Für die erste Folge unseres Themenspecials zur Ausrüstungspflege sprachen wir mit Matthew Callaghan. Der Engländer ist Sales Operations Team Leader der Firma Nikwax, einer der führenden Hersteller von Pflegeprodukten für Outdoorausrüstung.

bergleben.de: Nikwax als Pflegemittelhersteller setzt schon seit Jahrzehnten auf eine umweltfreundliche Lösung, die auf Fluorkohlenwasserstoff-basierte Produkte verzichtet. Aus welchem Grund?
Matthew Callaghan: Fluorkohlenwasserstoffe sind auf natürliche Weise nicht vorkommende, dafür aber umso schwerer abbaubare Chemikalien, die mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden und in der Blutlaufbahn von Säugetieren und Menschen nachgewiesen wurden. Von einem praktischen Standpunkt aus gesehen, müssen die meisten auf Fluorkohlenwasserstoff basierten Imprägniermittel mit Wärme aktiviert werden, z.B. im Trockner. Das bedeutet einen erhöhten Stromverbrauch und folglich einen größeren CO2-Fußabdruck.

bergleben.de: Bergsport ist sehr ausrüstungsintensiv - Schuhe, Bekleidung, Schlafsack, Zelt: Outdoorsportler benötigen viel Material. Gibt es Pflegegrundsätze, die man als Bergsportler befolgen sollte?
Matthew Callaghan: Generell sollte man: Den Schmutz entfernen, bevor er angetrocknet ist, den Schuh/die Bekleidung möglichst noch im nassen/feuchten Zustand imprägnieren und das Material stets auf natürliche Weise trocknen lassen - mit der Ausnahme von Daunenbekleidung oder Schlafsäcken, die am besten in einem Trockner getrocknet werden. Für Ausrüstung wie Zelte, Rucksäcke etc. empfiehlt es sich, zusätzlich zur Imprägnierung noch einen UV-Schutz einzusetzen, um die Haltbarkeit des Stoffes zu verlängern. Im Nikwax Tent & Gear SolarProof werden Imprägnierung und UV-Schutz in einem Mittel kombiniert.

bergleben.de: Funktionsmaterialien, die atmungsaktiv und wasserabweisend sind und UV-Schutz bieten, sind für Outdoorsportler das Kaufkriterium Nummer 1. Dass solche Materialien aber auch Pflege benötigen, glauben wenige. Was passiert mit Softshell-, Gore-Tex- oder Material dieser Art, wenn man es nicht pflegt?
Matthew Callaghan: Hauptproblem ist hier der Verlust der Funktion. Wenn das Obermaterial nass ist, führt dies zum schnellen Auskühlen sowie Verlust der Atmungsaktivität. Schmutz in der Faser kann auch vorzeitigen Verschleiß verursachen, daher verlängert regelmäßiges Reinigen und Imprägnieren die Lebensdauer der Ausrüstung und erhält die ursprüngliche Funktion.

bergleben.de: Nun konkret: Ich war zwei Wochen zelten, habe jede Form von Wetter mitbekommen, Sonne, Regen, hohe und niedrige Temperaturen. Was kann ich tun, damit mein Zelt auch beim nächsten Urlaub noch genauso funktionsfähig ist wie in diesem?
Matthew Callaghan: Gehen Sie zunächst sicher, dass Sie das Zelt vollständig getrocknet und auf mögliche Schäden untersucht haben. Das Überzelt sollte imprägniert sein, z.B. mit Nikwax Tent & Gear Solarproof, welches gleichzeitig auch vor Schäden durch UV-Strahlen schützt. Eine gute Imprägnierung des Überzelts hilft, die Kondensation bei feuchten Wetterbedingungen zu reduzieren. Auch sollten Sie stets darauf achten, dass das Zelt gut abgespannt ist. Die Ventilationsöffnungen können nur richtig funktionieren, wenn das Zelt richtig aufgebaut ist. Die Innenseite des Zelts sollten Sie mit einem Insektenschutzmittel auf Pemethrinbasis besprühen, das Ihnen die stechenden Insekten vom Leib halten wird.

bergleben.de: Softshell ist in aller Munde. Jacken, Hosen, Shirts - mittlerweile hat fast jeder Bergsportler etwas aus diesem Material. Welche Pflege benötigen meine Softshell-Kleidungsstücke? Kann ich diese ganz normal in der Maschine waschen?
Matthew Callaghan: Die meisten Softshells können in einer normalen Waschmaschine gewaschen werden, am besten jedoch mit einem Spezialwaschmittel, wie das Nikwax Tech Wash, das schon bei 30°C reinigt. Imprägnieren Sie anschließend bei Bedarf das Softshell mit einem speziellen Imprägniermittel, wie das Nikwax SoftShell Proof, das es entweder als Wash-In oder als Spray-On gibt. Da Softshells meistens sehr viel zum Einsatz kommen, ist es wichtig, dass sie auch regelmäßig gewaschen und nachimprägniert werden. So hat man wesentlich länger Freude daran.

