chur, Thusis. Danach per Bus über Andeer Richtung Ausserferrera./Juf. Beim Parkplatz des Campingplatzes ist die Bushaltestelle “Alte Schmelze”.

Unterkunft:
- Campen am Bodhi Camping. Kosten: 6 Franken am Tag).
- Gasthaus Edelweiß in Ausserferrera : Nettes Lokal mit freundlichem Wirtspaar, das Ende 2011 allerdings das Gewerbe aufgibt. Gutes Essen, Pizza ab 10,50 Franken. Wer hingeht um Akkus oder Handys aufzuladen: Freundlich fragen, wenn möglich auch ein paar Franken da lassen! Zum Gasthaus Edelweiß gehört auch das Hotel Generosa, ein gepflegter „Bunker“, nicht besonders edel, dafür aber sauber und mit Fernseh- und Aufenthaltsraum ausgestattet

Wildcampen ist in Graubünden nicht gestattet und wird mit empfindlichen Geldbußen belegt! Lasst es lieber sein!

Einkaufen: In Andeer findet ihr einen kleinen Supermarkt, der (fast) alle Bedürfnisse befriedigt, von Brot bis Dosensuppen und Bier.

Hinweise von Bodhi Climbing
- Wagen so platzsparend wie möglich parken, damit es für alle Platz hat. Bei einem überfüllten Platz könnt ihr den Wagen schnell beim Eingang zum Camping parken und im Shop nach der Besten Lösung fragen.
- Bleibt ordentlich und räumt wieder auf, damit der Nächste alles sauber vorfindet und benutzen kann (Brunnen, Unterstand, Toiletten…)
- Wildes Campen ist im ganzen Kanton nicht gestattet! Auch das Abstellen von Bussen und Campern außerhalb des Campings werden als solche angesehen und bei der Polizei gemeldet.
- Respektiert die Natur! Die Abfalleimer und Toiletten sind für Euch bereitgestellt: Verschont bitte die Landschaft und Wildtiere von euren Emissionen.
- Das Entfachen von jeglichem Feuer ist verboten (mit Ausnahme der offiziellen Feuerstelle)!
- Der Parkplatz vor den Zeltplätzen ist nur für Gäste von Bodhi Camping. Tagesbesucher benutzen bitte denjenigen beim Eingang zum Bouldergebiet.
- Achtung: Das eigentliche Bouldergebiet “Magic Wood” befindet sich in einer Steinschlagzone. Außerdem kann der Wasserstand des Flusses jederzeit stark anschwellen!
- Bitte beachtet, dass Bouldern ausserhalb der Boulderzone gemäss Zonenplan der Gemeinde nicht gestattet ist.

Bouldergebiet Magic Wood
- Entdeckt und erschlossen circa ab dem Jahr 1996 von Thomas Steinbrugger, Bernd Zangerl, Jack Müller und vielen mehr
- Das Gebiet erstreckt sich auf in etwa auf einer Breite von 300 Metern und Länge von 500 Metern
- Leisten, Aufleger, Zangen an bestem Granit - feinkörnig und rau.
- Nach ausgiebigem Regen sind viele Boulder am ersten Tag noch nass
- Im Winter und Frühjahr liegt oft zuviel Schnee zum Bouldern, an manchen Tagen ist es aber trotzdem möglich. Im Sommer wird es dank der Höhe nicht zu heiß, so dass auch bei hitzigen Temperaturen im Tal der Wald noch gute Boulderbedingungen bietet.
- Absprunggelände oft verblockt, mit Spalten oder Wurzeln versehen: Je mehr Crashpads und Spotter, desto besser.
- Viele Highballs haben Haken oben, so dass man sie auch toprope klettern kann - das ist bei einigen sogar dringend zu empfehlen! Auch ein paar eingebohrte Routen gibt es.

Topos
- Führer „swissBloc °1“ von Ulrich & Harald Röker
- Alpen en bloc 01. Westlicher Teil
- Online unter sloper.climbing.nl

Wetter
Zu checken hier oder hier.

Infos zur Region
Findet ihr unter http://www.ferrera.ch/ und http://www.viamala.ch/de/welcome.cfm.

Viel Spaß im Magic Wood!

Hier noch ein toller Clip von Martin Dejori:


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