bergleben.de: Meine Fleece-Shirts haben nach dreimaligem Waschen meist völlig ihre Struktur, Isolierungs- und Wärmeeigenschaften verloren. Gleiches gilt für meine synthetische Funktionsunterwäsche und mein Baumwollhemd. Soll ich für die verschiedenen Materialen unterschiedliche Mittel benutzen? Worin besteht der Unterschied von synthetischen und natürlichen Fasern in der Pflege?
Matthew Callaghan: Die meisten herkömmlichen Waschmittel bestehen aus Waschsubstanzen, welche die Performance von moderner Outdoorbekleidung negativ beeinflussen. Waschmittelrückstände ziehen Feuchtigkeit an, machen das Material steif und begünstigen Körpergeruch. Aus diesem Grund hat Nikwax eine Auswahl an speziellen Waschmitteln für Basis- und Mittelschichten entwickelt. Zur Unterstützung der typischen Eigenschaften von Funktionswäsche aus Synthetik bzw. aus Merinowolle verbessern BaseWash und Wool Wash den Feuchtigkeitstransport und beschleunigen so die Trocknungszeit. Zusätzlich bekämpfen sie Körpergeruch und machen die Fasern schön weich. PolarProof wiederum stellt die wasserabweisenden und atmungsaktiven Eigenschaften von Fleece wieder her.

bergleben.de: Damals beim Wanderschuhkauf wollte man mir ein Pflegemittel andrehen. Schlau wie ich bin, habe ich natürlich abgelehnt. Dann nach einem Jahr war das Leder trocken und rissig, der Stoff wasserdurchlässig. Hätte das mit den richtigen Pflegemitteln verhindert werden können? Wie sorge ich dafür, das die wasserabweisenden Eigenschaften von Glattleder und die Schweissdurchlässigkeit von Wildleder gleichermaßen erhalten bleibt?
Matthew Callaghan: Wie bei den meisten Käufen gilt die Regel: Gute Qualität hat ihren Preis. Auch für Ihre Stiefel gilt: je besser die Qualität, desto länger halten diese. Doch wenn Sie Ihre Stiefel nicht richtig oder etwa gar nicht pflegen, werden Sie sich viel zu früh ein neues Paar zulegen müssen. Wichtigster Punkt ist, den Schuh vor dem Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen, welches die Hauptursache für das Altern des Leders ist. Beim Trocknen verliert der Schuh seine schützenden Fette und Pflegebestandteile, welches durch ein regelmäßiges Reinigen und Imprägnieren des Schuhs verhindert wird. Gute Pflegeprodukte, wie das Nikwax Waterproofing Wax for Leather imprägnieren und pflegen gleichzeitig und verhindern so ein Austrocknen des Leders. Für Stiefel, die aus einer Kombination aus Stoff mit Leder (meistens Velours) bestehen, hat Nikwax ein speziell darauf abgestimmtes Produkt entwickelt, das Nikwax Fabric & Leather Proof.

bergleben.de: Schlafsäcke liegen oftmals ein Jahr im Keller, bis sie wieder verwendet werden. Wie schütze ich meinen Daunenschlafsack vor dem Verlust seiner schützenden Eigenschaften?
Matthew Callaghan: Bewahren Sie den Schlafsack in gereinigtem Zustand an einem trockenen Ort auf. Verwenden Sie hierzu keinen Plastiksack, da in diesem bei Temperaturschwankungen Kondensation entstehen kann und die Daune durchfeuchtet. Stattdessen sollten Sie den mitgelieferten Aufbewahrungssack aus Baumwolle oder Mesh benutzen. Auch sollten Sie den Schlafsack keinesfalls im kleinen Packbeutel aufbewahren, da dies die Daune auf Dauer zu sehr komprimiert und sie ihren Loft und somit ihre wärmende Eigenschaft verlieren kann. Regelmäßiges Waschen mit einem speziellen Waschmittel hilft dabei, den Schlafsack in gutem Zustand zu halten. Dabei wird angeraten, den Schlafsack vor dem Aufbewahren zu reinigen, wodurch die Daune über die ungenutzte Zeit geschützt wird und der Schlafsack bei Bedarf sofort einsatzbereit ist.

bergleben.de: Grundsätzlich gibt es ja zwei Möglichkeiten, einen Ausrüstungsgegenstand zu behandeln - entweder von außen, beispielsweise mit Spray, oder von innen, in dem man ihn einwäscht oder einweicht. Ist eine von beiden Methoden wirksamer als die andere und der anderen vorzuziehen oder muss man da differenzieren?
Matthew Callaghan: Die Art der Anwendung ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit sondern hat einen direkten Einfluss auf die Performance Ihrer Ausrüstung. In den meisten Fällen wird ein Imprägniermittel zum Einwaschen verwendet, da es einfach in der Maschine anzuwenden ist und absolut gleichmäßig eingewaschen wird. Ein Spray-On wird für Bekleidung mit einem hydrophilen (wasseranziehenden) Coating empfohlen, da manche Wash-Ins die Atmungsaktivität beeinträchtigen können. Derartige Kleidungsstücke wären zum Beispiel Jacken mit Membranen mit PU-Coating und solche mit feuchtigkeitstransportierendem Innenfutter. In diesem Zusammenhang muss aber auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die verminderte Atmungsaktivität bei einem Wash-In weniger ins Gewicht fällt als bei Material, das durch zuviel aufgesprühtes Imprägniermittel durchtränkt ist. Aus diesem Grund ziehen die meisten Anwender ein Einwaschprodukt vor, wie das TX.Direct von Nikwax. Mikroporöse Membranen, wie Gore-Tex® und Event® vertragen durchaus ein Wash-In wie das TX.Direct, welches sich dank eines patentierten Polymers um jede einzelne Faser legt, ohne die Zwischenräume zu blockieren oder die Atmungsaktivität zu beeinträchtigen. Um noch auf die wirtschaftliche Frage einzugehen: mit einer Flasche TX.Direct Wash-In lassen sich weitaus mehr Produkte imprägnieren (und das gleichzeitig!) als mit einer Flasche Spray-On.

Mehr Infos zu den Produkten von Nikwax und deren Pflegeeigenschaften findet ihr unter www.nikwax.de.